Sie sind hier: Home Aktuell

 

05.05.2019 - Sonntag Miserikordias Domini

Aktuell >>

Predigt am 2. Sonntag nach Ostern (Miserikordias Domini)
über die Evangeliumslesung Johannes 10, 11-16. 27-30 von Pfarrer Johannes Habdank in Berg

Liebe Gemeinde,

„der Herr ist mein Hirte“ – uralte biblische Vorstellung und Glaube!
Wie würde man heute vielleicht moderner sagen? Hm - schwierig!?

Der Herr ist mein Biobauer? Oder: Der Herr ist mein Tierpfleger. Oder gar Heim- oder Gnadenhofleiter – naja … . Da ist das uralte Bild vom „guten Hirten“ immer noch besser, poetischer, schöner, romantischer, auch wenn Hirte ein harter Beruf schon immer war und ist. Hirten mit ihren Schafherden sind heute vielen gar nicht mehr bekannt, vor allem Jüngeren. Kein Wunder! Im Jahr 2017 zählte der Bundesverband der Berufs-schäfer in Deutschland nur noch etwas weniger als tausend Schäfer, hauptberufliche; 1,1 Millionen Mutterschafe wurden gezählt, 600.000 weniger als zu Beginn unseres Jahrtausends. Die zahlenmäßige Entwicklung bei den Schafen zeigt also drastisch nach unten, aber nicht ganz so dramatisch, wie es bei der Kirche in Zukunft sein soll:
die diese Woche wieder einmal medienwirksam prognostizierte kirchliche Mitgliederzahlenentwicklung durch den Bevölkerungsökonomie- und Demografie-Papst Prof. Bernd Raffelhüschen  – Studie im Auftrag der EKD für Deutschland bis 2060, verheißt: Die Kirchenmitglieder werden deutlich weniger, weil nicht genügend nachkommen. Aber die Ergebnisse der „Projektion 2060“ zeigen auch: Demografie ist nicht alles. Mehr als die Hälfte des Mitgliederrückgangs ist auf andere Faktoren zurück-zuführen, auf die die Kirche Einfluss nehmen können sollte: Taufen, Austritte und Aufnahmen. Gleichwohl ist die abzusehende Halbierung der Mitgliederzahlen von derzeit ca. 44 Mio. auf 22 Mio. im Jahr 2060 schon sehr herb. Ob das allerdings bedeutet: auch Halbierung der Christen, weiß ich nicht. Zumindest die Institutionenbindung der Menschen nimmt kontinuierlich ab, nicht nur in den Kirchen, das ist ein allgemeines Phänomen, auch in Staat und Parteien, auch viele Vereine leiden unter dem Verlust von verbindlichem Teilnahmeverhalten, nur der FC Bayern München nicht ... . Spaß beiseite: Institutionentheoretiker und –analytiker sagen: Wenn die Institution einer Idee allmählich dahinstirbt, dann stirbt, mit einem gewissen Verzögerungseffekt, auch ihre Idee, also das Christentum auch außerhalb der Kirchen. Obwohl sich ja das Christentum in vielen Gedanken und Strukturen der Gesellschaft und des Staates auf Dauer verwirklicht hat: Soziale Marktwirtschaft, Menschenrechte, Verhältnis zu den modernen Naturwissenschaften usw., auch wenn die Kirchen dann und wann gerne erstmal dagegen waren und zum Teil auch bis heute noch sind?  Zurück zum Hirten und seinen Schafen:   
Laut „Schafsreport Baden-Württemberg“ lag der Durchschnittslohn eines Hirten in Deutschland zuletzt bei 6,15 Euro pro Stunde. Von Mindestlohn keine Rede in dieser Branche. „Beruf Schäfer“, da muss die Liebe zum Schaf und zum Beruf schon besonders groß sein! „Berufung“ eben!  -

