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1.11.2020 - Virtueller musikalischer Gottesdienst "Lust auf Kirche"

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 Virtueller musikalischer Gottesdienst "Lust auf Kirche"
zum Reformationsfest, 1. November 2020, 18.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus, Berg.

Pfarrer Peter Morgenroth und Pfarrer Frieder Harz,
Musik: Dominik Morgenroth, Gitarre 

 

 

1.11.2020 - Virtueller musikalischer Gottesdienst "Lust auf Kirche"

Mit Pfarrer Peter Morgenroth und Pfarrer Frieder Harz,
Musik: Dominik Morgenroth, Gitarre

 

Unser Abendgebet steige auf zu dir, Herr,

und es senke sich auf uns herab dein Erbarmen.
Dein ist der Tag und Dein ist die Nacht.
Lass, wenn des Tages Schein vergeht, das Licht Deiner Wahrheit uns leuchten.
Führe uns in dunkler Zeit. Und umhülle uns mit deiner heilenden Nähe.
Leite und begleite uns, wenn wir uns lauschend um dein Wort versammeln.

Musik: Gitarre

Begrüßung
Lust auf Kirche? Unter diesem Motto steht der monatliche musikalische Abendgottesdienst, zu dem wir beide Sie nun herzlich begrüßen, die Sie zu Hause vor dem Bildschirm mit uns feiern.
Lust auf Kirche? Ja, ich habe mich seit langem sehr drauf gefreut, mit Ihnen zusammen diesen musikalischen Abendgottesdienst zu feiern. Und dabei im Zusammenspiel mit Frieder Harz die biblische Gestalt des Jona lebendig werden zu lassen, begleitet von einem wunderbaren Holzschnitt von Walter Habdank und musikalisch begleitet von Dominik Morgenroth an der Gitarre.

Hörbild Jona für 2 Sprecher

1. Sprecher
Und jetzt wechsle ich die Rolle. Aus Peter Morgenroth wird Jona. Und wir beide werden zusammen erzählen, wie sich die Katastrophe zusammengebraut hat, möglichst so, dass ihr nicht nur mitdenken und verstehen sondern auch mitfühlen könnt, wie ich diesen Weltuntergang überleben konnte. Also: „Gestatten Jona!“
"Feigling!" haben Kinder manchmal zu mir gesagt, als ich selbst noch ein Kind war. Und ich hab' mich damals fürchterlich darüber geärgert. Weil ein Feigling - das war ich wirklich nicht.
Ich hab' nur manchmal ein bisschen Angst gehabt, wenn ich was tun sollte, was ich noch nie im Leben gemacht hatte. Mein Herz hat dann ganz laut geschlagen. Wie gut, dass die anderen das nicht hören konnten. Und manchmal hab' ich dann gesagt: "Ich kann das nicht. Das ist zu schwer für mich."
Ist ja auch ganz schön viel verlangt! Was man schon alles können soll als Kind! Allein einkaufen und mit Leuten reden, die man gar nicht kennt.
Aber jetzt soll ich noch was viel Schwierigeres machen. Ich soll in eine fremde Stadt gehen. In Ninive - so heißt die Stadt – kenn ich keinen Menschen. Und zu diesen Leuten, die ich noch nie im Leben gesehen habe, soll ich sagen: "Schluss, aus, vorbei. Eure Stadt geht unter. Weil ihr verkehrt lebt. Noch vierzig Tage, dann ist Schluss. Auftrag von Gott."
Also ich bin bestimmt kein Feigling, aber das trau ich mich nun wirklich nicht. Das ist viel zu schwer, was Gott da von mir verlangt! Ich repariere lieber meinen Gartenzaun.

Und ich weiß ja nicht 'mal, wie ich da hinkommen soll, nach Ninive: Zu Fuß vielleicht? Da bin ich ja mindestens zwei Wochen auf den Beinen! Ich bin doch nicht blöd!
Und wenn's in Ninive Mord und Totschlag gibt, was geht mich das eigentlich an? Sollen die doch machen, was sie wollen!
Und wenn ich daher komm' und ihnen sag', dass Gott keine Geduld mehr mit ihnen hat, da lachen sie mich doch bloß aus. Nee, ich geh' da nicht hin. - Ich mach mich doch nicht lächerlich.
Ich hab' schon genug Arbeit mit meinem Gartenzaun. Der wird jetzt übrigens wieder wunderschön. Und das mit Ninive, das kann ein anderer machen.
Und außerdem, ich kann doch gar nicht reden. Vor fremden Leuten ist mir das fürchterlich peinlich und dann wird´ ich rot und fang an zu stottern.
Nee, nee, nach Ninive geh ich nicht. Kommt gar nicht in Frage!

