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Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Berg am Starnberger See

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Predigttext Pfarrer Johannes Habdank

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Matthäus 2, 1-12: Die Weisen aus dem Morgenland 1 Als Jesus geboren war in Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen: 2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenland und sind gekommen, ihn anzubeten. 3 Als das der König Herodes hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem, 4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. 5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa; denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1): 6 »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda; denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk Israel weiden soll.« 7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre, 8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach: Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein; und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, dass auch ich komme und es anbete. 9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über dem Ort stand, wo das Kindlein war. 10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut 11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe. 12 Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem andern Weg wieder in ihr Land.

Er ist das Licht der ganzen Welt.
Er ist Licht in der Finsternis für die Hirten.
Er ist Licht für das ganze Volk, das im Finstern wandelt.
Und dieses Licht zieht auch die Herzen der Herren fremder Länder in Bann. Ihnen allen gilt das Licht der Welt, „das jedem klar vor Augen stellt den hellen schönen, lichten Tag, an dem er selig werden mag.“ (Liedstrophe 3 aus „Du höchstes Licht“, EG 441, vorher gesungen)

 

Liebe Gemeinde,
zwei Punkte sind es, die ich Ihnen heute zu dieser facettenreichen Erzählung von den Weisen aus dem Morgenland, die Sie vorhin als Evangelium gehört haben, zu bedenken geben will:

1. Die Botschaft von der Geburt Christi gilt allen, Nahen und Fernen, Fremden und Einheimischen, Armen und Reichen, Hirten und Königen.
Dass es Könige gewesen sein sollen, ist spätere Legendenbildung, davon steht nichts geschrieben. Weise aus dem Morgenland, heißt es. Magier, Sterndeuter waren sie wohl. Sie sind von ihrem Sternenglauben durch den Stern von Bethlehem zum Christusglauben geführt worden? Dass sie zu Christen geworden sein sollen, meint man gerne, steht allerdings auch nicht da, nur zum Stall und zur Verehrung des Kindes sind sie gekommen. Ob sich diese Geschichte wirklich so abgespielt hat, wissen wir nicht. Immerhin, wenn es schon keine Könige waren, sehr wohlhabend müssen sie doch gewesen sein, denn wer kann sonst dem Kindlein hold Weihrauch schenken und Myrrhe und Gold? Und Myrrhe war damals ja noch viel wertvoller als Gold. Ja, es muss schon ein besonderer Geburtstags- und Antrittsbesuch gewesen sein, wobei man ja auch nicht weiß, wie viele Besucher es wirklich waren: aufgrund der Dreizahl der Art von Geschenken wurde später die Dreizahl der Personen „erschlossen“ – Zahl steht aber tatsächlich keine da. Und dann wurden irgendwann einmal auch noch die Namen „bekannt“: Caspar, Melchior und Balthasar – was bekanntlich nichts mit dem „C.M.B.“ von den Sternsingern auf unseren Türenbalken zu tun hat – das heißt vielmehr: Christus mansionem benedicat – Christus segne diese Bleibe, das Haus!

Was da alles wirklich so war oder nicht: wie schon mit der Weihnachtsgeschichte des Lukas liegt uns auch hier kein historischer Tatsachenbericht vor, nein, der Symbolgehalt und die Bedeutungszusammenhänge in diesen Erzählungen sind entscheidend.
Und da ist sicher eine nicht unwichtige Aussage der heutigen Erzählung, die in kirchlichen Kreisen nicht so oft hervorgekehrt wird, mir aber deswegen umso wichtiger ist:
Die Botschaft von Christi Geburt gilt auch den Reichen, Wohlhabenden und Gebildeten. Das – unter anderem – sagt uns die Geschichte von den reichen Weisen, die weder Kosten noch Mühen gescheut haben, dem Kind in der Krippe ihre Reverenz zu erweisen. Die reichen Weisen sind übrigens bei Matthäus die ersten, die in Bethlehem ankommen, von Hirten ist in diesem Evangelium gar keine Rede.

