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21.2.2021 - Online-Gottesdienst am Sonntag Invocavit

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Online-Gottesdienst am Sonntag Invocavit

 21. Februar 2021, 10.00 Uhr
aus dem Katharina von Bora - Haus.
Pfarrer Dr. Klaus-Peter Jörns

 

Online-Gottesdienst am Sonntag Invokavit,
Erster Sonntag der Passionszeit, 21.2.2021, 10 Uhr.

Lesung des Evangeliums für diesen Sonntag: Matthäus 4,1-11: Die Versuchung Jesu. Diese Überlieferung werde ich in der Predigt auslegen.

Liebe Gemeinde in Corona-Zeiten. Dafür, dass Gott Menschen in Situationen führt, in denen wir vom „Teufel“ (auf Deutsch: „Widersacher“) versucht werden, gegen Gottes Weisung zu handeln, gibt es in der Bibel eine ganze Reihe von Belegen, Wenn wir im Vaterunser Gott bitten, er möge uns nicht in Versuchung führen, dann setzt diese Bitte voraus, dáss Gott eben das gelegentlich tut. Ausdrücklich thematisiert werden unsere Versuchungen zusammen mit Jesu Versuchungen in der Epistel für diesen Sonntag aus dem 4. Kapitel des Hebräerbriefes. (14-15) wo es von Jesus als unserem Hohenpriester heißt: „Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der mit unseren Schwachheiten kein Mitgefühl haben könnte, vielmehr einen, der in allem auf gleiche Weise versucht worden ist wie wir, allerdings ohne Sünde.“ In den Evangelien erzählen Markus (1,12f), Matthäus (4,1-11) und Lukas (4,1-13), dass Jesus nach der Taufe durch Johannes „ vom Geist in die Wüste geführt wurde, um vom Teufel versucht zu werden.“

Statt „Geist“ können wir natürlich auch „Gott“ sagen. Denn um Góttes Geist geht es hier. Dass den Versuchungen die Taufe Jesu vorausgeht, ist deshalb wichtig, weil Jesus bei dieser Gelegenheit als der geliebte Sohn Gottes ausgerufen wird - ja, eigentlich wird er dadurch von Gott als Sohn adoptiert. Es ist der Geist Gottes, der wie eine Taube auf ihn herabschwebt, während eine himmlische Stimme zu ihm sagt:‚Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ (Mk 1,11) Zu unserem Erstaunen aber kommt es dann sofort zu einem harten Szenenwechsel, denn „alsbald treibt ihn der (derselbe) Geist hinaus in die Wüste, wo Jesus vierzig Tage lang versucht wurde. Der Geist Gottes, also Gott selbst, zwingt Jesus in menschenleeres Gebiet, in die Gemeinschaft mit Tieren. Wenn man die Taufe zum Sohn Gottes als eine Art Inthronisation verstehen kann, dann wird Jesus unmittelbar danach aber nicht mit einem königlichen Mantel umhüllt oder bildlich gesprochen “in Watte gepackt“, sondern so nackt, wie er aus dem Jordan kommt, wird er mit Tieren zusammengetan ins nackte Leben- ohne jegliche Geborgenheit und jeden Schutz. Den Zusatz, dass Engel während der 40 Tage als Diener Jesu aufgetreten seien(Mk 1,13), hat Matthäus in seiner Version übrigens wegelassen – vielleicht, weil er dadurch den Ernst der Situation Jesu eher wieder verdeckt gesehen hat.

