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10.10.2021 - Gottesdienst am 19. Sonntag nach Trinitatis

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 Gottesdienst 19. Sonntag nach Trinitatis,

10. Oktober 2021, 10.00 Uhr,
im Katharina von Bora - Haus
Lektor Peter Schickel

 

Predigt über Jes 38,9-20

Wie geht es Ihnen? Gut, nehme ich an, ja? Kann ich da sicher sein? Manchmal ist die Antwort nur so dahin gesagt. Sie verkommt zur Floskel, damit das Gespräch endlich losgeht. Eine ehrliche Antwort auf die einfache Frage kann auch etwas sehr persönliches sein. Wenn ich Ihnen jetzt alle Fassetten davon erzähle, wie es mir gerade geht, dann dauert die Predigt wirklich zu lange. (Man darf ja in der Predigt über alles reden, nur nicht über 20 Minuten, wurde mir einmal gesagt.

Apropos „überlange Rede“, da fällt mir ein Bekannter ein, den ich geraume Zeit nicht gesehen hatte. Ich sagte zu ihm beiläufig: „Mensch, wir haben uns jetzt schon ewig nicht gesehen, was hast Du die ganzen fünf Jahre gemacht?“ Und er begann zu erzählen - alles, haarklein. Er ist in dieser Beziehung ein wenig hartnäckig, wenn Sie wissen was ich meine. Er erzählte jedes winzige persönliche Detail, das er im ersten Jahr gemacht hatte. Danach alles im zweiten, und im Dritten, und so weiter.

Gefühlt eine geschlagene halbe Stunde lang kam ich nicht zu Wort. Schließlich musste ich unterbrechen. Unhöflich, kann das sein, so ein Verhalten. Es interessierte ihn gar nicht, ob ich das alles vertragen konnte. Ob ich die ganze Wahrheit wissen wollte, ob ich das überhaupt hören mochte.

Psalmen, diese gesungenen Gebete aus längst vergangener Zeit, können genauso enervierend sein, wie mein lange verschollener Bekannter. Schonungslos. Schonungslos ehrlich. Schonungslos persönlich. Schonungslos fordernd. Das liegt daran, dass man als Hörer meistens in einer ganz anderen Stimmungswelt unterwegs ist, als der Beter der Psalmen selbst. Weder zu Tode betrübt, noch himmelhoch jauchzend. Eher dazwischen.


Psalmen nehmen kein Blatt vor den Mund. Sie trauen sich auch anzuklagen. Sie erzählen alles. Sie wettern gegen Gegner und Feinde. Nicht nur Menschen sind da gemeint. Selbst Gott kommt darin manchmal schlecht weg. Oft geht es um Krankheit und Heilung. Krankheit kann auch sehr persönlich sein. Oft kann sie wie eine Strafe wirken für das eigene verkorkste Leben. Aber es muss keinen Zusammenhang zwischen meinem Tun und meinem Ergehen geben. Auf jeden Fall soll Gott gesund machen, doch wer sagt mir dass er das will? Sich Gott von seiner dunklen Seite vorzustellen, kann furchtbar sein. Aber viel schlimmer wäre es von einem namenlosen Schicksal abzuhängen, an das man sich nicht wenden kann. Wenn nichts und niemand mehr hilft, dann kann man sich wenigstens bei Gott beklagen und ihn zum Eingreifen auffordern. Er ist der Grund der alles trägt und gleichzeitig der Abgrund, der nie aufhört.

(Übrigens, in diesen Abgrund kann man die ganze Welt hinein werfen und er ist immer noch leer. Unvorstellbar, nicht?)

Das betende Anrennen gegen Gott kann dann ein verstecktes Zeichen der Liebe zu ihm sein. Psalmen möchten ihn wachrütteln und sei es mit Fäusten.

Wach endlich auf mein Gott! Sieh mich an und mach was dagegen!

Ein Wort zu Gott auf Augenhöhe kann manchmal heilsam sein. Übertriebene Lobhudelei oder gurren wie eine Turtel- Taube ist dagegen eher verdächtig. Das hat oft ein „Geschmäckle“.

Die Psalmen versuchen sogar manchmal, Gott in eine Zwickmühle zu bringen.

Was bringt Dir meine Not überhaupt? Hast Du das nötig?