2. Sprecher
Ach Jona! Schimpf nur. Ist ja wirklich viel, was Gott von dir verlangt.
Aber vielleicht wär's zu zweit leichter? Hast du denn keinen Freund, Jona, der mitkommen könnte. Frag doch einen, ob er dir hilft!
Nein, so eine gute Idee hat Jona nicht. Er holt seinen Rucksack, stopft seinen Mantel hinein und Brot und Käse und Wein. Und dabei pfeift er ein Lied vor sich hin. Ach ja, die Flöte darf er nicht vergessen. Und geht los - aber in die verkehrte Richtung.
Jona, da geht's doch nicht nach Ninive, wenn du nach Westen gehst, kommst du zum Mittelmeer aber nicht nach Ninive. Läufst du weg, Jona? Damit du nicht mehr an Ninive denken musst? Meinst du, so kannst du vergessen, was Gott von dir will? Weglaufen, Jona, das bringt doch nichts!

1. Sprecher
Ich mach', was ich will. Und ich geh, wohin ich will. Und ich bin lustig, wann ich will. Und ich kann denken, an was ich will. Und jetzt will ich überhaupt nicht denken. Klar?
Schon gar nicht an Ninive und was ich da tun soll.
Ich will mir lieber Geschichten ausdenken. Geschichten von einem Land, wo es allen gut geht und wo niemand ausgelacht wird und wo man sich nie, nie weh tut. Ni-ni-weh. Ach, verflixt, schon wieder denk ich an Ninive. Ich will aber nicht!

2. Sprecher
Und weil Jona nur macht, was ER will, geht er über die Wiesen ins Nachbardorf. Und vom Nachbardorf in den Wald. Und dann über die Berge. Und dann kann Jona nicht mehr weiter, weil er am Meer steht. Aber was macht das schon? Im Hafen liegt ein Schiff. Ob er wohl mitfahren kann? Klar - kann er, sagt der Kapitän. Aber das kostet. Und für den Rucksack extra! Der Kapitän ist nämlich ein gescheiter Kapitän. Also kauft sich Jona eine Fahrkarte und einen Gepäckschein.
"Viel Platz haben wir aber nicht", sagt der Kapitän, als Jona gezahlt hat. Das Schiff ist voll beladen mit Paketen und Kisten. "Sie können ja was wegschieben, wenn Sie sich hinsetzen wollen", meint der Kapitän.
Aber Jona braucht sowieso nicht viel Platz. Er kann sich ja klein machen. Bloß eine Decke hätte er gern.
"Eine Decke können Sie haben", sagt der Kapitän. "Aber spucken Sie sie nicht voll, wenn ich bitten darf!" Also was dieser Kapitän sich nur denkt! Jona ist doch kein Baby mehr! Aber da weiß Jona halt noch nicht, wie schlecht es einem auf einem Schiff werden kann, wenn ein Sturm kommt.
Doch das will er jetzt auch gar nicht wissen. Jona rollt sich in seine Decke. Zieht sie ein wenig über den Kopf. "Ninive?" denkt er sich. "Nein danke! Ich hab mit mir genug! Ich will schlafen und glücklich sein!" Aber das will nicht gleich gelingen. Weil Jona unter seiner Decke friert.

1. Sprecher
Mir ist so schlecht. Mein Magen….
Blödes Schiff, blödes. Warum schaukelt das denn so?
Da rollt man ja von einem Eck ins andere. Wie will denn da ein Mensch schlafen können!
Ausgerechnet jetzt muss ein Sturm kommen.
Lasst mir doch meine Ruhe!


2. Sprecher
So! Seine Ruhe will er haben, der Herr Jona. Mitten in einem Sturm will er seine Ruhe haben! Wie er sich das nur vorstellt, wenn ringsum gerade die Hölle los ist! Riesige Wellen türmen sich vor dem Schiff auf. Richtige Wasserberge. Und die heben das Schiff hoch. Und dann fällt es gleich wieder ins nächste Wellental und schlägt hart unten auf. Da schreien sogar die Matrosen vor Angst und werfen die Ladung über Bord, damit das Schiff leichter wird und besser auf den Wellen tanzt.
Lange kann das aber nicht mehr gut gehen! Das Schiff kracht schon in allen Fugen. Und die Wellen schlagen über dem Schiff zusammen und das Wasser fließt nicht mehr richtig ab. Der Kapitän und die Matrosen, sie kämpfen jetzt um ihr Leben. Nur Jona nicht. Er liegt immer noch unten im Schiffs-Bauch und hat sich die Decke über den Kopf gezogen. Was geht denn ihn das alles an? Denkt er sich.

