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Hier finden Sie das Archiv der neuen Kolumne „Lichtstreif“,
die sporadisch aktuelle Anlässe oder Themen kommentiert.
Lichtstreif
Christ bin ich geworden und geblieben durch andere Menschen, in deren Freundschaft mir die Menschenfreundlichkeit Gottes begegnet ist. Christ bin ich geworden und geblieben durch andere Menschen, deren entschiedenes Engagement mir die Augen geöffnet hat für das Engagement Jesu.
Christ bin ich geworden und geblieben durch meine Frau, deren Liebe ich erfahre als Spiegelung des göttlichen Schalom, in dem Eros und Agape zwei Seiten derselben Wirklichkeit sind.
Chirst bin ich geworden und geblieben durch Männer, durch Frauen, die mir Mut zu mir selber machten.
Christ bin ich geworden und geblieben, weil ich unter Christen die offensten, mutigsten, anregendsten Menschen gefunden habe.
Christ bin ich geblieben, weil ich in der Kirche die heftigsten Konflikte mit anderen Menschen erlebt habe, was einerseits Beziehungsabbrüche und Feindschaften, andererseits Freundschaften mit Menschen zur Folge hatte, mit denen ich Pferde stehlen, Kirchenbonzen stürzen und anderen heiligen oder unheiligen Schabernack treiben kann.
Christ bin ich – um in meiner Aufzählung einzuhalten – durch andere, dank anderen. Ich weiß nicht, ob ich als Eremit oder allein auf einer Insel Christ sein könnte. Mein Christsein ist dadurch bestimmt, dass es die Gemeinde Christi gibt, die freilich nicht einfach identisch ist mit kirchlichen Institutionen. Gemeinde Christi, das sind für mich lebendige Menschen und Gruppen im oben erwähnten Sinn.
Unter diesen Menschen, in Gruppen engagierter Christen also, erlebe ich, was Solidarität ist, was es bedeutet, bejaht zu werden und andere zu bejahen, für sie einstehen zu dürfen.
Kurt Marti
zeugte Sem, Ham und Jafet. So heißt es im 1. Buch Mose, Kapitel 5, Vers 32.
Späte Zeugungskraft und Fruchtbarkeit wünschen sich heute viele, manche haben sie. Neulich, wie ich gehört habe, soll ein 80-jähriger Mann noch Vater geworden sein. Schön für ihn - für das Kind und die Mutter ist das wahrscheinlich auf Dauer weniger lustig.
„Noah war 500 Jahre alt“ – Frauen reagieren auf diese biblische Meldung eher reserviert: Mit einem 500-Jährigen? Sie wären selbst nur wenig jünger.
500 Jahre alt! Um das richtig zu verstehen, sei heute für die alttestamentlichen Angaben ein Umrechnungsfaktor von 0,08 anzusetzen, sagt eine Theorie. Demnach wäre Noah etwa 40 Jahre alt gewesen. Für damalige Verhältnisse immer noch sehr alt, heute nicht mehr. Da steht mann/frau noch ziemlich „im Saft“!
Die Zahlen des Alten Testaments sprechen eine andere Sprache.
Sie sind Symbolzahlen, keine numerischen Bezeichnungen, keine historisch auswertbaren Zeit- und Altersangaben. Die alten Hebräer waren keine Rechner im modernen Sinn. Anders als schon damals zeitgleich die alten Griechen, waren sie keine Mathematiker. Ja, die alten Hebräer hatten gar keine Zahlen. Sie haben den 22 Buchstaben ihres Alphabets Zahlenwerte zugeordnet, auch 10er und 100er Zahlen, mit denen sie dann durch Addition und Multiplikation auch noch höhere Zahlenwerte darstellen konnten.
Was sie so durch Buchstaben behelfsmäßig dargestellt haben, waren primär keine Messzahlen, sondern Bedeutungsträger. Die Bedeutung einer Zahl, das war das Wichtige, nicht der numerische Wert – wie vielfach auch sonst im alten Orient. Und die einzelnen Zahlenbedeutungen wurden dann zu einem ganzen System der Zahlensymbolik und Zahlenmystik ausgebaut.
Wer mehr darüber wissen will:
http://www.joerg-sieger.de/einleit/allgem/01spra/all08.htm
Die 1000 zum Beispiel steht für „unzählig Viele“. Wir kennen das auch heute bei uns, zum Beispiel: Wenn Du am Morgen auf der Strecke Berg-Starnberg drei Polizeifahrzeugen incl. einer Radarfalle begegnest, dann sind dir hinterher „1000 Polizeifahrzeuge“ begegnet. So ist es – „gefühlt“, wie wir sagen.
Insofern war Noah – neu verstanden für heute – „gefühlte 500 Jahre alt“, also schon recht alt, als er noch dreimal zum Vater wurde. Und er starb mit 950, also „gefühlt hochaltrig“, wenn auch nicht ungezählt mit 1000, sondern eben doch begrenzt, ein „Grufti“, aber noch kein „Mausoli“, wie es heute heißt.