Liebe Zuhörer*innen, die Evangelien sind, literarisch gesehen, durchgestaltete Großerzählungen. Das heißt, die einzelnen Begebenheiten darin sind nicht wahllos aneinander gefügt worden, sondern sie legen sich gegenseitig ein Stück weit aus. Deshalb dürfen wir auch die drei Versuchungen Jesu nicht ohne die Tatsache sehen, dass er unmittelbar vorher zum Sohn Gottes erklärt worden ist. Behalten wir dás und die Tatsache im Blick, dass Gott selbst Jesus in die Versuchungen hineingeführt hat, können sie nicht das Ziel gehabt haben, Jesus gleich am Anfang seines Weges wieder aus der Bahn zu werfen. Sondern sie müssen ganz entschieden mit seiner neuen Würde als Gottessohn zusammen ausgelegt werden. Tun wir das, erschließen sich die Versuchungen Jesu als eine entscheidende Weichenstellung hin zu seinem Weg als Gottes Sohn und Heiland. Und der beginnt sofort nach den Versuchungen durch Satan: Jesus geht zurück nach Galiläa. Unterwegs predigt er, und in seiner Heimat beruft er die ersten Jünger und heilt viele, die mit mancherlei Krankheiten zu ihm kommen. Wir können also sagen: Nach den Versuchungen entfaltet und realisiert er ganz entschieden sein Programm. Aber die Evangelien wollen damit auch sagen, dass die Versuchungen Jesus nicht geschadet, sondern ihn ganz im Gegenteil: gestärkt haben. Jesus hat die Kraft seiner Gottessohnschaft im Streit mit Satan erproben können. Hier bewahrheitet sich, was Goethe in seinem „Faust“ Mephisto von sich sagen lässt: Er sei „ein Teil der Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“ Jesus hat in den Versuchungen für sich klären müssen, was es denn für ihn heíßt, Gottes Sohn zu sein – also , was er tun kann und soll, und: was nicht. Und da die Evangelien für Christen geschrieben worden sind, sollen síe, also auch wír, von seinem Weg lernen, wer wír als Christen sind, und was wír im Leben angesichts so vieler Herausforderungen und Versuchungen tun sollen, und was nicht. Und das wird uns wie in einem Theaterstück in drei Aufzügen vermittelt. Der Hebräerbrief fügt hinzu, Jesus, der Sohn Gottes, habe – so will ich es einmal formulieren, durch die Versuchungen sein Menschsein bewahrt, um Mitgefühl mit uns Menschen behalten zu können.

Und nun sehen wir uns alle drei Versuchungen Jesu nach Matthäus der Reihe nach an.

Die erste Versuchung beschreibt er (Mt 4,1-4): só „Als Jesus vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte ihn - ja, er wird in ein Hungerdelirium geraten sein und vielleicht auch Halluzinationen gehabt haben. Diesen Zustand nutzt der Versucher aus und fordert ihn auf: ‘Bist du Gottes Sohn, so gebiete diesen Steinen, dass sie Brote werden!‘ Doch das tut Jesus nícht. Gleich in der ersten Versuchung will Satan prüfen, ob Jesus, wie man heute sagt: ‚Wunder kann‘ Und daran; Ob Jesus Unmögliches möglich machen kann, will er ablesen, ob Jesus wirklich Gottes Sohn ist. Seine Logik ist kindlich naiv: Wenn Jesus Gottes Sohn- und Gott doch allmächtig ist, dann muss er Wunder können. Bedenken wir, dass zur Zeit Jesu Hungersnöte keine Seltenheit waren, bekommt Satans Aufforderung noch einen geradezu wohltätigen Klang. Denn wenn Jesus Wunder gekonnt und auch gewollt hätte, hätte er auch das Problem des Hungers in der Welt leicht lösen können. Steine gab und gibt es ja fast überall. Der Teufel tut so, als sei er Jesu Geselle. So geht Versuchung! Und seien wir einmal ganz ehrlich, liebe Gemeinde: Wer von uns, wenn er oder sie Jesu neue Würde von Gott erhalten hätte, hätte nicht auch überlegt, was er oder sie mit einer solchen Machtfülle anfangen könnte,und wie man sie für gute Zwecke nutzt! Und trotzdem lehnt Jesus ab. Denn wenn er jetzt Unmögliches möglich gemacht hätte, wäre er fortan primär als Wundertäter im Gedächtnis geblieben. Nicht, dass es Jesus nicht auch darum gegangen wäre, dass die Menschen genug zu essen haben. Aber das Hungerproblem löst sich, soweit es ums Brot geht, nicht durch Gottes oder seines Sohnes vermeintliche Allmacht, sondern dadurch, dass genug Getreide angebaut und geerntet und zu Brot verarbeitet und dann auch solidarisch unter den Menschen geteilt wird. Steine sind Steine, und damit baut man Häuser und Straßen. Jesu Aufgabe war und ist es nicht, die materiale Struktur der Erde nach Bedarf Wundern anzupassen, auch nicht mit Gottes Hilfe. Seine Aufgabe ist es bis heute, die Menschen auf dieser Erde zur tätigen Nächstenliebe und geschwisterlichen Solidarität zu führen und so den Schöpfer zu ehren. Die Aufgabe aber, das Leben in der Gemeinschaft der Geschöpfe vor Gott durch Nächstenliebe zu verantworten, lernen wir aus der Schrift, wie Jesus sie uns mit seinem Leben ausgelegt hat.