Und dann bricht das Steuer-Ruder. Ohne Ruder lässt sich das Schiff nicht mehr lenken. Jetzt sind sie ganz hilflos. Wie ein böses Tier fällt das Meer über sie her, und es gibt keine Chance mehr. Jetzt hilft nur noch Beten.

"Hilfe! Mein Gott, du kannst uns doch nicht untergehen lassen", schreien die Matrosen. "Rette uns! Bitte!" Alle rufen sie durcheinander, jeder zu seinem Gott.
Nur Jona bleibt stumm und stellt sich immer noch tot. Soll er JETZT vielleicht zu Jammern anfangen, wie alle anderen: "Bitte, Gott, hilf mir"? Wo er doch Gott davonlaufen wollte! Möglichst weit weg. Nein, Jona wird nicht bei Gott um sein Leben betteln. Das macht er nicht! Er hat auch seinen Stolz! Aber Jona beginnt nachzudenken.

1. Sprecher
Und dann steh ich auf. Schüttele meine Decke aus und falte sie zusammen, ganz ordentlich. Fahr mir mit den Fingern noch einmal durchs Haar. Schnaufe tief durch und wanke in diesem fürchterlichen Sturm an Deck.
"Herr Kapitän, befehlen Sie, dass man sofort aufhört mit dem Gejammere! Ich hab' jetzt die Lösung gefunden. Ich glaub', der Sturm wütet nur wegen mir so schlimm, weil ich Gott davonlaufen wollte. Aber das passt Gott wohl nicht und mit dem Sturm stoppt er meine Flucht. Also nehmt mich und werft mich ins Meer. Dann hört der Sturm sicher auf. Und ihr seid gerettet. Besser einer geht unter, als alle. Ihr habt ja alle mit der ganzen Sache nichts zu tun."

Kurze Einspielung: Gesang der Wale

1. Sprecher
Mein Gott, klingt das schön...
Was ist das?
Hört sich an wie im Urwald. Aber ich bin nicht im Urwald. Ich bin mitten im Meer...
Die Matrosen haben mich tatsächlich ins Meer geworfen. Und ich bin untergegangen wie ein Stein. Eigentlich hätte es aus sein müssen mit mir. Aber dann ist ein Riesenfisch gekommen und hat mich verschluckt. Und deshalb lebe ich noch. Unglaublich...

Das müssen Walfische sein, die miteinander singen...
Vielleicht freuen sie sich, dass der Sturm vorbei ist...
Oder sie erzählen sich, dass ich bei einem von ihnen im Bauch sitz'. Wie ein Baby im Bauch der Mutter...
Ob das Leben noch mal losgeht für mich?
Wenn ich nur mit jemandem reden könnte.
Hallo, Fisch! Kannst du mich hören? ...
Wohin bringst du mich eigentlich? Was hast du vor mit mir?

2. Sprecher
Und dann - endlich - betet Jona.
Aber er betet anders, als die Matrosen in ihrer Angst.
Er betet so, als ab er schon gerettet wäre:

1. Sprecher
"Als ich Angst hatte, hast du mir geantwortet.
Als der Tod nach mir geschnappt hat, hast du mich gehört.
Als ich dachte, du magst mich nicht mehr, hast du mein Leben gerettet.
Herr, mein Gott! Wie soll ich dir danken.
Du hast mein Leben aus dem Verderben geführt."

2. Sprecher
In der schlimmsten Not rappelt sich Jona endlich auf und lobt Gott. Es ist völlig dunkel um ihn und trotzdem hat er keine Angst mehr. Er ist ganz allein mitten im Meer und trotzdem freut er sich und singt Gott ein Lied. Ein Rettungslied.
Und nach drei Tagen und Nächten spuckt der Fisch Jona wieder an Land. Und Jona ist gerettet. Was er jetzt wohl machen wird?
Ob er heimgehen wird, und sich erst mal von dem Schreck erholt?