Und es ist ja nicht viel anders als bei den Weisen, wie sich heute viele wohlhabende Bildungs- und Wirtschaftsbürger verhalten. Sicher pilgern heute nur ganz wenige in der Heiligen Nacht den weiten Weg nach Bethlehem. Über 2000 Jahre nach Christi Geburt aber kommen viele, die mit dem christlichen Glauben sonst vielleicht „gar nicht so viel am Hut haben“ – wie wir gerne meinen, weil sie kirchlich eher distanziert sind – wenigstens an Weihnachten in die Kirche – ansonsten erweist man Christus seine Reverenz durch einen eher leisen, schnellen Vorgang, der aber durchaus wirkungsvoll und nicht zu verachten ist: man folgt dem Stern von Bethlehem unter-jährig auf elektronischem Weg mittels Zufließenlassens von Kirchensteuermitteln oder einer kräftigen Spende zwischendurch für kirchliche und soziale Zwecke - das materielle Geschenk eilt der Seele sozusagen übers Jahr permanent voraus, die Seele selbst kommt ein-zweimal im Jahr persönlich im Festtagsgewand hinterher.

Im Ernst: Etwa 40 % der Kirchenmitglieder zahlen überhaupt Kirchensteuer – und den Löwenanteil der Summe stellen nun einmal die sog. gehobene Mittel- und Oberschicht, die „Besserverdienenden“ – es ist also eine große soziale Umverteilungsaktion, die da permanent finanziert wird! Und was teilweise gerade von dieser materiell und meist auch bildungsmäßig gehobenen Klientel in die Kirche eingebracht wird, das ist einfach hochrespektabel. Vor allem bei denen, die sich mit ein paar anderen zusammen eigentlich einen eigenen Pfarrer leisten könnten, ist das wirklich mehr als genug. Bei diesen Mäzenen – so muss man sie nennen - ist auch nicht im Entferntesten an ein adäquates Äquivalent, an eine angemessene Gegenleistung zu denken, die sie erhalten. Gut, ist auch nicht das Prinzip der Steuer. Aber nicht wenige steigen deswegen aus! Sind wir froh und dankbar, dass diese Menschen, die wir bei uns haben und die sich ja ihren materiellen Wohlstand in aller Regel nicht gestohlen haben, nach wie vor zur Krippe im Stall kommen und mit ihrem freundlichen Geberverhalten sowohl das kleine Bethlehem, also unsere Gemeinde Berg, als auch das hohepriesterliche „Jerusalem“ mit seinem Verwaltungstempel in der Meiserstraße finanzieren. Und dass sich auch noch eine ganze Reihe persönlich ehrenamtlich immer wieder engagieren, obwohl sie sich von kirchlichen Repräsentanten und politisch einseitig fixierten Theologen und Kirchenleuten seit Jahrzehnten eine beschämende Reichenschelte, wirtschaftsfeindliche Sprüche und moralischen Verriss von Geld und Gewinn anhören dürfen – das ist schon fast ein kleines Wunder!

Jahrzehntelang wurde doch einseitig proklamiert: Das Evangelium gelte den Armen oder vorrangig den Armen. Dafür gibt es zwar auch Bibelstellen, aber im Gesamtbild stimmt das einfach nicht: Das Evangelium gilt allen Menschen, unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Herkunft, Nationalität, Bildungsstand, Wirtschaftskraft, sozialem Milieu und Religionszugehörigkeit, unabhängig vom Ansehen der Person – jeder Person. So ist das Evangelium ist auch keine soziale Revolutionsparole, sondern eine umfassende religiöse Neuorientierung, Vergebung, Lebenshilfe und Trost. Mit dem Evangelium sind wir keine partikulare Interessensreligion, sondern universal ausgerichtet. Die Initialzündung ging von Jesus aus, der alle Grenzen durch seine Predigt und seine vielen symbolischen Handlungen im Kern gesprengt hat, geographisch entgrenzt hat dieses universale Evangelium dann Paulus und alle, die das Christentum glaubwürdig weiter verbreitet haben.

