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13.09.2020 - Gottesdienst am 14. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt über Lukas 19, 1-10 von Pfarrer Johannes Habdank

Liebe Gemeinde,

hier sehen Sie ein Bild – nicht von unserem Olivenbaum, der jetzt übrigens schon 8 Jahre bei uns überlebt hat, nein! Das Bild zeigt den Maulbeerfeigenbaum in Jericho, den der Zöllner Zachäus erklommen haben soll, um Jesus zu sehen, als der nach Jericho kam. Dieser Baum, der höchstens 800 Jahre alt ist, ist ein Gedenkort an die alten biblischen Begebenheiten.

Zachäus war ein klein gewachsener Mann, er war Jude und aufgrund seines Berufs wie viele Zöllner jüdischer Herkunft und Religion, bei seinen eigenen jüdischen Zeitgenossen verhasst, nicht nur weil er ein Gauner, Halsabschneider und Betrüger war, sondern weil er als Jude in Diensten der Römischen Herrschaft stand. Zachäus war nicht nur irgendein kleiner Lokal-Zöllner, sondern der Oberzöllner von Jericho. Und da mussten alle Leute, Reisende, Händler durch, die von Norden oder Süden kamen, durchs Jordantal oder vom Toten Meer, oder auch von Osten, der anderen Seite des Grabenbruchs, heute Jordanien, und nach oben in die Hauptstadt und Kultzentrale Jerusalem wollten. Wahrscheinlich war es für die alle ziemlich viel stressiger, die Zollstation des Zachäus zu passieren, als anschließend von Jericho durch die Stein- und Bergwüste Juda den steilen Weg hinauf nach Jerusalem zu nehmen, das mit seinen 900 Höhenmetern insgesamt 1150 Meter höher lag als Jericho.

Hören wir vor diesem Hintergrund die Geschichte von Zachäus und Jesus aus dem Lukasevangelium, Kapitel 19, die Verse 1-10:
„Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch. Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt. Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.
Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“

Liebe Gemeinde, es ist nicht das erste Mal, dass sich Jesus um einen Zöllner kümmert, der für sein Tun verachtet war und allgemein als Sünder, als Unreiner galt. Ähnlich wie damals auch Kranke und Behinderte aller Art, Ehebrecherinnen oder Dirnen, und zwar wegen ihrer religiös definierten kultischen bzw. laut mosaischem Gesetz gegebenen Unreinheit und Sündigkeit. Um sie alle, solche Menschen, sog. Abschaum der Gesellschaft, hat sich Jesus aber immer und primär gekümmert! Und er wollte damit sagen:
Gott ist den Sündern nahe, den Randfiguren, den Verfemten, den Ausgegrenzten, er vergibt ihnen und er ist gerade in diesen Schwachen mächtig.

In unserer heutigen Geschichte kümmert sich Jesus um den Zöllner Zachäus, indem er sich selbst zu ihm nach Hause zum Abendessen einlädt. Macht man so etwas? Ja, das war bei Wanderpredigern durchaus üblich, und sie wurden auch freundlich aufgenommen. Übrigens hat Buddha, der Erleuchtete, das auch so getan. Wie wir im Buddha-Film gesehen haben, liebe Konfirmanden.

Dass sich Jesus zu Zachäus begibt, erstaunt und freut den Zachäus und - es führt bei ihm zu einem völligen Sinneswandel, wie gehört. Er will von seinem Reichtum die Hälfte an die Armen abgeben und, analog den Bestimmungen des mosaischen Gesetzes für Diebe von Rindern und Schafen, betrügerisch Erworbenes vierfach zurückgeben. Damit ist die Einstellung des Zachäus um 180 Grad gedreht, nur weil Jesus bei ihm war, mit ihm geredet und gegessen und getrunken hat, Tischgemeinschaft hatte?

Fakt ist: Zachäus ist von seinem bisherigen Weg umgekehrt, ist bekehrt worden von Jesus. Den nennt Zachäus nun „Herr“. Erstaunlich, was aus einfacher Neugier und Schaulust bei Zachäus geworden ist! Er begehrte Jesus zu sehen, wie es heißt: „zu sehen, wer er wäre“ - also wird er wird wohl zuvor schon einiges von diesem Jesus gehört haben. Woher? Wohl über allgemeine Mundpropaganda. Wahrscheinlich auch von Berufskollegen aus Galiläa und aus dem nördlichen Jordantal? Denn es gibt sehr viel früher im Lukasevangelium, Kapitel 5, die Geschichte von der Berufung des Levi und dem Mahl, das Jesus mit den Zöllnern dort gehalten hat: gegessen, getrunken und gefeiert hat er mit ihnen.

Dass Jesus gerne Feste gefeiert hat, gut und gerne gegessen und getrunken hat, steht außer Frage. Das haben ihm seine Gegner ja auch vorgeworfen: er sei ein Fresser und Säufer! Und das dann noch zusammen mit vielen Zöllnern? Damit konnte Jesus bei den Pharisäern und Schriftgelehrten nur anecken.