Lied: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt….

Liedtext über dem gesungenen Lied sprechen beide Sprecher: Ich lobe meinen Gott…

Ich lobe meinen Gott,
Der aus der Tiefe mich holt damit ich lebe
Ich lobe meinen Gott,
Der mir die Fesseln löst damit ich frei bin

Ehre sei Gott auf der Erde
In allen Straßen und Häusern
Die Menschen werden singen
Bis das Lied zu Himmel steigt
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden
Frieden auf Erden

Ich lobe meinen Gott,
Der mir den neuen Weg weist, damit ich handle
Ich lobe meinen Gott,
Der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede
Ich lobe meinen Gott,
Der mir die Tränen trocknet, damit ich lache
Ich lobe meinen Gott,
Der meine Angst vertreibt, damit ich atme
Ehre sei Gott...

1. Sprecher
Was ich jetzt mache?

Nein, keine Umwege mehr! Schluss mit dem Davonlaufen! Diesmal hab' ich nicht links geschaut, nicht rechts geschaut. Bin zwei Wochen lang quer durch die Wüste gegangen. Schnurstracks, als ob einer hinter mir her wäre. Und dann war ich in Ninive. Und hab' mich dort erst mal gründlich verirrt.

Ich glaub', ich werd´ mich nie zurechtfinden in dieser riesigen Stadt. Ein Hochhaus sieht aus wie das andere. Und wo man hinschaut, überall Menschen. Es geht zu wie in einem Ameisenhaufen. Hin und her. Und kreuz und quer. Und keiner kennt den andern. Genauso hab' ich mir das vorgestellt! Und zu diesen Leuten soll ich jetzt sprechen. Keine Ahnung, wie ich das machen soll!

2. Sprecher
Aber dann ist alles ganz einfach. Jona nimmt einen riesigen Stein vom Wegrand. Der ist so schwer, dass er ihn kaum tragen kann, aber wunderschön warm von der Sonne. Diesen Stein legt er mitten auf die Straße.
„He, weg da, sagen die Leute.“ Aber Jona hört nicht. Er legt sich neben seinen sonnendurchglühten Stein auf den Boden und streichelt ihn und legt einmal die eine Wange darauf, und dann wieder die andere. Bis ein Kind stehenbleibt und ihm zuschaut.
„Frag mich was“, sagt Jona.
„Was soll ich denn fragen?“ sagt das Kind.
„Falsche Frage“, brummt Jona. Du musst fragen: „Warum machst du das!“
„Also, warum machst du das“, will das Kind wissen.
„Weil es so kalt ist bei euch“, sagt Jona.
„Was, kalt soll es hier sein?“ Das Kind muss sich schon sehr wundern. „Den ganzen Tag scheint die Sonne und es ist eine Hitze wie im Backofen. Und da willst du mir weismachen, dass du frierst!“
„Ich friere“, sagt Jona, „weil die Menschen hier so kalt sind. Schau dich doch um! Sie grüßen sich nicht. Sie lächeln sich nicht zu. Sie schauen sich nicht mal an. Sie haben‘s nur eilig. Die Menschen hier sind kalt zueinander! Nur mein wunderschön warmer Stein schenkt mir seine Wärme.“

„Warum machst du das?“ fragt dann noch eine alte Frau mit Gehstock. Und ein Gemüseverkäufer mit Schürze und ein Polizist mit Mütze. Und keiner lacht Jona aus. Auch nicht, als Jona plötzlich ganz laut „vierzig“ sagt, aufsteht und geht. Aber am nächsten Tag schreibt die Zeitung, die immer alles weiß, dass es kalt ist unter den Menschen in Ninive.

Musik: Gitarre

1. Sprecher
"Na, immer noch kalt?" fragt mich am nächsten Tag der Wasserverkäufer. Und der Müllmann. Und die Bäckersfrau. Und alle lächeln sie mich an und fragen, ob ich gut geschlafen hab und ob's mir gut geht.
"Falsche Frage", sagt Jona. "Heute müsst ihr mich fragen, warum ich keine Hosen anhabe, sondern nur so einen alten Müllsack."
"Also gut." Sagt der Müllmann. "Warum hast du dir einen Müll-Sack angezogen?"
"Weil ich gesehen habe, dass bei euch Menschen wie Müll behandelt werden. Geprügelte Kinder hab ich gesehen. Und Arbeitslose und Bettler. Und ich fühle mich selber in meinem Müllsack wie einer, den niemand mag."
"Sind denn bei euch in Ninive die Menschen nicht mehr wert, als Müll?"
Und wieder lacht niemand. Ganz und gar nicht. Auch nicht, als ich mir eine Träne aus dem Augenwinkel wische und ganz laut neununddreißig sage und dann meines Wegs gehe an diesem Tag.
Aber die Zeitung, die immer alles weiß, schreibt einen langen Artikel. "Menschen wie Müll behandelt!" steht ganz groß auf der ersten Seite. Und darunter: "So kann's nicht weitergehen."