Das Bild vom guten Hirten stammt aus uralter Zeit. Es gibt etwa bildliche Darstellungen vom Hirten, Skulpturen aus Marmor und Wandmalereien aus der Zeit der ersten Christen. Zu sehen ist meist ein junger, bartloser Mann, der ein Lamm auf dem Nacken trägt. Sie stellen etwas anderes dar, als der erste Eindruck uns vermittelt. Es handelt sich nämlich ursprünglich nicht um Darstellungen von Jesus, dem Guten Hirten, wie man annehmen könnte. In fast allen heidnischen Tempeln gab es solche Bilder. Sie zeigen einen Jüngling, der ein Opfertier in den Tempel bringt. Das Bild vom Hirten mit dem Lamm bzw. seiner Herde geht biblisch zurück auf die Vorstellung von Gott als dem guten Hirten. Psalm 23 als klassischer Text, haben wir vorhin gemein-sam gebetet, zumindest gesprochen. Bei Propheten wie Jesaja und Hesekiel wird dieses Bild durchaus auch kritisch gegen die jeweiligen Herrscher des Volkes gewendet: bei Jesaja eher indirekt: Gott selbst wird als der eine wahre Hirte sein Volk führen, und zwar besser als es seine Könige immer getan haben, bis auf König David: David gilt immer als der ideale politische Hirte seines Volkes, auch zur Zeit Jesu noch und danach, weswegen es ja auch wichtig war, Jesu Ahnenreihe bis auf David zurückzuführen: Hosianna, Davids Sohn, sei grüßet, König mild - singen wir im Advent!

Es gibt aber in der Bibel auch massive Kritik an den Herrschern, die zwar so tun, als seien sie Hirten ihres Volkes, die sich aber letztlich nur selbst bedienen, „selber weiden“, wie es heißt, und sich „einen Feuchten kehren“ und eben nicht kümmern um ihre Schafe. Sie haben nicht dieses volle Verantwortungsgefühl für die, die ihnen anvertraut sind, sondern sind nur „Mietlinge“, wie es heißt, machen „ihr Geschäft“ mit der Herde, nützen sie aus, und wenn Gefahr droht, lassen sie ihre Leute hängen, die Herde im Stich. Assoziationen an heutige Führungsfiguren international, Politiker, Konzernchefs usw. legen sich da einem durchaus nahe, nur: wer im Glashaus sitzt …: Die Kirchen sind auch gerne mal eine Herde von vielen Hirten, die sich lieber um sich selbst kümmern als um die ihnen anvertrauten „Schafe“ oder „Schäfchen“.

Schafe? Seltsames Bild. Wer von Ihnen oder Euch will schon gerne Schaf sein? Noch dazu vielleicht das sprichwörtliche „dumme Schaf“?

Hirte? Auch irgendwie nicht gerade zeitgemäß mehr, oder? Das Bild vom Hirten und von den Schafen, es hat heute schon auch etwas Befremdliches an sich, vor allem, wenn es auf politische und gesellschaftliche Verhältnisse angewandt wird. Einer ist der Führer, und die anderen folgen ihm. Zutiefst antidemokratisches Potenzial steckt in dieser Hirtenvorstellung, wenn man sie politisch anwendet – sicher war das ursprünglich nicht in diesem negativen Sinne gemeint, sondern im Sinne eines wohlwollenden Monarchen, gutmütigen Diktators oder wenigstens Direktors, der letztlich alleine und exklusiv für alle weiß, was für „seine Schäfchen“ gut ist. Seine Schäfchen sollen ihm das abnehmen und seine Herde sein, ihm folgen?

