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10.1.2021 - Online-Gottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias

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Online-Gottesdienst am 1. Sonntag nach Epiphanias

 10. Januar 2021, 10.00 Uhr
aus dem Katharina von Bora - Haus.
Pfarrer Johannes Habdank  

 

Gottesdienst am 10. Januar 2021, 1. Sonntag nach Epiphanias,
Ökumenischer Gedenktag der Taufe Jesu
Predigt von Pfarrer Johannes Habdank

„Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist …“ –

Liebe Gemeinde,
Sie kennen alle das generationenverbindende Kinder-Standardspiel von zu Hause, für lange Autofahrten, für Wartezimmer und hoffentlich nicht auch für nicht enden wollende Gottesdienste. Wobei man ja als Gottesdienstteilnehmer heute angesichts vielfältiger traditioneller, uralter, nicht immer ganz verständlicher Vorstellungen und Inhalte nicht selten den Eindruck bekommen kann, dass da einiges wohl nach heutigem Verständnis nicht mehr so ganz stimmen kann. Da sieht jemand etwas oder hat etwas gesehen, was ich heute nicht oder nicht so sehe, nicht mehr so sehen kann, sondern, wenn doch noch einigermaßen, dann anders. Besonders, was die Vorstellung von Gott betrifft: Da wird mir zu viel und anderes erzählt, als dass ich es glauben kann, es mir persönlich heute etwas sagt. Ich will Ihnen das nicht einreden. Aber vielen Menschen geht es so, als wenn die Bibel, die Kirche, der Pfarrer das Spiel mit ihnen treiben würden: Ich sehe was, was Du nicht siehst. „Niemand hat Gott je gesehen“, heißt es im Neuen Testament. Gerade deswegen könnten wir Theologen auch sagen: Ja, genau! Deshalb wird unser Theologenspiel mit euch zumindest für uns nie langweilig werden!

„Niemand hat Gott je gesehen“. Ich kenne zwei gute Gründe, Gott doch als sichtbar vorzustellen und darzustellen.
Der eine Grund ist die Not des Zweifels und der Verzweiflung. Denken Sie an das Volk Israel in der Wüste, am Fuße des Sinai. Wer im Namen Gottes aus Ägyptenland geführt wird, strapazenreich durch die Wüste, sich dann aber dort im Stich gelassen fühlt, fragt gewiss nicht nur im Spiel und zum Zeitvertreib nach einem sichtbaren Gott. Den macht sich das Volk ja auch in Gestalt des goldenen Kalbes. Als dieser Versuch scheitert, sich das Gottesbild als Götzenbild entpuppt und Mose an Volk und Aufgabe gleichermaßen verzweifelt, begehrt auch er – wenn auch auf andere Weise – Gottes Angesicht zu schauen. Auch in Psalm 42, aus dem babylonischen Exil des Volkes Israel heraus, heisst es: „Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“ - Oder angesichts des nahen Abschieds Jesu bitten ihn seine Jünger im Johannesevangelium, Kap. 14: „Zeige uns den Vater!“ –
Ja, Gott sehen! Das wäre es!

Gott sichtbar zu machen kann aber religionsgeschichtlich auch noch einer anderen Bedürfnislage entspringen – und das ist der zweite Grund, ein sehr problematischer, warum man so etwas machen kann, nämlich:
um sich damit Gott selbst verfügbar und die Gläubigen und ihre Gottesverehrung kontrollierbar zu machen, über sie Macht auszuüben. Ja, diese sichtbar gemachten Götter in Tier- oder Menschengestalt, ob als Steine, Bäume oder andere heilige Gegenstände und Gestalten waren - religions- und wissenssoziologisch gesehen – immer auch Instrumente kirchlicher Machtausübung, Methoden der Bemächtigung des Menschen nicht nur über Gott, sondern über die anderen Menschen. Sichtbare Kultgegenstände und -praktiken, von der Anbetung eines heiligen Gegenstandes bis zur Kontrolle der sichtbaren Kultteilnahme-Frequenz des Einzelnen oder auch kirchlich-sozialen Zahlungsmoral.

Die Aussage: „Niemand hat Gott je gesehen“ hat demgegenüber eine stark relativierende und egalisierende Wirkung: alle Menschen sind zumindest diesbezüglich, vor Gott, gleich. Keiner weiß mehr von Gott als die anderen, weil er ihn womöglich gesehen hätte. Keiner hat ein größeres Anrecht auf Teilhabe am Ewigen, keiner größeren Anteil an Einsicht ins Göttliche als der andere.