2. Sprecher
"Eben", sagt Jona am dritten Tag. "So kann's nicht weitergehen. Noch achtunddreißig Tage. Dann ist Schluss. Gott hat keine Geduld mehr." Mehr sagt Jona nicht an diesem Tag.
Aber an dem Tag nimmt Jona ein Brett. Und daran schnitzt er so lange mit seinem Messer herum, bis es aussieht wie ein Herz, ein schönes großes hölzernes Herz. Dann geht er in ein Farbengeschäft und kauft sich rote Farbe und malt das Herz rot an.
"Was macht er denn jetzt schon wieder", sagen die Leute aus Ninive. Sie sind neugierig und gehen mit Jona zum Fluss. Dort setzt Jona das rote Herz ins Wasser. Und das schwimmt ganz langsam mit dem Fluss davon, und alle schauen zu. Und als man es nicht mehr sehen kann, sagt Jona: "So ist das. Gott hat euch lieb gehabt. Er hat ein Herz für euch gehabt. Aber jetzt nicht mehr." Dreht sich um und geht.
Und wieder lacht niemand. Dazu haben die Menschen in Ninive gar keine Zeit. Weil sie nachdenken müssen. Sehr heftig müssen sie nachdenken. Über sich selbst und darüber, was sie falsch gemacht haben, dass Gott sie nicht mehr mag. Und was sie besser machen könnten.

1. Sprecher
Langweilig ist es den Leuten in Ninive jedenfalls nicht geworden. Denen ist ganz schön viel eingefallen, als sie endlich über sich nachgedacht haben. Vierzig Tage lang hab' ich mir den Mund fusselig geredet, dass es aus ist mit Ninive. Schluss, aus, vorbei! - Und ich hab' das wirklich gut gemacht. Das muss man mir lassen! Die haben ganz schön Angst gekriegt.
Und jetzt am vierzigsten Tag bin ich stocksauer! Ich such' mir extra noch einen schönen Aussichtshügel vor der Stadt, weil ich zuschauen will, wie Ninive endlich untergeht. Und was passiert? Nichts! Überhaupt nichts passiert! Kein Erdbeben. Kein Blitz. Kein Gewitter. Keine Überschwemmung. Kein bisschen Katastrophe. Im Gegenteil. Die feiern jetzt ein Rettungsfest in der Stadt und sind ganz aus dem Häuschen.

Und ich bin blamiert. Mein Gott, ich kann mich ja nirgends mehr sehen lassen!
Aber ich hab's ja gleich gewusst, Gott, dass sie dich wieder rumkriegen werden: Ich kenn' dich doch! "Am vierzigsten Tag ist Schluss!" Hast du gesagt. Und was man verspricht, das muss man auch halten! Weißt du das nicht? Aber diese... diese Unmenschen in der Stadt, die brauchen ja nur ein paar einfache Kleider anziehen und ein bisschen brav tun, und schon können sie dich wieder umstimmen. Bloß weil sie alle geschrien haben: "Herr, erbarme dich! Erbarme dich!" hast du natürlich wieder Mitleid. Ach Gott, ich versteh' dich nicht! Meinst du denn wirklich, die werden halten, was sie dir versprochen haben und jetzt besser leben - und zwar so, wie du es willst? Die können dir doch viel versprechen!