Ich komme zum zweiten Punkt, auf den ich Sie aufmerksam machen will:
2. Nachdem die Weisen dem Kind die Reverenz erwiesen haben, heißt es: „und sie zogen auf einem anderen Weg wieder in ihr Land.“

Auf einem anderen Weg wieder in ihr Land – das ist mein zweiter Punkt für Sie.
Der Weg, den die Weisen hergezogen waren, wäre ja wohl der „normale“ Rückweg gewesen, der zu erwartende. Hergekommen waren sie über Jerusalem, weil sie dort im königlichen Haus die Geburt des königlichen Kindes vermutet hatten. König Herodes aber hatte sie – nach Befragung „aller Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes“, wie es heißt, nach Bethlehem verwiesen. „Zieht hin nach Bethlehem und forscht fleißig nach dem Kindlein, und wenn ihr´s findet, so sagt mir´s wieder (und jetzt heuchelnd:), dass auch ich es finde und es anbete.“

Hätten sich die Weisen auf ihrem Weg zurück Herodes´ Wunsch konform verhalten - nicht auszudenken, oder doch, sehr leicht auszudenken, wie die Geschichte weitergegangen wäre: Herodes hätte seinen legendären Kindermord ganz zeitnah sehr gezielt ausführen lassen können oder jedenfalls so, dass das Jesuskind auf jeden Fall mit unter den Opfern gewesen wäre. Nichts also wäre es geworden mit Jesu Leben, wie es uns in unterschiedlicher Weise in den vier Evangelien überliefert ist. Und unser Christentum gäbe es gar nicht? Haben wir den Weisen aus dem Morgenland, Magiern und Sterndeutern, die nichts, aber auch gar nichts vom christlichen Glauben wussten und wissen konnten, unser Christentum zu verdanken?

Sicher nicht nur ihnen, aber: In der Logik unserer Erzählung an dieser Stelle aber:
ja, liebe Gemeinde!
Mit diesen Weisen muss etwas passiert sein!? Etwas, das sie, obwohl sie irgendwie Andersgläubige waren, von ihrer Verehrung des Kindes wie verwandelt, völlig geänderten Sinnes hat heraus und wieder weggehen lassen. Zeichnen wir ihren inneren Weg vom Aufbruch bis zum Heimweg einmal kurz nach.

Schon Ihrem Aufbrechen auf die lange Reise liegt eine erste Sinnesänderung zugrunde. Sie schauen nicht mehr – stationär-statisch – nur nach oben, in den Himmel, in die Sterne, nein, sie entdecken einen neuen Stern, der sie so bewegt, dass sie ihm folgen, sie brechen auf, weil sie von einem neuen Zeitalter unter einem neuen König träumen, der neu entdeckte Stern gibt ihnen die Energie, zeigt ihnen den Weg.

Sie machen sich auf – im doppelten Sinne des Wortes: sie machen sich auf den Weg – sie machen sich auf, öffnen sich für Neues, Unbekanntes, Ungreifbares, zumindest aber Erhofftes.
Ihr Blick ist nach oben gerichtet, zum Stern, und auch im übertragenen Sinn „nach oben“: Sie vermuten das neugeborene Königskind im Königspalast von Jerusalem. Hier alte Weissagung, sie werden vom Stern nach Bethlehem umgeleitet, weiter geleitet. Das heißt: Sie lernen um - zweite Sinnesänderung - gehen einen anderen, neuen Weg, und sie finden ein Kind im Stall. Also nicht im Erhabenen und Hohen, sondern im Erdverbundenen, Bodennahen, im unscheinbaren, verwechselbar Normalen. So wie Meister Eckart sagt: Wenn man nicht in der Lage ist, Gott in allem zu finden, draußen auf dem Feld, auf dem Acker zu Hause, im Stall, im Unrat, überall, dann würde man ihn nie finden. Oder so wie Ignatius von Loyola uns lehrt, Gott in allen Dingen zu suchen und zu finden, so haben auch diese Weisen, gelernt, das Ziel ihrer Suche im Niedrigen zu finden, wo sie ganz gewiss nie gesucht hätten. Das haben diese Männer gelernt – dritte Sinnesänderung. Und die befähigt sie zur vierten: Sie haben zu träumen gelernt. Sie haben gelernt, einer anderen, inneren Stimme zu trauen, als der ihrer Wissenschaft war: mit ihrem Blick nach außen, weit draußen.