Zugleich hat diese Vorstellung vom unsichtbaren Gott auch den Vorteil, derjenigen Form von Religionskritik zu entgehen, die besagt, nicht Gott habe sich den Menschen nach seinem Bilde geschaffen, sondern umgekehrt: der Mensch habe sich Gott nach seinem Bilde ausgedacht und gemacht. Diesen Verdacht wird man ansonsten bei vielen sehr menschlichen Zügen der biblischen und christlich-traditionellen Gottesvorstellung sicher nicht so leicht entkräften können. Gerade vor allzu menschlichen Gottesvorstellungen ist Vorsicht angezeigt. Umgekehrt: wir haben keine anderen Vorstellungen als die unsrigen, deren Inhalt aus unserer menschlichen Welt und unserem Umgang miteinander entnommen sind. Das gilt für den vergebenden Gott und den Gott-Vater genauso wie für den zornigen oder richtenden. Ja, wir können gar keine anderen Vorstellungen haben als menschliche! Wir sollten sie nur nicht zu unmittelbar anwenden und verstehen; sondern als unsere Bilder, mit denen wir unsere religiösen Gefühle, unseren Glauben, ausdrücken – das tun wir mit unseren mehr oder weniger passenden Mitteln. Oder wie Paulus im Hohenlied der Liebe (1. Korinther 13) sagt: Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Dann aber eben erst!
Niemand hat Gott je gesehen.


Ich verlese den Zusammenhang dieses Wortes, es steht im Johannesevangelium, Kapitel 1, am Ende des sog. Prologs, es ist der Predigttext für diesen Gottesdienst:
„Johannes gibt Zeugnis von Jesus und ruft: Dieser war es, von dem ich gesagt habe: Nach mir wird kommen, der vor mir gewesen ist; denn er war eher als ich. Und von seiner Fülle haben wir alle genommen Gnade um Gnade. Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der Eingeborene, der Gott ist und in des Vaters Schoß ist, der hat ihn uns verkündigt.“

Liebe Gemeinde, das ist ein schwer verständlicher Text, und doch sehr leicht, wenn man den Schlüssel dazu findet. Und der wäre?
Unsere Gottesvorstellungen mögen vielfältig sein, mehr oder weniger menschlich, mehr oder weniger abstrakt oder konkret. Entscheidend ist: Mit der Hereinkunft Jesu, seinem Wort, seinem Wirken, seiner Geschichte in diese Welt, ist es müßig geworden, über Gott selbst und sein Wesen zu spekulieren und sich Vorstellungen zu machen. Weil, und das ist die bleibende Behauptung: In Jesus, seinem irdischen Lebensweg in Wort und Tat, erschließt sich Gott uns Menschen selbst. Mehr braucht es nicht. Wer mich sieht, sieht den Vater, sagt der johanneische Jesus. Mehr kann es gar nicht geben. Jesus sagt und tut, was sein göttlicher Vater will. Der wirkt 1:1 durch ihn. Schau dir also diesen Menschen Jesus an, in ihm begegnet dir Gott, in seinem Gottesverhältnis findest du das deine vorgebildet. Das ist der wahre Sinn der Rede Jesu: Ich bin der Weg …; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Ich bin der Weg zum Vater für dich, heißt das.

Anders gesagt: Jesus ist das sichtbare Ebenbild des unsichtbaren Gottvaters. Wobei der Evangelist nicht das Wort Ebenbild verwendet, sondern dafür etwa 40 x im Johannesevangelium von Jesus sagt, dass „der Vater ihn gesandt hat“. Das heißt, dass Jesus nicht für sich selbst da ist, sondern nur für den Vater. Er erfüllt nicht den eigenen Willen, sondern den des Vaters. Er spricht auch nicht seine eigenen Worte, sondern die des Vaters. Er tut nicht seine eigenen Werke und Zeichen, sondern die des Vaters. Nur so versteht man auch, wenn Jesus sagt: Ich und der Vater sind eins. Der Vater ist dabei immer der Bestimmende, so dass – wenn man etwa an seine „Ich bin“ - Worte denkt (Ich bin das Licht der Welt, Brot des Lebens, Weinstock, Weg, Wahrheit, Leben usw.), aus denen ja nicht gerade ein schwaches Selbstwertgefühl spricht, Jesus dennoch - ohne sich zu widersprechen - sagen kann: „Der Vater ist größer als ich.“ (14,28) Es stimmt also nicht, was Jesus vorgeworfen wurde: er mache sich Gott gleich. Er steht für die Seinen, auch für uns nur an der Stelle Gottes, und zwar als Gesandter des Vaters.