In der zweiten Versuchung bei Matthäus (4,5-6), greift der Versucher selbst zu dem Mittel, sein Gegenüber mit einem Bibelzitat zu gewinnen. Er hat schnell gelernt und will Jesus mit dessen Waffen schlagen. Das tun Pfarrer und Pfarrerinnen und andere Bibelkenner bekanntlich auch gerne, wenn sie über theologische Themen streiten. Also verbindet er die Aufforderung an Jesus, sich vom Dach des Tempels zu stürzen, mit der schönen Zusage aus Psalm 91,11f., Gott werde >seine Engel aufbieten, dass sie dich auf Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt<; Man muss sich vorstellen, was ein solcher Flug vom Tempeldach, rechtzeitig vorher angekündigt, auf die Einwohner Jerusalems für einen gewaltigen Eindruck gemacht hätte! : ‚Stell dir das vor, Jesus! Du würdest eine weltbewegende Sensation liefern. Alle würden dir glauben, dass du Gottes Sohn bist! Aber „Jesus antwortet dem Versucher: Hinwiederum steht geschrieben: >Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen< Anders formuliert: ‚Du sollst nicht Gottes Teufel spielen!‘ Denn würde Jesus hinunterspringen und darauf vertrauen, Gott werde ihn dabei wie auf Händen tragen und die Schwerkraft mal eben außer Kraft setzen, hieße das, Gott herauszufordern, das auf dieser Erde Unmögliche möglich zu machen und damit Satan einen Gefallen zu tun. Aber da macht Jesus nicht mit. Sondern er zieht dem Teufel die freundliche Maske vom Gesicht und deckt auf, worauf der Teufel es eigentlich abgesehen hat: darauf, Gott zu versuchen, also: Gott für seine Ziele in Dienst zu nehmen und der eigentliche Herr der Welt zu werden. Das ist das wahrhaft Teuflische an dieser Versuchung. Wobei sein Vorschlag ja auf einem groben Mißverständnis von Gottes Allmacht beruht. Gott ist nicht dazu Gott, um die Naturgesetze beliebig auszuhebeln um uns irre Events zu bieten.

Wie, um seine Allmachtsphantasien bloßzustellen, geht der Teufel bei seiner letzten Versuchung Jesu dann mit offenem Visier aufs Ganze und „nimmt Jesus mit auf einen sehr hohen Berg und zeigt ihm alle Reiche der Erde und ihre Herrlichkeit und sagt zu ihm: ‚Dies alles will ich dir geben, wenn du dich niederwirfst und mich anbetest.‘ Nun ist es heraus, was Satan will: Gott entthronen und an seine Stelle treten. Er will angebetet werden. Das ist der Preis, den Jesus für die seine Weltherrschaft zahlen soll.: Da sagt Jesus zu ihm: ‚Hinweg, Satan! Denn es steht geschrieben: >Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen!< Da verlässt ihn der Teufel, und siehe, Engel traten zu Jesus herzu und dienten ihm.“ (Mt 4,8-10) Jetzt, nach dem letzten Aufzug des Dramas, haben die Engel ihren Auftritt und dienen Jesus.