Frage: Wofür steht die Zahl 500 bei Noah?
Rätselhafter Gruß
Ihr Johannes Habdank
Pfarrer

„CMB“ kann in der globalisierten Welt vieles heißen.
Es kann die Abkürzung sein für die Hintergrundstrahlung Cosmic Microwave Background, für die China Merchants Bank, für China Motor Bus, einer Busbetrieb- und Immobiliengesellschaft in Hongkong, für die Coastal Motor Boats, die britischen Schnellboote im ersten Weltkrieg, oder auch für das Collegium Musicum Basel.
Dagegen weiß die katholisch imprägnierte Seele in Bayern, auch die evangelische, nur das einzig Wahre: C.M.B. heiße: Caspar, Melchior und Balthasar - die drei Könige!
Die glorreichen Drei geistern in diesen Tagen wieder herum, sie läuten an, die Sternsinger! Wer ihnen die Tür öffnet, hört sie Lieder singen. Christlich-fromme Sternsinger-Lieder. Sie künden von der Ankunft Jesu Christi in der Welt, im Stall von Bethlehem und in unseren Herzen. Und sie singen auch von sich selber und von denen, deren Brauchtums-Reinkarnation sie sind: den drei Königen, die sie spielen.
Ob es nun seinerzeit drei Könige waren – oder wie viele sonst oder vielleicht gar keine? – und dass in der Bibel auch ihre Namen gar nicht genannt werden – das ist uns und den Sternsingern an der Haustür doch egal, oder?
Wenn sie dann mit dem Singen fertig sind, dann machen Sie die Hand auf für eine „milde Gabe“. Sie danken in der Regel artig, schreiben dann mit Schulkreide mehr oder weniger gekonnt „C.M.B. 2010“ mit einem Kreuzzeichen davor und dahinter auf den Türstock des Hauseingangs – und dann gehen sie auf einem anderen Weg weiter, von hinnen nach dannen, von Haus zu Haus.
Ein liebenswürdiges „heiliges Spiel“, denke ich mir, als sie wieder weg sind. Ich finde das viel sinnvoller als Halloween-Behelligungen am Reformationstag abends: „Gib Süßes, sonst gibt´s Saures!“ – die drohen und wollen was haben! Das machen heute viele Leute so – nicht sehr geistreich!
Was mich zunächst auch bei den Sternsingern stört: Die drohen zwar nicht, sie singen nur! Aber sie schenken nichts so wie die Weisen aus dem Morgenland, keinen Weihrauch, keine Myrrhe und schon gar kein Gold, nein, im Gegenteil:
Die wollen auch was haben!
Und sie kriegen es auch von mir, weil es nicht für sie selber ist, sondern für einen guten Zweck! Und mit dem „C.M.B.“ verewigen sie sich ja auch nicht selber an unserer Haustür. Sie verweisen damit auf ihren ursprünglichen Auftraggeber:
Jesus Christus.
Er segne diese Bleibe, dieses Haus:
+ Christus Mansionem Benedicat +
Sein Segen Ihnen allen für die kommende Zeit!
Ihr
Pfarrer Johannes Habdank
Eigentlich nichts, oder? In meinem Elternhaus war dieser Wunsch deshalb verpönt. Er galt als flach und dumm. Und je mehr Leute ihn benutzten, umso dümmer. Denn: was viele oder alle machen, das ist schon allein deswegen verdächtig. Wer rutscht schon ins Neue Jahr? So ein ungeistiger Blödsinn! Da rutscht doch nichts! Und ausrutschen wollen wir schon gar nicht!
Wo bleibt Gottes Segen?
Vornehmlich in Kirchen- und Theologenkreisen konnte man seit Mitte der 1980er Jahre vermehrt hören, der „gute Rutsch“ sei eine Verballhornung aus dem Jiddischen. Der Wunsch bedeute ursprünglich den „guten Anfang des neuen Jahres“ - Rosch ha schanah tov! (hebräisch: Rosch = Kopf, Anfang).
Ich habe diese Meinung bis heute gerne übernommen. Ist ja auch toll, wenn man andere mit dieser Version bildungsmäßig „beschlaumeiern“ kann!
Wie ich heute merke, stimmt diese Version aber wohl doch nicht.
Der „gute Rutsch“ als Verballhornung des Jiddischen entspringt nach neuerer Forschungslage der polemischen Fantasie eines antisemitischen deutschen Sprachforschers namens Adolf Thiele, Mitte 19.Jahrhundert. Sein Machwerk heißt: „Die jüdischen Gauner in Deutschland, ihre Taktik, ihre Eigenthümlichkeiten und ihre Sprache.“
Dem scheint 1985 der Sprachforscher Wolf in seinem „Wörterbuch des Rotwelschen“ aufgesessen zu sein – und so wurde die Debatte bei uns wieder aktuell: rutscht was oder rutscht nichts?
