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13.07.2020 - Seenotrettung?

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Klarstellung zum aktuellen Gemeindebrief:

Der Artikel von Pfarrer Holger Schwarzer
gibt nicht die Meinung der Redaktion wieder
und ist unabhängig von den unterschiedlichen 
Meinungen der Kirchenvorstandsmitglieder 
oder des Pfarrers als kritischer Diskussionsbeitrag 
zu dem aktuellen Thema des „Kirchenrettungsschiffs“ 
gedacht.

Pfarrer Johannes Habdank      

 

Stellungnahme zum Artikel „Seenotrettung?“
von Pfr. Holger Schwarzer im neuen Gemeindebrief

Holger Schwarzer setzt in seinem Beitrag mit Max Webers Unterscheidung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik ein und zieht diese zur Begründung seiner Ablehnung des kirchlichen Pro-jekts der Seenotrettung heran. Nach Weber kennzeichnet Gesinnungsethik gut gemeintes Han-deln, dessen Auswirkungen aber nicht weiter bedacht werden und sich deshalb zu oft ins Negative wenden. Verantwortungsethik dagegen schließt die Folgen der Handlung in die Entscheidungsfin-dung ein. Mit dieser Differenzierung beurteilt Schwarzer das EKD-Projekt zwar als gesinnungsmäßig gut gemeint, aber in ihrer zu verantwortenden Wirkung als kontraproduktiv. Diese Übertragung von Webers Definition aus dem Jahr 1919 auf das aktuelle Problem der Seenotrettung überzeugt aber durchweg nicht.

Im Grunde verfolgt Schwarzer einen utilitaristischen Denkansatz: Mit ihm ist die Entscheidung durch den Grad der Nützlichkeit für das eigene Wohlergehen bestimmt. Nützlich ist das, was die eigenen Lebensziele und die der Gesellschaft nicht gefährdet: Wohlstand, Sicherheit, Wachstum usw. Nach Schwarzer muss im Blick auf das konkrete Projekt auch Rettung aus Lebensgefahr dahin-ter zurücktreten. Das widerspricht zutiefst dem Gebot christlicher Nächstenliebe Natürlich hat dieses Gebot auch seine Grenzen, nämlich in der Überforderung der Helfenden. Die zu vermeiden helfen Konfliktlösungsansätze: Es gilt beiden Seiten die ihnen gebührende Beach-tung zu schenken, gleichsam die unterschiedlichen Bedürfnisse gegenüberzustellen, nicht nur in den „eigenen Schuhen“, sondern auch in denen der anderen zu gehen, um so zu einem gerechten Ausgleich in der „Ambiguitätstoleranz“ zu kommen. Das ist gängiges Prinzip in unserer Gesellschaft von Gerichtsverfahren mit Staatsanwalt und Verteidigung bis zur Streitschlichtung in Schulen. Die Starken und die Schwachen sollen gleichermaßen zu Wort kommen und gehört werden. Den Sprachlosen eine Stimme zu geben ist ein Grundsatz auch kirchlicher Diakonie und gilt ebenso für das Seenotrettungsprojekt. Leider hat Schwarzer so etwas völlig ausgeblendet.

In komplexen Entscheidungssituationen hat niemand eine absolute Garantie, die beste aller mögli-chen Entscheidungen getroffen zu haben. Das zeigen uns etwa auch die aktuellen Entscheidungen im Zusammenhang der Corona-Krise, in der mit vielen unbekannten Faktoren umgegangen werden musste. Erst im Rückblick zeigen sich mögliche Fehlentscheidungen und fordern den Mut, dies ein-zugestehen und umgekehrt die Bereitschaft, die Entscheidungsträger davon zu entlasten. Auch das ist ein Kernbestand christlicher Botschaft, der zu jedem Gottesdienst dazugehört. Verantwor-tungsethik ist also immer auch Konfliktethik. Unsere Gegenwart leidet insgesamt eher an einer Scheu vor wahrgenommener Verantwortung als an mutigen Entscheidungen. Auch das kirchliche Sea-Watch-Projekt hat keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit, aber viele gute Gründe für sich.