Und wír haben Gelegenheit, uns zu fragen, wer denn dieser Teufel eigentlich ist. Gewiss nicht der, dessen äußere Gestalt mit Zutaten aus jedem Kostümverleih herzustellen ist: Mit spitzen Ohren, Tierhörnern und -hufen, schwarzem Fell und Teufelsschwanz. Die Teufelsgestalt ist eine Kreuzung aus allerlei Furchterregendem, Nicht-Menschlichem, und drückt wie das Hinken des Teufels aus, dass er nicht in Ordnung ist. Aber der Teufel ist keine Gestalt, die wir wie sein Kostüm nach jeder Versuchung wieder im Verleih abgeben könnten. Sondern der Widersacher Gottes ist und bleibt die Stimme in uns, die unseren maßlosen Wünschen verführerische Angebote macht.: Wäre es denn nicht toll, wenn Jesus Weltherrscher wäre und wir Christen davon profitieren könnten!? Wenn das Reich Gottes noch in unseren Jahren Wirklichkeit würde?!Wenn niemand mehr hungern müsste!? Und der Preis dafür? Nur einen Kniefall zu machen – der ist doch gering.!Und gilt nicht das Sprichwort: ‚Einmal ist kein Mal‘? Nein. Es gilt nícht! Es ist der auf den Punkt gebrachte Selbstbetrug, Denn ist die Tür einmal offen, geht der Diabolos ein und aus. Und verbirgt sich zum Beispiel hinter der teuflischen These, wonach der Zweck die Mittel heilige. Sind die Mittel teuflisch, weil sie Gott in Dienst nehmen, ist auch der beste Zweck verdorben. Die Wahrheit ist: Mácht hat Satan nicht aus sich selbst. Erst unsere selbstbetrügerischen Anschauungen geben ihm Macht über uns. Aber er verliert seine Macht, wenn wir Jesus folgen und Gott allein anbeten. „Ein Wörtlein kann ihn fällen!“ und das heißt: „Hinweg mit dir! Satan!

Wenn sich die Stimme in uns meldet, dié das Unmögliche möglich machen und Gott dafür in Dienst nehmen will, können wir uns wehren, indem wir uns auf das uns Menschen Mögliche beschränken und bereit sind, unser Tun vor Gott und unseren Mitgeschöpfen zu verantworten. Helfen kann uns dabei die Kraft, die aus Gottes Geist und Liebe kommt. Zu ihr haben wir Zugang durch unsere Gotteskindschaft, die uns mit Jesus verwandt gemacht hat. ,das Sigel darauf heißt: >Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch< (Joh 20,21) Auch wir sind Gottes Töchter und Söhne. Das ist der Hauptsatz des Evangeliums. Wenn wir darauf vertrauen, können wir alle Pläne aufgeben, für deren Verwirklichung wir Gott ständig in Dienst nehmen wollen. Statt Gott ständig wie in den Fürbitten zu drängen, Tue dies! und Mach oder Gib jenes! Oder: Lass dies und das werden! sollten wir all unsere Geistes- und Herzenskräfte einsetzen und mithelfen bei der Überwindung von Hungers- und Flüchtlingsnöten oder von sozialen Ungerechtigkeiten. und dem Schmerz der Einsamkeit. Aber wir können auch mitwirken dabei, anderen Menschen und Religionen ihre eigene Würde zu lassen, damit endlich Frieden auf der Erde werden und das Weihnachtsversprechen eingelöst werden kann. Dazu braucht es keinen Weltpräsidenten Jesus. Aber dazu hilft immer wieder die schlichte Frage: Was würde Jesus dazu sagen? bzw. jetzt tun? Um darauf antworten und den Versucher abwehren zu können, brauchen wir eine gute und präsente Kenntnis der Jesusüberlieferung. Denn in ihr begegnet uns der Mensch gewordene Gott, der unsere Schwachheiten und unser Scheitern mit Mitgefühl und Vergebung beantwortet. Und sein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit. In Ewigkeit.

Und wenn Ihr wollt, sagt dazu mit mir Amen.
 

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