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2.5.2021 - Musikalischer Präsenz und Online-Gottesdienst "Lust auf Kirche"

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"Lust auf Kirche"

Musikalischer Präsenz und Online-Gottesdienst 

 2. Mai 2021, 18.30 Uhr aus dem Katharina von Bora - Haus.

Lektor Peter Schickel und Sopranistin Christina Maria Vetter

Predigt über Lk 19, 37-40

Sie nannten ihn etwas despektierlich den Five Prediger. Die Bremer damals, 1680 – kurz vor seinem Tod. Er musste den unbeliebten Frühgottesdienst halten – fast ohne Zuhörer, ohne Zulauf – um fünf Uhr morgens – auch im tiefsten Winter. Da war es oft noch dunkel und kalt. Aber vielleicht hat er das sogar gerne getan. Denn hier in der St. Martini Kirche fand er am St. Martinstag selbst zu seinem „inneren Glauben“, wie er sich ausdrückte. Das war fast am Ende seines Theologiestudiums, während einer Predigt seines Freundes und Mentors Theodor Undereyck.

Leider starb er viel zu früh unser Dichter - in seinem 30. Jahr. Joachim Neander, der reformierte Theologe. Nicht mal den Druck seiner Lieder und ihren immensen Erfolg hat er miterlebt. Was hätte noch alles aus ihm werden können! Heute wissen wir: Er hat einen „Number-One-Hit“ gelandet. Er ist der Spitzenreiter jeder Kirchenplaylist. Er ist der Dichter des meistgesungenen Kirchenliedes aller Zeiten. Über alle Konfessionen bekannt, in unzähligen Übersetzungen weltweit verbreitet. „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“ von Joachim Neander.

Sein Name klingt seltsam vertraut. Neander. Aber in einem anderen Zusammenhang. Ja, nach ihm wurde das Neander-Tal bei Düsseldorf benannt. Viel später fand man da einen prähistorischen Menschen in einer Höhle – den Neandertaler. Mit dem hatte er wahrscheinlich nicht viel gemein. Sicher hat er nicht gesungen wie ein Neandertaler. Er war äußerst feinsinnig. Er war Rektor in der Lateinschule mit Aufsicht über zwei Schulklassen und einem Hungerlohn als Vergütung. Sowas musste man früher machen, wenn man Pfarrer werden wollte.

In seiner Freizeit machte er ausgedehnte Spaziergänge in seinem Tal und sang und predigte auch dort zu einer Menge von Gleichgesinnten. Ohne Kirche. Einfach in der Natur. Priestertum aller Gläubigen. Das wurde ihm zum Verhängnis. Der Ältestenrat seiner reformierten Gemeinde besuchte ihn deswegen – eine Visitation des Presbyteriums. Es hieß danach: Diese Erbauungsstunden solle es nur noch ergänzend zum Predigtgottesdienst in Anwesenheit des Ortspfarrers geben.

Orthodoxe Kirchenlehre und pietistische Lebenspraxis gingen nicht zusammen und er bekam Kanzelverbot und damit Singverbot, Wanderverbot, Naturverbot. Da war er froh, dass er überhaupt nochmal eine Stelle in Bremen bekam – als Five Prediger.

Und überhaupt! Lieder singen! Das war in reformierten Kreisen ja sowieso nur bei den Psalmen erlaubt. Kein Wort durfte hinzugefügt oder weggenommen werden aus der Heiligen Schrift. Neander genügte das nicht – ja ein Bisschen Aufmüpfig war er schon - und so macht er aus Altem Neues. Die Lust, die er beim Singen verspürte gabt ihm Recht. Er nahm sich den alten Psalm 103 und dichtete ihn einfach neu um. Dazu passte die Melodie eines bekannten Studentenliedchens – im Dreivierteltakt! Progressiv zur damaligen Zeit!

Lobe den Herrn, meine Seele,
und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

Übrigens, der König der Ehren ist aus Psalm 24 geklaut: Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr, stark und mächtig.

Wacht auf, meine Seele, wach auf, Psalter und Harfe! Stammt aus Psalm 57,9 und so weiter, etc, pp. Er schreibt einfach aus den Psalmen ab.

Luther hätte das sicher gefallen. In seiner Psalmenvorrede von 1528 schreibt er:“ Wo findet man feiner Wort von Freuden, dann die Lobpsalmen oder Dankpsalmen haben? Da siehst du allen Heiligen ins Herze wie in schöne lustige Garten, ja wie in den Himmel…“

Und tatsächlich, vielleicht kommt so beim Singen der alten Psalmen etwas Himmlisches Neues in die Welt. Wie damals beim Einzug Jesu in Jerusalem.

Das Himmlische greift ins Menschliche ein. So eine „unglaubliche“ Botschaft der Liebe Gottes! Da kann man nur singen und jubeln! Oder würden Sie Ihrer Frau nur einen Zettel schreiben, wenn sie Ihr Ihre Liebe gestehen wollen? Von Angesicht zu Angesicht sagt man sowas! Natürlich, Singen, Jubeln, ist da schon besser! Jubeln, wie die Jünger damals beim Einzug Jesu in Jerusalem. Ihr guter König kommt. Endlich! Sie singen „Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“

Das singen auch die Engel an Weihnachten bei den Hirten auf dem Felde. Das haben wir auch gerade beim Gloria zusammen gesungen. Luther übersetzt „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen“. Gott bringt Frieden! Gott befreit! Gott kommt auf die Welt! Gott wird geboren. Gott zieht in Jerusalem ein. Der Friedefürst kommt!