„Herr Pfarrer Habdank, wie viele Schäfchen hat eigentlich Ihre Gemeinde in Berg?“ Was soll man auf so eine Frage antworten, bitte?
Ich antworte so oder so ähnlich: „Ja, schon auch  einige Schafe, aber auch Elefanten, Nashörner, Ziegen, Böcke, Schweine, nein: Schwäne, Chamäleons, Hühner, Rehe und Kitze, Frösche, Kaulquappen, Katzen, Hunde („Hund samma scho!“), Wölfe? Und dann gibt es noch einen: der ist der Hirsch!“

Warum hat sich ausgerechnet das Bild vom Hirten und den Schafen religiös durchgesetzt? Die heutige Bibelstelle macht es deutlich: Weil die Schafe die Fähigkeit haben, die Stimme ihres Hirten jederzeit zu erkennen und auf ihren Hirten zu hören. Und zwar durch das vielfache Geblöke von ihresgleichen, den anderen Schafen der Herde, hindurch; auch untereinander erkennen sie sich nicht nur am spezifischen Geruch, sondern an der Stimme; und durch all das Stimmengewirr hindurch hören sie auch seine Stimme. Und das ist ja heute im gesteigerten Stimmengewirr unserer Zeit, das auf dich dauernd eindringt, topaktuell, was da im Evangelium steht: Wo ist die Stimme Gottes herauszuhören, die sagt: Schwache schützen, Hungrige speisen, Durstige tränken,  Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und wie 14 Werke der Barmherzigkeit noch alle lauten:
Gottes Stimme - in welcher Stimme, hinter welcher Stimme, durch welche Stimme, trotz welcher anderen Stimmen?

Das frühe Christentum hat dieses Bild vom Herrgott als Hirten auf Jesus übertragen: Jesus Christus ist unser Hirte, guter Hirte! Weil: in ihm zeigt Gott sein menschliches Gesicht, sein uns zugewandtes Gesicht, seine helfenden und heilenden Hände, seinen vergebenden Zuspruch und Trost, seine Hoffnung auf ein neues, ewiges Leben bei ihm, und jetzt schon hier in seinem Sinne mit ihm.

Hören wir diese seine Stimme? Wir hätten sie oft so nötig, hören wir sie?
Im Evangelium heißt es: „Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmermehr umkommen und niemand wird sie aus meiner Hand reißen. Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen. Ich und der Vater sind eins.“

Hm? Ja! So: Im Sichtbar- und Erlebbarwerden Gottes als des einzig wahren guten Hirten in der Gestalt Jesu Christi, der sich den Menschen zuwendet, für sie da ist, wird jeder dazu bewegt, nicht seine Stimme nur zu hören, sondern der urchristlichen Stimme auch nachzufolgen.
 
„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“, hat Jesus gesagt.
Etwas einfacher formuliert, mit einem früheren Bundeskanzler, also einer Art politischem „Oberhirten“ für Deutschland damals: „Wichtig ist, was hinten rauskommt.“ Mag sein, dieser Kanzler hat sich als Hirte „seines“ wiedervereinigten Volkes verstanden, ich weiß es nicht, benommen hat er sich so, und wahrscheinlich, gesamt gesehen, als guter – da steht mir aber ein Urteil eigentlich nicht zu. Warum?

Ich bin grundsätzlich skeptisch, ob es Sinn hat, göttliche Attribute, Ehrentitel wie „Hirte“, die ursprünglich allein auf Gott religiös bezogen waren und dann auf Jesus Christus übertragen wurden, auf menschlich-gesellschaftliche Funktionsträger zu übertragen. Ich übe mich da lieber in frommer Selbstbegrenzung und Bescheidenheit, als dass ich von Staatsleuten, Politikern, Wirtschaftsführern und ähnlichen Kalibern, auch von „Kirchenfürsten“ (komisches Wort, hätte sich Jesus nie einfallen lassen), dass ich von denen so etwas wie „Hirte-Sein“ erwarte würde oder ihnen zubilligen wollte. Das ist einfach Anmaßung und eine völlig überzogene Erwartungshaltung an sie: Das können die nicht, und der Pfarrer als Hirte seiner Schäfchen, der Bischof, ja der Papst als Oberhirte sind mit solchen Fremd- und Selbstzuschreibungen auch eigentlich überbewertet und, offen gestanden, zumindest dann und wann auch überfordert. Lassen wir doch solche allzu menschlichen Redensarten über Menschen einfach weg, einfach sein lassen.