Die Psalmen hoffen aber durchweg auf Rettung. Man kann die Sehnsucht nach Heilung und Heil in jedem Wort spüren. Und diese Hoffnung kann erstaunlich aktuell sein. Die Hoffnung der Psalmen ist vor allem auf das Hier und Jetzt gerichtet, also auf das Leben heute. Gott soll jetzt eingreifen und mich hier gesund machen. Gleichzeitig kämpfen die Psalmen gegen den Tod an, den sie in all seiner Endgültigkeit beklagen. Trotzdem habe ich den Eindruck, dass in den Texten über Heilung von Krankheit auch schon eine Überwindung des Todes angelegt sein könnte – so wie eine Hoffnung auf ein Leben ohne Tod, Leid und Schmerz (Off 21,4).

Hören wir noch einmal zusammen dem Gesang des Königs Hiskia aus dem Jahre 701 vor Christus zu – etwas verfremdet. Im Original haben wir ihn ja Eingangs gehört. Der Psalm unterbricht den Erzählrhythmus einer uralten Geschichte im Buch des Propheten Jesaja. Ist also eingeschoben, wie ein Fremdkörper in die Erzählung. Das gleiche Stilmittel wird auch bei der Erzählung des Propheten Jona im Bauch des sogenannten Wahlfisches eingesetzt – ist also verwandt. Man soll sich an dieser Stelle eigene Gedanken machen. Eigene Gedanken aus seinem eigenen Leben im Dazwischen. Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft verschwimmen. Inmitten der größten Hilflosigkeit erfährt der Beter eine Wende. Er verlässt sich auf Gott, der ihn nach drei Tagen barmherzig rettet und mit ihm eine ganze Stadt und sein Volk und viele mehr. Der Leser weiß bereits vom helfenden Eingreifen Gottes in Todesgefahr. Jerusalem, das Volk Juda und viele mehr werden letztendlich von Gott vor den belagernden Assyrern gerettet und mit ihm sein König Hiskia für weitere 15 Jahre vom Tod befreit. Er hatte ein Geschwür. Man hört die Geschichte sozusagen von ihrem guten Ende her, von der Erfahrung der Erlösung also.

Wenn man die inneren Befindlichkeiten des Psalms von König Hiskias herausarbeitet, ergeben sich erstaunliche Parallelen.
Hier hab ich jetzt für Sie den Versuch einer Nacherzählung. Auf einer anderen Ebene im Dazwischen - zwischen den Zeilen sozusagen - kann man in dieser Geschichte viel entdecken. Sind Sie bereit?

Nach Jesaja im 38. Kapitel

Bestelle dein Haus, denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben. Mit diesen Worten tritt der Prophet Jesaja vor den großen König Hiskia. Eine Frechheit in den Augen des Königs der Juden. Weder hält der vertraute Gottesbote das Protokoll ein, noch zeigt er Ehrerbietung gegenüber dem hochgestellten Befehlshaber. Er platzt einfach herein in sein königliches Leben und schreit seine Hiobs-Botschaft heraus. Kalt und schneidend sind seine Anordnungen. Bestelle dein Haus […] du wirst sterben […] nicht leben.

Was täte ich, wenn mir das gesagt würde? Wenn ich nonchalant erfahre, dass mein Leben in Kürze enden wird.

Ich weiß es nicht.

Aber der König weiß es. Er fühlt sich plötzlich so abhängig. Er, der viele Untergebene hat. Er, der ein großer König ist, stößt gleichsam mit dem Kopf gegen eine undurchdringliche Wand. Dort stellt er sich auch hin – vor die Wand.

Denn er weiß was er tun kann in diesem Augenblick. Er wendet sich an den Einzigen der ihm helfen kann. Er spricht ein Gebet zu Gott.

In der Mitte meines Lebens muss ich dahinfahren, zu des Totenreichs Pforten bin ich befohlen für den Rest meiner Jahre.

Und dann klagt er Gott an:

Was soll ich lange herumreden

Er hats getan.

ER ist mein Feind. Gott selbst. ER.

Da hilft alles Schönreden nichts. Er betet zu dem, der ihn verwirft.

Herr ich leide Not. Tritt für mich ein.


Faszinierend und schrecklich zugleich bist Du Gott. Aber wer außer Dir kann jetzt helfen?


Dabei ist er ein Gerechter. Er ist unschuldig. Der König stammt aus dem Geschlecht Davids. Schon allein deshalb kann er auf ein erfolgreiches und langes Leben hoffen.

Oder soll man sich auf den Bund mit Gott nicht mehr verlassen können?