2. Sprecher
Komisch, dieser Jona! Die ganze Stadt feiert, weil die Katastrophe ausgeblieben ist, und Jona sitzt vor der Stadt und schimpft und schmollt. Hat er denn schon vergessen, dass Gott auch IHN nicht hat untergehen lassen? Wie kann er da sauer sein, bloß weil Gott auch die vielen Menschen in Ninive nicht untergehen lässt? Jona sollte sich lieber mitfreuen, dass es Gott es so gut mit ihm meint - und mit den Leuten in Ninive.
"Das kann doch nicht der Schluss sein von der Jona-Geschichte", sollte man meinen. "Jetzt müssten sie Jona doch ein Denkmal bauen in Ninive. Oder ihm einen Orden verleihen. Für besondere Verdienste um die Stadt, oder so." Aber nichts von alledem. Jona wird nicht als Held gefeiert. Er kommt eigentlich gar nicht gut weg. Kein Heldenepos! Eigentlich enttäuschend.
Nein, nicht enttäuschend, wenn man entdeckt, dass diese Geschichte von Jona und der großen Stadt eigentlich eine Geschichte von Gott ist, der nicht zuschauen kann, wie Menschen untergehen. Menschen wie Jona oder die Leute von Ninive. Und das ist doch ein guter Schluss. Oder?

Musik: Gitarre

Kurzpredigt: Was Jona für uns bedeuten könnte

Wir haben zu zweit die Geschichte von Jona erzählt.
Diese biblische Gestalt des Jona, begleitet mich fast mein ganzes Leben. Und er hat sich mir dabei von unterschiedlichen Seiten gezeigt.

1.
Kennengelernt habe ich Jona, da war ich 16. „Und die Bibel hat doch recht“, war das Motto dieser Tage. Eifrigst wurde damals naturwissenschaftlich untermauert, was in der Bibel rätselhaft und merkwürdig klang. Walfische im Mittelmeer vor der Küste Palästinas? Wenn es die gegeben haben sollte, müssten doch noch einige ihrer Knochen zu finden sein. Und wie lang hält man´s denn als Mensch ohne Sauerstoff im Eingeweide eines Fisches aus?

2.
Als es dazu keine befriedigenden Forschungsergebnisse gab, hab ich gelernt, Jona als eine Beispielgeschichte zu sehen, eine Mutmachgeschichte, die ermuntert, sich geborgen zu wissen, geborgen in Gottes Gegenwart, so wie es der 139. Psalm unnachahmlich formuliert:

„Herr, du erforschst mich und kennst mich,
ich sitze oder stehe auf, so weißt du es,
du verstehst mein Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege
Von allen Seiten umgibst du mich, und hältst deine Hand über mir.
Wohin soll ich gehen vor deinem Geist
und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht
Führe ich gen Himmel so bist du da.
Bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.
Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,
so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.
Spräche ich, Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein,
so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir,
und die Nacht leuchtete wie der Tag.“

Gott alles in allem, mir immer schon einen Schritt voraus. Für diese Geborgenheit – komme, was da wolle – wurde mir die Erzählung von Jona zum anschaulichen Beispiel.

3.
Und dann hat sich Jona mir als ein Held gezeigt, der sich die zu seiner Zeit die Untergangsszenarien genauer anschaut und sich warnend allein gegen alle Welt stellt. So wie Jona wollte ich sein. Jona als ein Vorbild. Das Beispiel des Jona wurde mir Verpflichtung: Vor heraufziehendem Unheil warnen, vor der atomaren Bedrohung, vor der Zerstörung unserer Umwelt, vor der Bedrohung des Friedens. Weltweite Ungerechtigkeit anprangern. Wenn Jona diesen Auftrag bekommen hatte, in seiner Zeit vor dem Untergang zu warnen, warum sollte uns Späteren dieser Auftrag nicht auch noch gelten!!! Kneifen und Weglaufen gilt nicht! Warnen war mir durch Jona zu Auftrag und Verpflichtung geworden. Persönlich und beruflich. Den Mund aufmachen und warnen.

4.
Und dann habe ich Walter Habdank kennengelernt und seinen damals neuesten Holzschnitt von Jona. Der hing über 30 Jahre in meinem Arbeitszimmer und hat mich mein Leben lang begleitet. Wurde mir zum Begleiter in den Abgründen meines Lebens. Die Erinnerung, dass ich in der Tiefe aufatmen konnte und mit Jona sagen: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe. Im Vorgriff. Im Vertrauen. Ein Mutmachbild, eine Aufforderung, mit Gottes verborgener Gegenwart zu rechnen in schlimmer Zeit und täglich neu zu hoffen:

All Morgen ist ganz frisch und neu
des Herren Gnad und große Treu.
Sie hat kein End den langen Tag,
drauf jeder sich verlassen mag.