Thieles These wurde schließlich 2002 von zwei Forschern unserer Zeit widerlegt: „aus lautlichen und sprachpragmatischen Gründen“, wie es heißt.
(Wen mehr interessiert: siehe Internet-Artikel bei Wikipedia „Guten Rutsch“)
Also rutscht doch was? Sehr wahrscheinlich!
Der „gute (glückliche) Rutsch“ bedeutet seit 1820 „gute Reise“! Einen „guten Rutsch“ machen heißt „eine kleine Reise machen“! Und da bedeutet „rutschen“ soviel wie „gleiten“ – mit dem Schlitten und später dann mit der Eisenbahn. Das langsame, mühelose, fast unmerkliche Hinübergleiten ist gemeint: „komm gut rüber!“ Das sagen wir heute noch. Also etwas recht Unspektakuläres, fast schon Normales – von einem Tag zum andern, von einem Jahr zum andern.
Historisch wurde der „gute Rutsch“ wohl zum ersten Mal zu Beginn des 20. Jahrhunderts auf Bildpostkarten als damals neuem Kommunikationsmedium verwendet, als Bildmotiv und in Worten.
Heute verwende ich erstmals diesen Wunsch im heute aktuellen Kommunikationsmedium, der Homepage www.berg-evangelisch.de:
Ich wünsche Ihnen einen „guten Rutsch“ ins neue Jahr, in den morgigen Neujahrstag und in jeden Tag des neuen Jahres!
Und was natürlich nicht fehlen darf: Gottes Segen!
Ihr
Pfarrer Johannes Habdank
Herzliche Einladung zu den Gottesdiensten an
• Silvester in Aufkirchen, 18.30 Uhr, mit Abendmahl
• Neujahr im Gemeindezentrum Berg, 17.00 Uhr, mit Sektumtrunk
Liebe Gemeinde,
liebe Leserinnen und Leser!
Es gibt sie aus Glas, mundgeblasen aus Thüringen oder industriell gefertigt aus China. Es gibt sie aus Plastik, Holz oder Metall, einfarbig oder bunt, mit und ohne Bordüren und Muster, glitzernd und glimmernd. Es gibt sie als billiges Deko-Set, ganz normale Einzelstücke oder teure Designerteile, mit dem Abzeichen des deutschen Fußballrekordmeisters oder dem Emblem von Nobelkarossenherstellern wie Lamborghini –
die Christbaumkugel. Wofür steht sie eigentlich, wenn sie am Baum hängt?
Ein Blick auf ihren Ursprungsmythos Mitte des 19. Jahrhunderts hilft weiter. Weil sich ein armer Glasbläser die traditionellen Weihnachtsäpfel für den Christbaum nicht leisten konnte, machte er sich Kugeln aus Glas. Die waren billiger und glänzten noch schöner. Nach anderer Version waren verglaste Walnüsse die Vorläufer der neuen Glaskugeln, die innerhalb weniger Jahrzehnte die christliche Weihnachtsbaumwelt weltweit eroberte. Die Zahl der Christbaumkugeln, die heute an Weihnachten die ca. 23 Millionen Christbäume allein in Deutschland zieren, dürfte kaum abzuschätzen sein. Aber ihre Bedeutung?
Ihre Bedeutung soll die des Weihnachtsapfels sein, den man den Kugeln kaum mehr ansieht. Der Weihnachtsapfel ist als Frucht Sinnbild für Leben und Fruchtbarkeit. In biblisch-christlicher Tradition ist es der Apfel am Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. Er ist Symbol der Versuchung, der der Mensch schon im Paradiesgarten nicht widerstehen kann, was zu seiner Vertreibung führt – zum Leben „out of paradise“.
So gesehen, erinnert uns jede Christbaumkugel an die elementare Ambivalenz des menschlichen Lebens – an unser Doppelgesicht, unseren Doppelcharakter, der zutage tritt in so vielem, was wir tun und erleben.
Aber der Glanz der Kugeln verweist uns auf den Lichtglanz Gottes und der himmlischen Welt, die an Weihnachten zu uns kommt.
Das können uns zwar auch die guten alten Weihnachtsäpfel sagen, wenn sie in traditionellen Stuben den Baum schmücken und wohl poliert tief rot oder gold leuchten. Aber: Die Äpfel halten nicht so lang – sie schmecken besser.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie an Weihnachten Zeit finden, sich über ihr Leben und ihre Lieben gute Gedanken zu machen.
Dass die Patina des Alltags im zu Ende gehenden Jahr aufgefrischt wird durch den weihnachtlichen Lichtglanz, der unsere Welt erhellt.
Frohe Weihnachten und Gottes reichen Segen für das Neue Jahr
wünscht Ihnen auch im Namen des Kirchenvorstands und der Mitarbeiter
Ihr
Pfarrer Johannes Habdank
mit Familie
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