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20.11.2019 - Buß- und Bettag

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Kleine Predigt von Pfarrer Johannes Habdank am Buß- und Bettag 2019

Evangeliumslesung: Lukas 18, 9-14: Vom Pharisäer und Zöllner
„Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten, fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand für sich und betete so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme. Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.“

Orgelspiel

Kleine Predigt über die Redewendung „Ich entschuldige mich“

Liebe ökumenische Gemeinde, derzeit gelten drei Philosophen als die Klassiker der deutschen Gegenwartsphilosophie:

Der in Starnberg ansässige Jürgen Habermas, der jüngst mit über 90 Jahren ein zwei-bändiges monumentales Werk der Philosophiegeschichte unter dem Gesichtspunkt „Glauben und Wissen“ veröffentlicht hat, wobei die Philosophiegeschichte, wie Kritiker in SZ und ZEIT einhellig sagen, in seinen eigenen Gedanken kulminiert und entsprechend rekonstruiert ist, oft den historischen Philosophen nicht angemessen; immerhin: der jahrzehntelange Religionskritiker empfiehlt, offensichtlich altersmild geworden, der deutschen Öffentlichkeit, mit den Themen und Leuten der Religion im Gespräch zu bleiben, danke!

Dann der 2015 verstorbene skeptisch-transzendentalbelletristische Philosoph Odo Marquard, der in seinem wegweisenden Beitrag „Apologie des Zufälligen“ u.a. Religion unter dem Gesichtspunkt der sog.  Kontingenzkompensationskompetenz betrachtet. Das ist ein sehr schönes, nicht ganz kurzes Wort und ein sehr sinnvoller Gedanke, soll heißen: die unausweichlichen Zufälle und Schicksale des Lebens (Kontingenz) werden von der Religion auffangend und deutend zu bewältigen versucht (kompensiert), genau das ist die Zuständigkeit und Kompetenz der Religion: Kontingenzkompensationskompetenz. (Wer diesen Begriff nachher beim geselligen Beisammensein bei Glühwein vor allen ohne Versprecher aufsagen kann, bekommt ein Mon Chéri !)

Und der dritte Klassiker der deutschen Gegenwartsphilosophie, Hermann Lübbe, gebürtiger Ostfriese, viele Jahre in der Schweiz lebend und lehrend, auch schon über 90, vertritt ähnlich wie Odo Marquard die These: „Religion ist Praxis der Kontingenzbewältigung“, also: Wie kommen wir mit der Endlichkeit des Lebens, mit Schicksalsschlägen zurecht? Dieses Problem, das jeder hat, auch der sog. Atheist, versucht die Religion zu bewältigen, dafür ist sie da. Und sie ist auch für die Frage da – das ist für uns heute und auch sonst wichtig – wie gehen wir mit moralischer Schuld um, dazu Lübbe: „Moralische Schuld verjährt bekanntlich nicht. In die Praxis religiöser Buße umgesetzt heißt das, dass die Beichtbedürftigkeit der Sünden kein Verfallsdatum kennt. Was vergeben ist, bleibt vergeben und wird, wenn es ehrlich einbekannt war, auch beim Jüngsten Gericht, soweit wir wissen, nicht wieder aufgerollt. Aber alle übrigen Sündenfälle bleiben dauerhaft pendent.“ Soll heißen: es hängt einem ewig nach, wenn man mehr oder weniger schwer schuldig geworden sein sollte im Leben. Zum Beispiel bei der Frage: Vergeben und Vergessen: Selber kannst du nicht vergessen, aber auf das Vergessen der anderen bist du angewiesen. Oder die Frage der Wiedergutmachung: kann sexueller Missbrauch durch Geldzahlungen Vergebung erwirken?

Und solche Fragen gelten ja nicht nur für jeden einzelnen von uns, sondern für ganze Völker, Nationen. Zum Beispiel auch, was wir Deutschen mit den zwei Weltkriegen angezettelt und dauerhaft bewirkt haben – das hängt uns noch heute nach, zurecht.