Es gibt nur einen Hirten: Gott, wie er in Jesus Christus erschienen ist.  Und damit hat sich´s mit dem metaphorischen „Hirte-Sein“. Es grenzt auch an Beleidigung der wirklichen Hirten, der relativ wenigen, die es noch gibt, die einen harten, ehrlichen Job machen, ihrer Berufung nachgehen für einen Unter-Mindestlohn. Auf weltlich politische und gesellschaftliche „hohe“ Funktionsträger angewandt, ist das Bild vom Hirten einfach nicht passend. Auch, weil es ein zutiefst autoritäres, paternalistisches und antidemokratisches Bild ist, mit Tendenz zum möglichen Amtsmissbrauch, ganz biblisch-kritisch: Sie weiden sich gern selbst, diese „Hirten“.

Was die Kirche, unsere Gemeinde betrifft: ich hoffe, bitte und wünsche mir, dass Sie und Ihr alle mich nie als einen solchen Hirten empfindet, denn, wenn schon wir Menschen Hirten sein sollen: dann sind wir alle es: gute Hirten, wo es geht, und Schafe zugleich! Das wäre vielleicht eine gute Herde, in der alle aufeinander angewiesen und füreinander da sind, in wechselnden Rollen von Schaf und Hirte!
Und Gott? Wer wäre Gott in diesem Bild, wo kommt er vor in dieser Rollenverteilung einer Kirchengemeinde, wenn alle Hirten und Schafe zugleich sind? Gott wäre dann – ja, haben wir da vielleicht noch eine Rolle frei für ihn …? - Ja! Der wäre dann der Hund. Der Hund, der in der Kunstgeschichte oft selbst als „Schäfer“, wie man bei uns in Bayern sagt, als Schäferhund dargestellt wird, kein Olympia-Schwanzwackel-Dackel wie der nette Waldi von 1972.

Der Hund ist nämlich der eigentliche Hirte der Herde, der die Herde schützt und zusammenhält, auch wenn der Hirte nicht da ist, weil er sich  um ein Verlorenes kümmern, nach ihm suchen muss und es finden wird.
Ob der Hirte nun Eigentümer oder nur „Mietling“ ist. Dem Hund ist es letztlich gleich, wer „unter ihm“ Hirte ist. Es sollte nur ein „Guter“ sein.

Ich komme zum Schluss, liebe Gemeinde: Die besten Hirtenhunde sind, übrigens auch hierzulande, die Pyrenäenhunde oder die türkischen Kangals. Das sind riesenhafte Hunde, die schon als Welpen in den Schafstall zu den Lämmchen gelegt werden, so habe ich es von einem Kollegen an der Nordsee, am Deich, gehört. Das ist dann ihre Familie. Und die verteidigen sie mit allem, was sie haben, notfalls mit ihrem Leben. Irre Hunde, oder? Man soll ihnen nicht zu nahe treten, nicht die Hand an ihre Schnauze halten, weil das dieser Hund sofort als Angriff werten würde, und dann hast Du „null Chance“! Dieser einzigartige Hund und Schäfer schützt die Seinen bis zum Ende. Der Hund - der wahre Schäfer der Herde?

Von ihm steht leider biblisch nichts geschrieben. Wie so vieles nicht. Aber für unseren Glauben an Gott in Jesus Christus als unserem Lebenshirten und wahrem „Hund“ steht hoffentlich genug drin, für Dich und mich. Unter welchem Bild auch immer:

Der Herr, er allein, ist mein und dein Hirte, der uns beschützen wird auf allen unseren Lebenswegen, im finsteren Tal und auf den lichten Höhen des Lebens. Amen.

Und der Herr sei mit Eurem Geiste. Amen.

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail jh(at)evgberg(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekreteriat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(at)evgberg(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

 

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

Jeweils 2. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Sommerpause bis 30.9.,
danach wieder jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier