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19.09.2020 - Konfirmation

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 Konfirmation 2020

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Konfirmationspredigt

am 19. September 2020, Pfarrkirche Aufkirchen Pfarrer Johannes Habdank

Das Evangelium steht geschrieben bei Johannes im 14. Kapitel, es ist ein Teil von Jesu Abschiedsreden:
„Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten? Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, damit ihr seid, wo ich bin. Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, so werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Und von nun an kennt ihr ihn und habt ihn gesehen. Glaubt mir, dass ich im Vater bin und der Vater in mir.

Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: den Geist der Wahrheit. Wer meine Gebote hat und hält sie, der ist's, der mich liebt. Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen. Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin. Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe. - Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ -
Der Herr segne sein heiliges Wort an uns allen. Amen.

Konfirmationspredigt:

Liebe Konfirmanden, liebe Festgemeinde,

das mit dieser Konfirmation zu Ende gehende Konfirmandenjahr hatte vor allem den Zweck, diese jungen Menschen dem Ziel näher zu bringen, selbstständige, mündige Christen zu werden. In einigem waren sie es schon vorher, dann kamen diverse Aha- und Lernerlebnisse, in einigem anderen ist aber auch weiterhin noch Potential vorhanden. Aber diese Spannung zwischen „schon mündig sein“ und „noch nicht mündig sein“, die gibt es nicht nur bei Konfirmanden, was die Religion betrifft, die gibt es auch bei den Erwachsenen, bei jedem Christenmenschen, egal wie alt. Den perfekten Christen, sozusagen den Vorzeigechristen schlechthin - den gibt es nicht. Das ist lutherische und auch modern-protestantische Überzeugung. Und wer meint oder vorgibt, ein solch lupenreiner, ja Premiumchrist zu sein, bei dem liegt der Irrtum, der Fehler, genau in dieser Meinung! Alle sind nämlich Heilige und Unheilige zugleich, manchmal auch Scheinheilige!

Ich rede vom mündigen Christen. Also dem, der nicht einfach alles autoritäts-gläubig nachbetet, was oder weil es die Kirche oder die Bibel sagt. Nein: der mündige Christ prüft für sich selbst kritisch, was er von dem allen, von Bibel und kirchlichen Traditionen - und analog bitte auch, was ihm sonst noch alles erzählt wird von anderen Religionen, Esoterik oder irgendwelchen Sekten - heute selbstständig für sein Leben glauben und vertreten kann. Bilde dir deine persönliche religiöse Meinung und dann: so gut es geht, handle danach, persönlich und sozial! Das ist besonders wichtig, dass sich der Glaube in der sozialen Lebenspraxis auch bewährt, verwirklicht.

Also: Wenn jemand erzählt, wie schön er doch die christliche Idee der Nächstenliebe findet, und verhält sich nicht entsprechend, dann ist das zwar schön, aber nur für ihn, nicht für die anderen, die seine nächstenliebende Zuwendung bräuchten. Dann bleibt sein Glaube fruchtlos. Dann wird man ihn auch als Christ schwer erkennen können. Denn: zwar frommer Glaube und Gerede, aber es folgt nichts daraus! Obwohl Jesus doch von seinen Jüngern gesagt hat: „An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen.“ (Mt 7, 20). Und nicht nur sie, sondern darin auch zugleich Jesus selbst, wie es heißt: „Jesus Christus spricht: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern und Schwestern, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25, 40)

Der Glaube an Jesus, an das, was er gesagt und getan hat, als Maßstab für das eigene Leben heute, soll also ein tragendes Fundament für´s Leben sein, für Euer Leben als Christen. Sonst droht die Gefahr, dass du in deinem Leben irgendwann einmal – geistig naiv und religiös unbedarft und unmündig - einbrichst. Und zwar dann, wenn es einmal heftiger kommen sollte: eine Krise, eine Identitätskrise dich ereilt, wenn du nicht weißt, wie es weiter gehen soll, wenn du verlassen wirst von Freunden oder jemandem, mit dem du enger zusammen warst, wenn du plötzlich an einer schweren Krankheit leidest; oder wenn ein Mensch stirbt, den du sehr liebgehabt hast.

Über solche Themen haben wir ja miteinander auch immer wieder geredet und uns Gedanken gemacht: gute Gedanken kamen da von euch, Überlegungen zum Leben und zum Sterben, auch zum Leben Jesu anhand der Bibel und des Jesus-Films, den wir gesehen haben, und auch zum Glaubensbekenntnis: Was kann ich eigentlich davon selber glauben?