Liebe Buß- und Bettagsgemeinde,

es gibt ein sehr erhellendes Buch von eben diesem Hermann Lübbe, das den Titel trägt: „Ich entschuldige mich“. Es beschreibt die Geschichte der bundesrepublikanischen Entschuldigungskultur für vergangene Verbrechen, etwa an den Juden oder den Polen. Sie kennen alle oder haben es im Fernsehen schon öfter miterlebt, den zivilreligiösen politischen Ritus, der sich zunehmend herausgebildet hat, dass sich Staatsleute stellvertretend für ihr heutiges Volk entschuldigen für vergangenes Unheil, das von Deutschen früher einmal angerichtet wurde. Klassisch gewordenes Beispiel: der Kniefall von Willy Brandt in Polen. „Ich entschuldige mich.“ Stellvertretend für unser Volk. Für unser heutiges Volk für Taten von damals. So etwas wird auch heute noch immer erwartet, oder auch, wenn man es von anderen erwartet: etwa von den Türken bei den Armeniern – derzeit vergeblich.

Aber was ist das überhaupt für eine Redensart? „Ich entschuldige mich.“

Wer kann eigentlich wen entschuldigen? Das ist ja auch eine Frage an das menschliche Privatleben von uns, von jedem von uns Menschen. Kann man das wirklich sagen: „Ich entschuldige mich“? Geht das so einfach?
Ein Konzernchef hat jahrelang Steuern hinterzogen oder seinen eigenen Laden beschissen, Du hast jahrelang jemanden schwarz bei Dir zu Hause beschäftigt – „ich entschuldige mich“? Ist es dann so einfach vorbei? Sich selbst entschuldigen?
In der Bibelgeschichte, die wir vorhin vom sündigen Zöllner gehört haben, geht das etwas anders - der Zöllner sagt: „Gott, sei mir Sünder gnädig“. Er bittet also vor einem Letzthorizont, Gott, absolut und persönlich, um Verzeihung, und um Gnade.

Liebe Buß- und Bettagsgemeinde, das ist auch das Thema des Bußtages: seine Schuld bejahen, dazu stehen, was man gemacht hat, wie man war. Nicht sich rausreden oder alles beschönigen: „war schon nicht so schlimm!“ Oder: “Man muss die Dinge einfach auch einmal positiv sehen!“ Oder: „Kann doch ich nichts dafür!“ „Der andere war´s!“ Nein: seine Schuld bejahen, darum geht´s.  Im Alltag können wir alle kleine Heilige sein, aber auch oftmals kleine Übeltäter, zumindest Scheinheilige. Da sind wir zwar offen zueinander in Familien, Freundeskreis, Verein oder Gemeinde, da gibt´s aber auch mal eine Ausrede; Versprechen werden gegeben, die werden aber auch mal nicht eingehalten, auch wiederholt nicht. - „Ich entschuldige mich“?

Da reden wir über jemanden im Guten, dann aber auch über denselben Menschen hintenherum: selbst unter Freunden über den einen, wie unmöglich er doch da und dann wieder einmal war, und die andere, die ja eigentlich ganz nett ist und, was für eine blöde Zicke die doch wieder sein kann.

„Ich entschuldige mich“?  Wir urteilen gerne und schnell über Personen und Ereignisse, die wir vielleicht gar nicht genau kennen – ein Großteil der Medienlandschaft lebt davon, urteile ich jetzt mal so ...

„Ich entschuldige mich“? Menschen ohne Schuld gibt es nicht nach biblisch-christlicher Auffassung. Da kommen wir nicht darum herum. Alle sind vergebungsbedürftig, du und ich auch, warum, das weiß jeder selber am besten.

Es tut gut zu wissen, dass allein schon das Eingeständnis des Zöllners und seine Bitte um Vergebung genügt haben, dass Jesus sagen konnte: Der ging gerechtfertigt nach Hause. Der Zöllner musste nicht und hat nicht lange darum herum geredet. Jesus auch nicht. Dem Zöllner ist ohne lange Umschweife Vergebung widerfahren.

Ja. Wer Gott um Vergebung bittet, dem ist Vergebung zugesagt, dem wird vergeben. Und wie es beim Apostel heißt (Kolosser 3): Vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern, gleich wie der Herr euch vergeben hat, so auch ihr. Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit; und der Friede Christi regiere in euren Herzen.

Amen. 

Fotos vom Gottesdienst un dem anschließenden geselligen Beisammensein hier.

 

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