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„Ein Mensch erblickt das Licht der Welt - doch oft hat sich herausgestellt
nach manchem trüb verbrachten Jahr, dass dies der einzige Lichtblick war.“
Liebe Gemeinde,
Eugen Roths Vers gibt auf humorvolle Weise sehr schön skeptisch-modernes, leider doch auch realistisch gesehenes Leben und heutiges Lebensgefühl wider. Da ist wenig Licht im Leben, in der großen weiten Welt an vielen Stellen sowieso, und auch in unseren vielen kleinen Alltagswelten – vielleicht nicht aller, aber vieler Menschen, und das nicht selten, sondern oftmals, durchaus auch bei uns selbst und in unserem pesönlichen Umfeld. Wie kommt Licht hinein in unser Leben, in unsere Welt?
Es gibt jemanden, der gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nach-folgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern der wird das Licht des Lebens haben.“ Und dieser Jemand ist Jesus, der des Johannesevangeliums besonders deutlich, aber auch in den anderen Evangelien wird dies voraus-gesetzt oder abgemildrt gesagt. „Ich bin das Licht der Welt“: Erst am letzten Sonntag haben wir - wie bei jeder Taufe - diese Worte beim Entzünden der Taufkerze gehört.
Licht zu sein, nicht für sich zu leuchten, wie manche Designer-Lampen, die nur für sich schön leuchten sollen, und nicht wirklich hell machen, sondern Licht zu sein für andere, für die Welt, die Erde, die Völker, das wurde in der jüdi-schen Tradition eigentlich Gott, dem Volk Israel als Ganzem, hervorragenden Religionsführern und Schriftgelehrten zugeschrieben.
Vor diesem Hintergrund sind die Worte Jesu aus der Bergpredigt im Matthäusevangelium zu verstehen!
Ich lese sie noch einmal vor:
Evangelium nach Matthäus, Kapitel 5, die Verse 13 bis 16:
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Das scheint ja ein hoher Anspruch an uns zu sein. Wir sollen Licht der Welt sein, und Salz der Erde? Was heißt das eigentlich? Und an wen richtet Jesus diese Worte ursprünglich, und heute?
Drei Punkte sind es, die ich Ihnen heute nahebringen will.
1. Wer ist damals angesprochen?
2. Was bedeutet das Bildwort: Salz der Erde?
3. Was heißt: Licht der Welt?
Und dann Fazit: Was heißt das heute für uns?
1. Wer ist ursprünglich angesprochen?
Da ist zunächst das erste Wort. Das allein ist schon revolutionär: Eben nicht Gott, auch nicht die religiösen und gesellschaftlichen Eliten sind gemeint, nein! Ihr – das sind die gerade erst neu gewonnenen Anhänger, Jünger Jesu, einfache Fischer und Handwerker vom See Genezareth, nicht gerade beson-ders glänzende Erscheinungen, allein dadurch ausgezeichnet, dass sie mit Jesus mitgingen, bei ihm dabei waren. Sie kannten ihn noch gar nicht lange. Aus der Perspektive der religiösen Meinungsführer jener Zeit waren sie einfaches, ungebildetes Fußvolk. Denen zu sagen: Ihr seid das Salz der Erde, Licht der Welt, das hatte schon hochgradig kontrafaktischen Charakter, das war eine völlige Umwertung der Werte, ein Verächtlichmachen der ethisch-religiösen Hierarchien und deren Entwertung, eine Art Demkratisierung der Religion, gesellschaftliche Verallgemeinerung und in dr Konseuenz auch eine Universalisierung des Gottesglaubens. Damit macht Jesus radikal deutlich, dass noch nicht einmal nur er selbst Licht der Welt ist, sondern alle, die mit ihm zu tun haben, wenn auch erst nur anfänglich. So lange und so gut kennt man sich nämlich zu die-sem Zeitpunkt noch nicht. Und dennoch gilt: Mein Vater im Hmmel ist genau so auch euer Vater; wer mir nachfolgt und glaubt wie ich, wer es mit mir zu tun hat, der ist dabei, ist Licht wie ich. Soviel zu dem kleinen Wörtchen „Ihr“.
Das zweite Wort ist: seid - Ihr seid! Das wird ja gerne verstanden als „ihr sollt sein“, „ihr müsst so werden“ – das steht aber gar nicht da, kein Impereativ, keine Moralanweisung, sondern die reine Zusage: Ihr seid es! Ihr seid es einfach, wenn ihr mit mir mit geht, wörtlich und im übertragenen inne: mit geht! Man merkt es euch an, ihr könnt gar nicht anders, ihr seid es! Ihr seid wie von mir angesteckt, und seid damit ansteckend für andere. Das ist so.