Und da hat sich jedes Mal gezeigt: weder wir in unserer Gruppe, geschweige denn alle Christen glauben und meinen zu den verschiedenen Fragen das-selbe. Jeder findet an Jesus, am Christentum, an seiner Kirche, wie er sie erlebt, etwas anderes wertvoll, wichtig, bedenkenswert oder - kritikwürdig. Das gilt genauso für das Gemeindeleben bei uns in Berg, an dem du dich beteiligt hast. Da gibt es auch große Vielfalt.

Die Glaubens- und Meinungsvielfalt der Christen ist unhintergehbar, wir haben Pluralismus, weil jeder Jesus anders sieht, und auch die Kirche anders haben will als die andern, wenigstens irgendetwas an ihr kritisiert und hoffentlich sich dann auch kritisch einbringt - und nicht einfach geht. Kirchliche Kritik und Selbstkritik, nicht nur der Gläubigen, sondern auch der Institution, gehört zu den Grundprinzipien des Protestantismus. Mit dem Ergebnis: Einheit ja, aber nur in Jesus Christus, gelebte Vielfalt des Glaubens, des Christentums: ohne Ende! Sieh dich, sehen Sie sich in der Welt um! Wo man auch unterwegs ist:
Es gibt unzählige Christentümer, die sich alle auf den einen Christus berufen.

Nun, um die Vielfalt wusste Jesus sehr wohl selbst schon, wenn er, wie in der Lesung vorhin gehört, zu seinen Jüngern - auch kein homogener Haufen –
sagt: „In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen.“ Es geht um die Vielfalt der möglichen christlichen, an Jesus orientierten Optionen. Die gab es schon von Anfang an, diese Vielfalt, zu Lebzeiten Jesu selbst! Das heißt aber für heute: Für jeden, der auf seine persönliche Weise an Jesus glaubt, mit ihm etwas anfangen kann und danach handelt, ist Platz in Gottes Haus, sagt Jesus selbst. Christlich-religiöser Pluralismus ist von Gott vorgesehen und gewünscht. Sonst hätte sein Haus damals wie heute nicht so viele Wohnungen: wie im Himmel, so auf Erden.

Es heißt auch: „Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.“ Also: Wer Wohnung bei Gott im Glauben in der Orientierung an Jesus gefunden hat, bei dem werden sich Gott und Jesus einwohnen. Bedeutet: So, wie Du an Gott und Jesus glaubst, so sind sie in dir und bei dir und begleiten dich. Das ist deine geistige Heimat, dieses Haus, diese Wohnung, wo immer und wie weit weg du gerade davon bist in deinem Leben. Besinne dich auf diese Heimat, besuche sie immer einmal wieder, pflege sie in deinem Gemüt, deiner Seele.

Nun sind wir uns der bleibenden Verbundenheit mit Gott und Jesus, wie sie uns in der Taufe zugesprochen ist und heute durch diese Konfirmation be-stätigt wird, in unserer Lebenswirklichkeit und in unserem Alltag natürlich nicht ständig bewusst. Und im Lauf des Lebens ändert sich das ja auch immer wieder: bei jedem im engeren Sinne „Gläubigen“ und auch bei den eher kirchendistanzierten Kulturchristen, oder wie sie eine EKD-Studie einmal genannt hat: den Christen auf „Halbdistanz“ - ein Begriff aus der Boxer-Sprache. Weil eben keiner im Leben jemals ein perfekter Christ ist.

Wir sind in Religionsdingen, in denen es um die Sinndeutung des Lebens und der Welt vor einem letzten Horizont geht, Wesen, die neue Erfahrungen mit dem Leben machen – und dann entsprechende Lebensfragen haben, meistens Fragen, für die es keine fertigen Antworten gibt, vielleicht sogar gar keine Antworten: wo der Sinn, ein höherer oder tieferer, offen bleibt, bleiben muss. Wo wir an unsere Verstehensgrenzen stoßen. Weil Religion ein lebenslanges Lernen ist, durch alle guten und bösen, schlechten Zeiten bis ans Ende. Entwicklung - offen!

Und so widme ich Euch wie allen anderen Konfirmanden, auch Euren Vorgängern, zum Abschluss der Konfirmandenzeit einen zentralen Gedanken von Martin Luther, er hat gesagt:
Das christliche Leben ist nicht Frommsein, sondern Frommwerden,
nicht Gesundsein, sondern Gesundwerden, nicht Sein, sondern Werden,
nicht Ruhe, sondern Übung. Wir sind´s noch nicht, wir werden´s aber.
Es ist noch nicht getan und geschehen, es ist aber im Gang und Schwang.
Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg. Es glüht und glänzt noch nicht alles, es bessert sich aber alles. - Das wollen wir hoffen!
Auf die Hoffnung auf eine positive Entwicklung im Leben und Glauben hin, dazu sollt ihr gesegnet werden heute.


Amen.

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