5.
Dennoch bleibt eine große Frage an Jona: Wenn ein guter Gott ist, wie kann er dann die großen und die kleinen Katastrophen zulassen?
Diese Grundsatz-Frage brach über Europa herein, als Europa ausgerechnet am Allerheiligentag 1755 von einer Katastrophe heimgesucht wurde. Ein Erdbeben zerstörte damals Lissabon. Die Großstadt wurde platt gemacht. Der Rest ging in tagelang wütenden Flammen auf und wurde vom Killer-Tsunami zermahlen. 90.000 Tote. Lissabon ist ausgelöscht. Und auch keine einzige Stadt an der Algarve bleibt erhalten. Ganz Europa wird damals durchgeschüttelt. Egal ob Schottland, Schweiz oder Schweden. Schäden gibt es überall.
Darüber hinaus ging im Erdbeben von 1755 auch die vorherrschende Geisteshaltung in ganz Europa unter: Jetzt war klar, dass wir eben nicht in der besten aller möglichen Welten leben. Dass die Natur unberechenbar bleibt. Und dass Gott nicht alles wohl geordnet hat. Im Gegenteil: Wenn ein Gott ist - wie kann er solche Katastrophen überhaupt zulassen? So fragt man damals.

Seither ist es schwieriger geworden, Kindern die Sprache der Hoffnung beizubringen. Es gibt keine Sicherheiten mehr. Das Selbstverständliche ist nicht länger selbstverständlich. Hilflos müssen wir hinnehmen, was über uns hereinbricht an Katastrophen. Zum Gotteslob konnte man nicht länger anleiten mit dem Hinweis auf den Bauplan der schönen, guten Schöpfung. Wie doch alles so schön und weise geordnet ist. Nicht länger ließ sich die Güte des Schöpfers in dieser Ordnung ablesen, wenn doch alles im Chaos untergegangen war am Allerheiligentag 1755.

6.
Jona. Wie kann er schon zu biblischen Zeiten den Mächtigen seiner Zeit den kompletten Untergang in der Art Lissabons entgegenschleudern und das im Auftrag Gottes. Welches Bild von Gott hat denn dieser Mann? Wie kann er Gott unterstellen, dass er alles wieder zerstören wolle, was er selbst als Schöpfer ins Leben gerufen hat?

Räumt Jona mit seinen Ankündigungen mit dem „lieben Gott“ auf und zeigt ihn als konsequenten Richter? Ich kann Jona nur mit Martin Luthers Hinweis verstehen. Dem Hinweis, dass Gott zwei Seiten hat. Die Seite, mit der er sich uns zeigt, mit der er liebend und freundlich segnet. Und die Rückseite, die verborgene, die geheimnisvolle, die wir nicht ergründen müssen. Halten wir uns an Gott, soweit er sich gezeigt hat. Halten wir uns an seine Gnade. Auch in dunkler Zeit

Amen.

Gebet im Wechsel

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge und im Schmerz sei da, sei uns nahe, Gott.

Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht und in Furcht sei da, sei uns nahe, Gott.

Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit und im Tod sei da, sei uns nahe, Gott.

Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott.
Lass uns im Dunkel nicht allein.
Behüte uns in böser Zeit. Mach uns für deinen Tag bereit.
Lobt Gott, der Licht und Leben schenkt
Lobt Gott, der alle Welten lenkt.
Lobt ihn ihr Menschen lobt und preist
Gott Vater Sohn und heilige Geist

Vaterunser

Peter Morgenroth:
Kein anderes Wandkreuz mag ich so sehr wie dieses mit der Inschrift: „Ich bin bei euch“ alle Tage dieser Welt. Ich bin bei euch, im Weinen und im Lachen, auch inmitten dunkler Zeit.
Frank Seifert drückt das in einem Lied so aus:

Wenn du Spaß am Leben hast
soll ein Engel kommen
eine Zeit bei dir verweilen
und mit dir das Leben teilen
und sich mit dir freuen.

Wenn du neue Wege gehst
soll ein Engel kommen
soll dir helfen, sie zu wagen
und dich über Berge tragen
wenn du müde wirst.

Wenn du viele Fragen hast
soll ein Engel kommen
und dir helfen zu verstehen
und wo möglich mehr zu sehn
was dich weiterbringt.

Wenn du gar nicht weiter weißt
soll ein Engel kommen
und dir sagen, wie es geht,
zeigen, dass Gott zu dir steht
grad in schlechter Zeit.

Segen

Musik: Gitarre
 

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