Aber dort wurde er schon erwartet vom Ältestenrat in Jerusalem. Von den hohen Priestern und Pharisäern. Sie sagten zu ihm:

Meister, weise doch deine Jünger zurecht! 40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Kanzelverbot?! Kein Singen mehr! Die Jünger sollen ruhig sein! Nein, so einfach lässt sich Gott nicht zum Schweigen bringen - das geht gar nicht! Die gute Botschaft vom heilshandeln Gottes lässt sich nicht so schnell mundtot machen! Sie muss raus! Selbst wenn es 5 Uhr morgens im kühlen Bremen ist. Selbst viele Jahrhunderte später singen wir noch Neanders Lied. Heute werden wir es als Predigtlied singen – in einem virtuellen Chor. Online und als Live-Stream. Verteilt an verschiedenen Orten und doch gemeinsam.

Wenn das Leben schweigt, dann müssen eben die leblosen Dinge davon singen. Sogar die leblosen Steine schreien! Leblose Dinge wie Computer und Smartphones werden das Lied zu ihnen nach Hause bringen, aber Sie können selbst lebhaft mitsingen. Singen Sie mit vor Ihren Bildschirmen, wo immer Sie auch sein mögen! Richten Sie doch schon mal das Evangelische Gesangsbuch her, Lied Nummer EG 316, die Strophen 1 und 5.

Mit dem Zitat der schreienden Steine greift Jesus eine Vorhersage aus grauer Vorzeit auf. Die Steine schreien, wenn der Tempel zerstört wird. (Hab 2,11 Denn auch die Steine in der Mauer werden schreien, und die Sparren am Gebälk werden ihnen antworten.)

Und tatsächlich wird der Tempel auch eine Generation nach Christus von den Römern tatsächlich zerstört.

Und so sagt Jesus wenig später (bei Johannes):
Brecht diesen Tempel ab und in drei Tagen will ich ihn aufrichten.

Das erwartete man auch vom kommenden Messias. Einen neuen Tempel sollte der Gesalbte König errichten. Den neuen Tempel des Herrschers von ganz Israel. Der Tempel des ungeliebten Vasallen-Königs Herodes, sollte ersetzt werden mit einem herrschaftlichen Palast des Neuen Königs vom Himmel – des Königs der Ehren.


Gott selbst war für die Juden zur Zeit Jesu im Tempel in Jerusalem anwesend. Der Tempeldienst wurde vom hohen Rat verwaltet – von den hohen Priestern in Jerusalem. Sie wurden von den Römern eingesetzt und waren im besetzten Israel eigenständig. Sie durften die Abgaben der Bevölkerung an den Tempel selbst verwalten und bildeten selbst so eine Art Kommandoposten der Römer. Da ist es nur natürlich, dass die hohen Priester etwas gegen diesen Jesus hatten. Dieser Wanderprediger aus Galiläa hatte das Volk auf seiner Seite. Er sagte Ihnen, wie schon Johannes der Täufer das Kommen des Messias und damit die Zerstörung ihres Hoheitsbereiches des Tempels von Jerusalem im besetzten römischen Reich voraus. Das Ende der Herrschaft des privilegierten Hohen Rates von Gnaden der Römer – das Ende des Sanhedrin.

Und so protestierte Jesus auch später folgerichtig gegen diese falsch verstandene Herrschaft der Hohen Priester, in dem er bei der sogenannten Tempelreinigung die Tische der Wechsler umstieß und den Tempel eine „Räuberhöhle“ nannte. Nur Gott kann Herr sein. Er protestierte gegen die Herrschaft des Machterhalts und der Korruption. Die Liebe Gottes ist nicht käuflich! Das ist es was seine Handlung zeigt.

Aber mit Jesus kommt das Himmlische bereits zu uns auf die Erde.

Wenn er vom Abbruch des Tempels spricht, meint er damit seinen Leib.
Ein Hinweis auf seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung. Aus Alt macht er Neu. Der Tempel seines Leibes soll abgebrochen werden und er wird ihn wieder aufrichten – in drei Tagen. Das Tempelgebäude, das Jesus errichtet hat – das sind wir. Ein Tempel der nicht mit Händen gemacht ist.

Keine leblosen Steinmauern, sondern lebendige Menschen. Menschen mit dem Geist Jesu erfüllt. Ein Tempel für das Priestertum aller Gläubigen. Menschen wie Sie und ich. Ein Tempel als die Gemeinschaft des Geistes. Des Geistes des Königs des Himmels, des guten Königs für ganz Israel, des Friedensfürsten der ganzen Welt.

Übrigens, bevor ich es vergesse: Jemand - vielleicht sogar er selbst - hat den Namen unseres Lieder-Dichters ins Griechische übertragen - Neander heißt eigentlich "Neumann".

Und so lasst uns zusammen singen. Lasst uns zusammen antworten mit Loben und Danken für das Kommen unseres Heilandes Jesus Christus. Lasst uns singen von der Liebe Gottes, die für uns auf die Welt gekommen ist. Wie damals die Engel auf dem Felde bei den Hirten, wie die Jünger vor den Toren Jerusalems, wie Joachim Neander in seinem wilden zerklüfteten Neander Tal mit seinen Freunden im Grünen. Lasst uns die alten Psalmen singen.
Lasst uns aus Altem Neues machen!

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!

Amen.

 

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