Entscheidungen müssen auf möglichst vielen zugänglichen und tragfähigen Argumenten beruhen. Das gilt auch für die Bedenken. Hier zeigen sich allerdings in der Argumentation von Schwarzer hef-tigste Defizite. Zum Fehlen jeglichen empathischen Wahrnehmens der Situationen von Flüchtlingen kommen bei den Argumenten gegen das Projekt etliche weithin haltlose Vermutungen:

 

Es sind derzeit die gesellschaftlichen Initiativen, die wirksam sind und etwas vorantreiben können: Städte wären bereit, Flüchtlinge aufzunehmen. Hilfsorganisationen setzen sich ein, um Not und Tod einzudämmen. Ein anschauliches Beispiel dafür ist etwa auch der Bürgermeister von Palermo - einer Stadt, die wahrlich von der Flüchtlingsnot hautnah betroffen und auch belastet ist – der zum wichtigen Bündnispartner für das EKD-Seenotrettungsprojekt geworden ist.

Das Sterben auf dem Mittelmeer muss Stachel im Fleisch der politischen Willensbildung sein, sonst ändert sich nichts. Die Kirchen haben zwar ihren Anspruch auf exklusive Wegweisung in gesell-schaftlich relevanten Lebensfragen verloren. Aber im Konzert (= Wettstreit) der öffentlich wirksa-men Gruppierungen haben sie als immer noch relevante Organisationen im gesellschaftlichen Dis-kurs ihr Gewicht. Es ist und bleibt ihre Aufgabe und Chance, theologisch begründete Argumente in die Waagschale zu werfen. Auch die evangelische Kirche folgt damit ihrem diakonischen Auftrag, der allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gilt und der sich dabei nicht vor möglichen Kon-flikten scheuen darf.

Die im Artikel formulierte Behauptung, dass das humanitäre Engagement der Seenotrettung die Gesellschaft spalte, wirkt erschreckend. Allein der Gedanke, dass praktizierte Humanität eine Ge-sellschaft spalten könne, wäre eher im Umkreis des derzeitigen Präsidenten der USA zu vermuten.

Das EKD-Projekt hat nicht den Anspruch, eine Lösung des Flüchtlingsprojekts sein. Es ist auch keine „Nebenpolitik“, wie ihr oft vorgeworfen wird. Die Verantwortung der Politik bleibt unberührt. Aber Kirche bringt hier aus ihrem zentralen christlichen Auftrag heraus einen Beitrag zur Wahrnehmung der entsprechenden Probleme im Zeichen ihrer öffentlicher Verantwortung ein. Ihre Aufgabe ist es, den Sprachlosen zu ihrer Stimme zu verhelfen, damit drängende gesellschaftliche Probleme nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt werden und kaum beachtete Minderheiten nicht durch die Netze des staatlichen Schutzes fallen, der gemäß der Menschenrechte allen Men-schen zusteht und weiter reichen als nationale Bürgerrechte.

Es ist inzwischen reichlich belegt, dass Menschen mit Kirche vielfach ein Glaubwürdigkeitsproblem haben: „Fromm reden, aber nichts tun; Nächstenliebe predigen, aber vor Möglichkeiten ihres kon-kreten Handelns die Augen verschließen“ usw. Kirche hat im öffentlichen Diskurs viel an Einfluss verloren, aber immerhin noch so viel, dass Projekte, in denen gemäß ihrem Auftrag Reden und Handeln glaubwürdige Verbindungen eingehen, Aufmerksamkeit finden. Im Projekt der Seenot-rettung verbindet sich die Schärfung der Wahrnehmung durch die Präsenz vor Ort mit dem mutigen Tun einer engagierten Crew und der sie stützenden Mitwirkenden.
Es gibt genug Jesusworte, die diesen Auftrag, in Wort und Tat für die Schwachen, Unbeachteten und Hilflosen einzutreten, klar formulieren und dazu auffordern, ihn die die konkreten Situationen auf allen Ebenen unseres gesellschaftlichen Miteinanders hinein zu buchstabieren, so wie etwa der:
„Was ihr getan habt einem meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan“.

Frieder Harz
 

 

 

 

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