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Liebe Gemeinde!
Liebe Eltern von Jonas,
Ihr habt für euren Kleinen – halbes Jahr klein – einen Taufspruch herausgesucht, sozusagen als Sinndeutung und Motto für sein Leben. Er steht beim Evangelisten Markus Kapitel 9, Vers 23 und lautet:
Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
Das ist ein hoher Anspruch, der da an das Leben formuliert wird. Eine hohe Erwartung, dass dir alles gelingt, eine hundertprozentige Erfolgs-garantie für´s Leben, wenn du nur daran glaubst?
So gesehen ist es ein ganz starker Mutmacher: dass du vor keiner Situation ausweichen musst, vor keiner Schwierigkeit zurück-zuschrecken brauchst, ja, dass du später einmal ein stabiler Charakter sein wirst und dich nicht einschüchtern lässt, sondern verblüffungsfest reagierst auf alles, was dir begegnet! Keine Aufgabe soll zu groß für dich sein, als dass du sie nicht bewältigen könntest, alles soll für dich machbar sein, wenn du nur daran glaubst?
Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
Wie wir ja wohl alle auch schon haben erleben müssen, ist es nicht immer so, dass alles so ausgeht, wie wir es uns gewünscht haben. Denn erstens kommt es oft anders, und zweitens als man denkt, und drittens leider dann nicht immer besser, sondern schlechter als erhofft, obwohl du fest daran geglaubt hast. In der Schule, eine Note, ein Ergebnis ist nicht so eingetreten, im Beruf läuft auf einmal etwas schief, privat, ein Freund enttäuscht dich, eine Beziehung geht in die Brüche, obwohl du alles dir Mögliche dafür getan hast – also für den Erhalt der Beziehung, meine ich.
Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt?
Ursprünglich sagt das kein Geringerer als Jesus selbst, und zwar von sich selber. In der dazu gehörigen Geschichte geht es darum, dass Jesus vom Vater eines kranken Mannes gebeten wird, seinen Sohn zu heilen, der von klein auf immer wieder epileptische Anfälle hatte – sich gerade wild auf der Erde wälzt und Schaum vor dem Mund hat, wie es heißt: Flehentlich bittet der Vater: Jesus, hilf! Und er sagt noch dazu: „wenn du kannst, Jesus!“ Na, der Mann hat wohl seine Vorbehalte, „wenn du kannst, Jesus“ - wie wenn man zu einem Arzt geht, dem man nicht allzuviel zutraut. Daraufhin antwortet ihm Jesus: „Du sagst: Wenn du kannst! – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt!
Und Jesus glaubt! Und dann heilt Jesus diesen kranken Mann.
Nun, keiner von uns ist Jesus, und Jonas auch nicht, weder du noch ich. Aber das zugrunde liegende Gottvertrauen, das Jesus überzeugend hat sein und auftreten lassen, das wird uns mit diesem Spruch Jesu, Jonas´ Taufspruch, allen gewünscht.
Das Gottvertrauen, aus dem heraus Jesus viele, auch sehr riskante und unübliche, ja sogar verachtete Dinge hat tun und ungewöhnliche Wege hat gehen lassen –
so ein Gottvertrauen, das einen auch dann trägt, wenn man allein dasteht, ohne Hilfe anderer, auf sich gestellt, und es ganz schwer ist gerade, dass du dann das sichere Gespür hast, Gott ist bei mir und schützt mich, ich spüre ihm ab, welchen Weg ich jetzt gehen soll –
so ein Gottvetrauen, das uns entscheidungsfreudig nach vorne schauen und gehen lässt, dass wir nicht zögern und zweifeln, ob und was wir tun sollen, sondern mutig und mit Liebe machen, was wir für angebracht halten für uns selbst und für andere -
so ein Gottvertrauen wünschen wir uns und vor allem Jonas für sein weiteres, hoffentlich langes, gesundes und glückliches Leben.
Und darum geht es ja auch dann in der Lesung des sog. Kinderevangeliums mit Jesu Kindersegen, wenn
Jesus sagt:
Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich , ich sage euch, wer das Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.
Dieses Wort Jesu über die Kinder bedeutet ja nicht, dass die Kirche heute kindisch werden soll, im Sinne von läppisch oder dümmlich oder geistig halb verworren. Sondern ist eine Versinnbildlichung des wahren Glaubens. Wie die Kinder noch unverstellt und vorbehaltlos direkt mit ihrer Welt und den für sie wichtigen Personen umgehen - relativ kurze Phase am Anfang des Lebens - , genauso vorbehaltlos und ohne Wenn und aber, also un-verhindert und direkt soll unser Vertrauen zu Gott, dem uns tragenden Grund und Hintergrund unseres Lebens sein.
Und zwar in dieser Weise nur zu ihm, zu niemandem und nichts anderem, wer oder was es auch Wichtiges sei in unserem Leben. Alles Menschlich-Weltliche hat dann einfach keine so hohe, absolute Bedeutung wie unsere Gottesbeziehung – darf es auch nicht haben, sonst sind wir menschlich-weltlich festgebunden.
Denn genau das, dieser Vorrang der Gottesbeziehung ermöglicht es uns, dass wir mit prinzipieller innerer Distanz, frei mit allem umgehen können, weil wir „inwendig“, wie Luther sagt, also in unserem nur Gott gehörenden Persönlichkeitskern, in Gewissen und Seele „ein freier Herr sind über alle Dinge und niemandem untertan.“
Was kann das konkret bedeuten?
Dass du dich nicht innerlich niederdrücken lässt, auch wenn es einmal längere Zeit nicht gut geht, dass du dich nicht von schwierigen Umständen oder Menschen „einmachen“ lässt, sondern dich innerlich aufrichtest und den Kopf hoch nimmst, dass du den freien Blick wahrst über deine aktuelle Sitation hinaus in die Zukunft, nach vorne, auch den Blick weg von dir selbst lenkst hin auf andere, für die du auch da sein sollst – das alles aus deiner inneren Weltüberlegenheit und deinem Gottvertrauen heraus, mit einer tiefen Gottdankbarkeit und Fröhlichkeit!
Innere Weltüberlegenheit – habe ich gesagt. Das hat nichts mit Überheblichkeit, Arroganz und Selbstherrlichkeit zu tun. Die sind sicher nicht gemeint, wenn Jesus von sich selbst sagt:
Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.
Jesus hat geglaubt, er hat geheilt – und ist bei allem Gott- und Selbstvertrauen bescheiden geblieben, nicht übermütig geworden, sondern demütig, wie das alte Wort heißt.
Und deshalb, liebe Tauffamilie, liebe Gemeinde, schlage ich vor, dass für uns und den Täufling – wie gesagt, wir alle sind nicht Jesus – es ja schon schön wäre, wenn sich bewahrheitete eine etwas vorsichtigere Version des Taufspruchs:
Viele Dinge sind eher möglich dem, der da glaubt.
Und – wie die Jahreslosung 2009 sagt: Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich. Lukas 18, 27
Mit Blick auf alles drei, alles uns Mögliche, uns Unmögliche und das bei Gott Mögliche, erbitten wir für Jonas´ Leben Gottes Segen.
Amen.
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