Das sei Ferne! Es bleibe vielmehr so: Gott ist wahrhaftig, und alle Menschen sind Lügner; wie geschrieben steht (in Psalm 51,6): »Damit du recht behältst in deinen Worten und siegst, wenn man mit dir rechtet.« (Röm 3,4)

Nein, das kann nicht sein. Aber der König hat trotzdem Angst.

Und dennoch! Er ist ein Held. Ein Held und König. Und dann einfach das Leben abschneiden – das geht doch nicht. Das ist doch ungerecht.

Wie Hiob könnte er sagen:
Ich wollte gern zu dem Allmächtigen reden und wollte rechten mit Gott. (Hiob 13,3)

Aber bringt das was? Da ist es schon wieder. Das Gefühl der absoluten Abhängigkeit. Sein Leben hängt an einem seidenen Faden. Wie das Tuch des Webers, das noch nicht fertig gearbeitet ist. Gerade fügt das Schiffchen noch Reihe um Reihe dazu. Schöne und starke Muster entstehen über die Tage, Monate, Jahre. Daran kann er sein Leben ablesen. Alle seine Taten. Alle seine Erfolge. Doch ER, der HERR, wird sein Tuch einfach abschneiden, so dass es aus dem Rahmen fällt. Unvollendet. In der Mitte seiner Jahre. Was für eine Schmach. Kein langes Leben ist ihm vergönnt. Er darf nicht lebenssatt sterben, wie Abraham, der auch einen Bund mit Gott hatte. Nein, er wird herausgerissen in seiner besten Zeit. Ein Sterben in Schande. Es ist ihm nicht einmal vergönnt durch das Schwert zu sterben. Nein, er stirbt banal.

Mein Gott, warum?


Dabei geht es ihm gar nicht so sehr um ihn selbst. Er denkt daran wo sein Herz ist – bei Gott und den anderen. Er trauert um alle für die er zuständig ist. Die Menschen, die er liebt.

Nun werde ich nicht mehr sehen den HERRN, ja, den HERRN im Lande der Lebendigen, nicht mehr schauen die Menschen, mit denen, die auf der Welt sind.

Dem König ist es arg von den Lebenden getrennt zu sein. Das lässt ihn nicht schlafen.

Ich frage mich, was ist mir arg. Wovon möchte ich nicht getrennt sein?

Er will nicht in die Grube fahren, in die tiefste Tiefe noch unterhalb des Meeresbodens. Weit weg von allem Lebendigen. So wie Jona fühlt er sich ins Meer geworfen. So klagt er auch. So wie Jona ist er Gewalten ausgeliefert, die er nicht kontrollieren kann. Er, der König, der alles im Griff hatte, ist überfordert. Gewaltige Gewalten kommen über ihn. Gewalt-tätige Gewalten. Wie ein junger Löwe der seine Knochen zerbricht. Wie ein Untier im Meer, das ihn verschlingt - der Leviatan, mit dem Gott zu seinem Vergnügen spielt.
So sinkt er schließlich hinab. Immer weiter weg vom lebendigen Gott - dem totalen Kontrollverlust entgegen. Tief unten wird sein letzter Ort sein – weit weg von allem, was lebt.

Aber halt.

In all der Betrübnis seiner Seele – im tiefsten Abgrund erfährt er Trost. Darum war ihm sehr bange. Er weiß auf einmal: Gott hat sich seiner erbarmt. Er hat sich seiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe. Von dieser Zuversicht kann er leben. Denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück. Im Erbarmen Gottes liegt seines Lebens Kraft. Dieser Glaube lässt ihn genesen und am Leben bleiben. Er wird leben, denn nur die Lebenden loben Gott – Lebende so wie er. Er ist ein Lebender. Er ist gerettet.

Selbst der Tod kann den Faden nicht zerreißen, der uns mit Gott verbindet.

In seiner Stunde am Abgrund – an der Grenze des Todes - hat sich der König auf Gott verlassen.

Und Gott rettet ihn nach drei Tagen aus dem Abgrund des Todes und mit ihm eine ganze Stadt, ein ganzes Volk und viele mehr.

Wenig mehr als siebenhundertdreißig Jahre nach Hiskia, Jona, Hiob und Jesaja wird ein alleingelassener junger Mann im Garten von Gethsemane voller Vertrauen zu seinem Gott beten:

Mein Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst! (Mt 26,39)


Amen.


Kanzelsegen:

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

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