Ja, so schreibt es der Traumtheologe Matthäus, dass sie Warnung und Weisung im Traum empfangen und dieser Weisung folgen, ihren Träumen nachgehen - im wort-wörtlichen Sinn.
Sie folgen nun nicht mehr dem Stern, sie folgen nicht mehr ihrem Wissen, nicht einem Außen. Nein, sie folgen dem, was in ihnen, was innen ist, die stimme, die sie innerlich vernehmen.
Ein Psychologe sagt sinngemäß dazu: > Sie sind Männer geworden, die einen Traum haben, sich ihren Traum bewusst machen, diesem Traum trauen und sich dann auch noch danach richten. In psychologischen Traumseminaren soll das mehr die Domäne der Frauen sein! Die drei Weisen – Prototypen des „neuen Mannes“? <

Ich denke, das wäre etwas arg weit gegangen in der Psycho-Interpretation.
Jedenfalls: Innerlich alarmiert, ziehen sie auf einem anderen Weg zurück, werden so nicht zum Handlanger von Machterhalt, Gewalt, Intrige, Mord und Grausamkeit. Sie gehen verwandelt auf einem anderen Weg zurück. Natürlich zurück in ihre alte Umgebung. So ist das immer: wir müssen zurück in das, wo wir herkommen – aber sind nicht mehr dieselben. So geschieht Wandlung, ein Wandeln und Wandern - und nach einem langen Weg kommen wir wieder, aber ganz anders in unsern Alltag zurück.

Ich komme zum Schluss, liebe Gemeinde,
3. Auch heute, denke ich muss es etwas, was uns neu ist und neu macht, ein Lerneffekt, eine Art Eingebung oder etwas Traumartiges sein, dass wir von Weihnachten, vom Stall und von der Krippen, auf einem anderen Weg wieder in unserer Land zurückziehen, in unseren Alltag zurückkehren, nicht mehr als die Alten, sondern gewandelt, mit neuen Ideen, Leitbildern, mit einem anderen Blick für die Dinge.

Etwas, das uns wach macht und dem folgend wir dafür sorgen, dass Jesu Leben, seine Sache, nicht im Keim erstickt wird in dieser Welt, sondern sich weiter entwickeln kann, weiter geht.
Ich hoffe, sie hatten in dieser Weihnachtszeit solche Momente und Erlebnisse, ich hoffe, sie haben etwas ganz Wunderbares gespürt, den Zauber von Weihnachten, der sie neu aufbrechen lässt in die nächste Zeit. In den vielen Gottesdiensten, die wir hatten, waren viele Anregungen, in den Begegnungen mit den anderen Menschen um sie herum, in einem Weihnachtskonzert – suchen Sie danach, es muss nichts Spektakuläres sein, eine vermeintlich kleine Begebenheit am Rande, etwas Unscheinbares, Normales kann es sein, ist es sogar wahrscheinlicher – und darin haben ja auch die Weisen ihr Reiseziel gefunden, personifiziert im Jesuskind.

Lassen wir uns von ihm auf den ihn noch bevorstehenden Lebensweg mitnehmen. Das Reiseziel der Weisen ist unser neuer Anfang. Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste! Amen.

Punkt 2 der Predigt ist eng angelehnt an:
Hans Gerhard Behringer, Die Heilkraft der Feste. Der Jahreskreis als Lebenshilfe,
6. Auflage, Kösel-Verlag München 2007, S. 80-90.
 

 

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