Also Jesus hat schon, bevor er nach Jericho kam, mit vielen Zöllnern geredet und gefeiert, sie als angebliche oder tatsächliche Sünder angesprochen und sie mit einbezogen, um sie in seine Botschaft vom barmherzigen und vergebenden Gott hereinzunehmen, und zwar nicht nur mit Worten, sondern in der Tat. Und jener Zöllner Levi ist, nach der Feier, in der tat Jesus auf´s Wort gefolgt und wurde zu seinem Jünger.

Das war nun bei Zachäus nicht so: er bleibt wohl in Jericho und in seinem Haus, Zachäus besinnt sich auf Gottes Willen im mosaischen Gesetz und wird hoffentlich das dann auch getan haben, was er Jesus versprochen hat. Zachäus erweist sich darin für Jesus als Abrahams Sohn und sieht in diesem Bewusstseinswandel des Zachäus das Heil, das dem Haus Zachäus damit widerfahren ist - wörtliche Bedeutung von „Heil“ ist: „Rettung!“ Und der Evangelist schließt die Erzählung ab mit dem Wort: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist - wörtliche Bedeutung von „selig machen“ ist: „retten!“ Und die Bedeutung des Namens Jesu ist: „Gott rettet“!

Liebe Gemeinde, die Geschichte von Zachäus führt uns vor Augen, wie ein Mensch, der gesellschaftlich verachtet ist und auch alles dazu getan hat, von Jesus aus dem Abseits geholt wird.
Wenn man so will, hieße die „Abseits-Regel Jesu“: Verlorenes aus dem Abseits suchen, finden und retten - woraus? Aus den Fängen des eigenen Fehlverhaltens und aus den Fesseln negativer öffentlicher Meinung und aus den ganzen Ausgrenzungsmechanismen, mit denen wir Menschen andere Menschen zu Schwachen machen, sie dazu definieren, diskriminieren und dann entsprechend mit ihnen umgehen.

Wie Jesus das genau gemacht hat mit Zachäus, erfahren wir nicht.
Jedenfalls ist der Anfang der positiven Beziehung des Zachäus zu Jesus die Neugier des Zachäus, dann das Angesprochen-Werden durch Jesus, der offensichtlich schon von ihm gehört hatte, dann die Freude des Zachäus, dass Jesus zu ihm kommen will, und die Bereitschaft ihn aufzunehmen, und zwar im eigenen Haus, ganz bei sich. Neugier, Sich-Ansprechenlassen, Freude darüber, Aufnahmebereitschaft. Mehr hat Zachäus nicht getan!

Liebe Gemeinde! Das könnte auch ein Programm sein, wie man auch heute noch zu Jesus kommen kann, ob Zöllnertyp oder nicht – jede menschliche Persönlichkeit trägt Züge, die geeignet sind, unter die „Abseitsregel Jesu“ zu fallen, jeder hat charakterliche oder seelische oder moralische Verlorenheiten, um die sich gekümmert, die gesucht und gefunden werden wollen und müssen, um gerettet zu werden, wie es in der Bibelgeschichte heißt. Dafür ist der Menschensohn gekommen, wahrer Mensch, wahres Urbild und Vorbild des Menschen, jedes Menschen, wie wir Christen glauben.

Das Programm der Zachäus-Geschichte, wie man noch heute zu Jesus kommen kann, setzt also ein gewisses Interesse an Jesus voraus. Und da sagen Skeptiker heute, dass das Desinteresse überwiege. Mag sein, denn auf einen Baum, glaube ich, würde heute niemand mehr steigen für Jesus, oder doch? Aber zum Beispiel mal eine Bibel in die Hand nehmen, um nachzulesen, wer Jesus denn wäre?, wie es heißt. Da ist die Hürde auch bisweilen sehr hoch, höher als der Baum? Einen Jesusfilm anzusehen, diverse Angebote der Kirchengemeinde wahrzunehmen - die Bandbreite ist groß! Eine christliche Zeit-schrift zu lesen, sich im Internet schlau zu machen usw... Es gibt so viele Möglichkeiten, sich mit diesem großen Religionsstifter der Menschheit zu befassen. Selbst auf einem Kirchentag. Wo und wie auch immer:

Es geht darum, ob der Eine, Jesus, auch bei Dir ankommt, vielleicht auch mal wieder neu vorkommt! Ob er dir etwas sagt und du dir von ihm etwas sagen lässt uns sagen lassen willst. Ganz egal, was andere über dich denken und über dich reden, ob es andere gut finden oder nicht. Jesus selbst war das völlig egal. Und Zachäus offensichtlich auch. So konnte ihm und seinem Hause Heil widerfahren! Uns auch? Zachäus ermuntert uns dazu!
Ermutigend kann allein schon die Namensbedeutung von „Zachäus“ sein, Kurzform von Zacharias: „Gott erinnert sich“ – an dich, an uns alle hoffentlich, und wir uns an ihn, denn er will uns in der Gestalt Jesu nahe sein, uns suchen und finden und - retten!?
Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

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