Und das wird nun zum Ausdruck gebracht in den beiden Bildworten, die mit Salz und Licht Elemente heranziehen, die für das unausweichlich Lebensnotwendige stehen.
2. Das erste Bildwort, vom Salz:
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
Liebe Gemeinde,
der Clou an diesem Bildwort ist, das es gar kein Salz gibt, das unbrauchbar werden könnte. Salz salzt immer. Deswegen wurde Jesus von schriftgelehrter Seite auch vorgeworfen, dass dieses Bildwort in sich unlogisch sei. Richtig! Aber, der Punkt, den Jesus mit diesem Bildwort vom Salz treffen will, ist ein anderer! Das Wort vom Salz der Erde steht dafür, dass es gar nicht anders geht, sondern immer so ein wird, dass seine Anhänger, die mit ihm mitgehen, bei ihm bleiben, sowie Salz seinen Salzgeschmack nicht verlieren kann! Die Alternative wäre, es ganz bleiben zu lassen – das geht aber in der Logik dieses Bildes nicht. Wir sind mit Jesus die Würze des Lebens, wir bringen mit ihm und wie er Geschmack in die Dinge.
3. Das Bildwort vom Licht der Welt
Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
Im Unterschied zu Salz ist Licht löschbar, man kann es verdunkeln, ausma-chen, eine Kerze ausblasen, ersticken, zum Beispiel unter einen Scheffel stel-len. Das aber wäre gegen den eigentlichen Sinn des Lichtes, hell zu leuchten für andere, für die Welt.
Das Licht-Wort ist verbunden mit dem Bild von der Stadt auf dem Berg, deren Licht auch nachts noch weithin sichtbar ist und Orientierung gibt, Wegweiser ist. Und mit dieser Kombination von Licht und Bergstadt will Jesus auch nur wieder bildlich sagen, dass es unausweichlich ist und unübersehbar, dass sei-ne Anhänger zu ihm gehören. Sie können es nicht verbergen, man merkt es ihnen einfach an. Man sieht es an den guten Werken, die sie tun, und zwar nicht um sich selbst ins rechte Licht zu rücken, sondern zum Lobpreis ihres Vaters im Himmel. Das ist notwendige Konsequenz, geht gar nicht anders!
Liebe Gemeinde,
ich komme zum Schluss! Ihr seid das Salz der Erde, Ihr seid das Licht der Welt.
Das klingt wie ein sehr hoher Anspruch - auch an uns heute, ist aber primär als Zuspruch und Aufmunterung gemeint, zu unserem Christsein zu stehen und entsprechend auch zu handeln, denn das tun Christenmenschen wie von selbst.
Wenn es nur auch immer so wäre, ohne Schwankungen und ohne Abstriche!
Wir leben heute leider nun einmal nicht in dieser idealen Glaubens- und Lebenswelt, oft zweifeln wir, sind nur halb interessiert, schlecht drauf, oft macht der Glaube einfach schlapp angesichts vieler Ungereimtheiten, Prob-leme, Ängste und Sorgen, wenn wir gerade einmal ein Tief haben und da nicht so schnell herauskommen. Oder wenn wir sehen, wie es in der Welt zugeht. Da scheint dann doch unser Salz fade zu werden, und unser Licht leuchtet nicht mehr sehr hell, ja, wir sind eben nicht immer die größten Leuchten, son-dern schon auch mal eher Armleuchter des Glaubens.
Deswegen finde ich eine Idee sehr schön, die ich neulich irgendwo aufgegrif-fen habe, die beim Lichtwort nicht metaphorisch an die Sonne verweist, son-dern an den Mond denken lässt.
Er hat seine Leuchtwirkung nicht von sich, sondern von der Sonne, also einer anderen Quelle. Er ist auch nicht immer sichtbar für uns, von Wolken verstellt manchmal, hinter der Erde – oder sind wir dann hinterm Mond? Auch manchmal. Der Mond hat seine verschiedenen Phasen, Neumond, Halbmond, Vollmond. Ja, er strahlt manchmal – so sieht es für uns aus – ein helles, kühles Licht ab, manchmal ein ganz warmes, orange – immer aber das Licht, das er nicht selbst gemacht hat, sondern nur reflektiert und weitergibt an andere.
Das ist doch ein Bild, das auf uns und unseren christlichen Glauben heute gut zutrifft, der scheinende Mond. Mit Matthias Claudius:
Seht ihr den Mond dort stehen, er ist nur halb zu sehen, und ist doch rund und schön, so sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsere Augen sie nicht sehen.
So ist es mit unserem Glauben. Herr, hilf unserem schwachen Glauben.
Amen.
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