Liebe Gemeinde, nun ist es so, dass nicht nur wir heute immer wieder den Zugang zu Gott als auch unserem Vater im Himmel durch Jesus suchen, um den Glauben ringen und – leider oftmals nur wenig Einsehen, nur magere Einsichten gewinnen.
Das war aber schon damals so: Weder die Juden noch die Jünger haben während Jesu Erdenleben in ihm seinen himmlischen Vater gesehen. Wo der Evangelist von vielen spricht, die zum Glauben kamen, stellt sich bald heraus: wahrer Glaube war es nicht. Und bei den Jüngern auch nicht, warum? Weil der Glaube erst vom Auferstandenen durch den Geist vermittelt wird. Das Ziel, dass der Vater in Jesus sichtbar gemacht wird, wird also erst nachträglich, nach seinem Erdenleben erreicht. Der eigentliche Sinn von Jesu Leben wird erst später durch den Geist durchsichtig, durch den Geist als Beistand und Tröster. Deswegen wird dieser Geist auch der Geist der Wahrheit genannt, der mit dem Geist des Sohnes und damit des Vaters eins ist. Der Geist wird die Jünger alles lehren und sie an alles erinnern, was Jesus ihnen gesagt hat. Von daher kann im Johannesevangelium der noch auf Erden lebende Jesus sagen: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch ist nichts nütze. Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind Geist und Leben.“

Das ist eine rasante Kombination im Johannesevangelium, liebe Gemeinde, sie stellt den Kern unserer christlichen Religion sehr schön dar, wie ich denke: Das rein Geistige und zugleich das Schauen auf einen konkreten, historischen Menschen: mit unserem geistigen Auge auf Jesus blicken, um in dessen enger Gottesbeziehung unsere eigene urbildlich vorgeprägt zu entdecken.
Wie geht das? Dafür gibt es keine Bedienungsanleitung, kein Rezept. Der Gottesdienst ist entsprechend keine Art religiöser Koch-Sendung, liebe Studiogäste an den Bildschirmen zu Hause, zum Zuschauen und Nachmachen, wenn man es denn technisch-handwerklich kann und die nötigen Zutaten und Zubereitungsmöglichkeiten hat.

Aber: drei Dinge möchte ich abschließend dazu sagen:
Einmal: die enge, ganz vertrauliche Gottesbeziehung Jesu, die ihn sein ganzes Leben, soweit uns bekannt, durchgetragen hat, in der Auseinandersetzung mit anderen, in der Führung seiner größer werdenden Jüngerschaft, im Wirken vor vielen und für viele einzelne Menschen, im Leiden und im Streben – wo spüren wir solche Nähe selbst?
Dieses Gefühl des immer Getragenseins. Spüre ihm in dir nach!

Zweitens. Bei Jesus ist es die Nähe zu seinem Vatergott. Nun, religionskritisch gesehen, ist diese Gottesvorstellung als Vater historisch-soziologisch patriarchalisch bedingt. Darf´s auch die Mutter sein, wie Feministinnen fordern? Ja, klar. Aber das ist dann genauso historisch, eben aktuell feministisch-politisch bedingt. Es geht um die unmittelbare Geborgenheit in Gott, und die kann sogar auch schon im Alten Testament, eher vereinzelt, als Mutterbeziehung vorgestellt werden, beim Propheten Jesaja, Kapitel 66, heißt es: „So spricht der Herr: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“

Im Glauben geht es aber nicht um männlich oder weiblich, sondern um Vertrauen in letztes Geborgensein als Mensch, das Sicherheit fürs ganze Leben verleiht, auch wenn es einem einmal schlecht geht. Und da können beide Vorstellungen helfen: Vater oder Mutter, die gemeinte Sache ist dieselbe: Das unmittelbare Vertrauen in letztliche Geborgenheit.

Und – drittens und letztens – weil wir uns dieses Gefühl des Getragen-seins und das Vertrauen in diese Grundgeborgenheit nicht nach irgendeinem Verfahren selbst schaffen können, nicht beliebig produzieren und verbreiten können - denn der Glaube ist Gottes Werk, wie es heißt -, darum bleibt uns nur, was Jesus in Johannes 4 sagt:
„Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die sollen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten.“

Amen.
Herr, wir bitten dich, schenke uns diesen deinen Geist. Amen.
 

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