Sie sind hier: Home Aktuell

 

22.03.2020 - Sonntag Lätare - Virtueller Gottesdienst "Paulus im Gefängnis"

Aktuell >>

Virtueller Gottesdienst mit Predigt von Pfarrer Johannes Habdank
über "Paulus im Gefängnis" in der Reihe "Gestalten der Passionsgeschichte"
am 22.03.2020, Sonntag Lätare, im leeren Katharina von Bora-Haus, Berg

[im Video (zum Miterleben im leeren Katharina von Bora-Haus) und Text (zum Lesen oder Runterladen)]

 

Begrüßung mit Spruch der Woche und trinitar. Formel:
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Mit dem Spruch für die neu beginnende Woche aus dem Johannes-evangelium, Kapitel 12, Vers 14, grüße ich Sie und euch alle zum virtuellen Gottesdienst aus dem Katharina von Bora-Haus am 4. Sonntag der Passionszeit - Lätare, „Freue dich“. In der Predigtreihe „Gestalten der Passionsgeschichte“ geht es heute um den Apostel Paulus.

Er gehört zwar nicht in die Passionsgeschichte Jesu selbst, hat aber bis zu seinem Martyrium auch mehrfach für seinen Glauben leiden müssen, so etwa, als er im Gefängnis war. Daher heute das Thema „Paulus im Gefängnis“ als Geschichte einer Passion, und wie der Apostel damit aus seinem Glauben heraus umgegangen ist.

Unser Gottesdienst geschehe im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Lasst uns beten:
Gott, aus großer Aufregung und Unruhe wollen wir zur Besinnung und Ruhe kommen, vor dir. Eben noch zerstreut, willst uns du nun sammeln.
Du kennst uns besser, als wir selbst uns kennen. Du weißt um alles, was wir dir, was wir einander und was wir uns selbst schuldig geblieben sind. Darum bitten wir um deinen Erbarmen.
Gott, dir gehören wir, du umgibst uns, unser Leben und Denken. Du bist da, ob wir es glauben oder nicht. Du hältst uns Vergesslichen die Treue und suchst unsere Nähe. Du hältst uns. Gib uns Worte und Gesten, die zu Herzen gehen – und Freude und Mut, dich zu bekennen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn und Bruder im Geiste.
Amen.

Lesung des Evangeliums: Johannes 12, 20-24
Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen's Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.


Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinab gestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. 
Amen.


Herr, gib trübe Augen …
Predigt über „Paulus im Gefängnis“
„Persönlich habe ich nichts gegen Paulus“, erklärt ein Mann aus Ephesus. „Nur jeder wird zugeben müssen, dass er manchmal schwer zu ertragen ist. Widerrede duldet er nicht, auf Warnungen wollte er noch nie hören. An jeder Vorsicht lässt er es fehlen. Kein Wunder, dass schließlich die römische Obrigkeit auf ihn aufmerksam wurde! Seine Verhaftung hat er zu großen Teilen sich selbst zuzuschreiben. Manche scharfe, missverständliche Formulierung hätte er sich sparen können. Aber Ausgewogenheit und Zurückhaltung waren ja noch nie seine  Sache. Ausbaden muss das jetzt die Gemeinde insgesamt.“ (nach K.-H. Bieritz)

Liebe Gemeinde, so könnte das Urteil eines Christen in Ephesus im Winter 54/55 gelautet haben – über Paulus, als der dort im Gefängnis einsitzt, einer besonderen Art von Ausgangssperre unterliegt, in der Regel mit Folter verbunden, aber nicht die totale Quarantäne. Komm ich gleich noch dazu. Ihm wird der Prozess gemacht. Was ihm konkret vorgeworfen wird, erfahren wir nicht. Jedenfalls steht sein Leben auf dem Spiel. Offenbar hat er bereits Gelegenheit gehabt, sich vor Gericht zu äußern und deutlich zu machen: Mir geht es um Christus, und sonst nichts. Meine Fesseln trage ich, weil ich Christus gepredigt habe, aus keinem anderen Grund.

Sein Auftreten muss beeindruckend gewesen sein. Im ganzen Prätorium (vermutlich römischer Verwaltungssitz, Gerichtsgebäude und Gefängnis in einem) ist die Rede von ihm. Die Christen in Ephesus, zunächst ein-geschüchtert durch seine Verhaftung, haben neuen Mut gefasst. Ohne Scheu verkünden sie nach dem Vorbild des Paulus das Evangelium.

Das Leben im Gefängnis ist kein Vergnügen: schlechte Verpflegung, es  mangelt an allem. Die Christen in Philippi, der ersten christlichen Gemeinde in Europa, die Paulus gegründet hat und die seine liebste Gemeinde ist, haben davon gehört und für ihn gesammelt. Der Dank dafür ist der Anlass für den Brief des Apostels an die Philipper. So erbärmlich das Leben im Gefängnis in Ephesus ist: Paulus befindet sich nicht in Isolationshaft. Er hat Kontakte nach draußen. Auch Timotheus, sein treuer Freund und Gefährte, scheint bei ihm ein- und auszugehen, wohl auch einige Christen aus Ephesus. Paulus lebt also im Gefängnis nicht für sich. Auch als Gefangener bleibt er eingebunden in ein dichtes soziales Netz.

Und so weiß er auch, dass es manchen gar nicht so unrecht ist in der Gemeinde, dass er im Gefängnis sitzt, denn nun sind sie ihn erstmal los, diesen Unbequemen, er steht ihrem eigenen Ehrgeiz erstmal nicht mehr im Weg. Das verstimmt Paulus etwas, er spricht von Neid, Streitsucht und Eigensucht – ansonsten reagiert er erstaunlich gelassen. Hören sie selbst  -  ich lese den heutigen Predigttext, Philipper 1, 12-26:

„Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder: Wie es um mich steht, das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten. Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu.
Einige zwar predigen Christus aus Neid und Streitsucht, einige aber auch in guter Absicht: diese aus Liebe, denn sie wissen, dass ich zur Verteidigung des Evangeliums hier liege; jene aber verkündigen Christus aus Eigennutz und nicht lauter, denn sie möchten mir Trübsal bereiten in meiner Gefangenschaft. Was tut's aber?
Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise, es geschehe zum Vorwand oder in Wahrheit, so freue ich mich darüber.
Aber ich werde mich auch weiterhin freuen; denn ich weiß, dass mir dies zum Heil ausgehen wird durch euer Gebet und durch den Beistand des Geistes Jesu Christi, wie ich sehnlich warte und hoffe, dass ich in keinem Stück zuschanden werde, sondern dass frei und offen, wie allezeit so auch jetzt, Christus verherrlicht werde an meinem Leibe, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn Christus ist mein Leben und Sterben ist mein Gewinn. Wenn ich aber weiterleben soll im Fleisch, so dient mir das dazu, mehr Frucht zu schaffen; und so weiß ich nicht, was ich wählen soll. Denn es setzt mir beides hart zu: Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre;  aber es ist nötiger, im Fleisch zu bleiben um euretwillen. Und in solcher Zuversicht weiß ich, dass ich bleiben und bei euch allen sein werde, euch zur Förderung und zur Freude im Glauben, damit euer Rühmen in Christus Jesus größer werde durch mich, wenn ich wieder zu euch komme.“


Liebe Gemeinde,
wie kommt Paulus zu dieser seelischen und geistigen Freiheit, inneren Überlegenheit und beeindruckenden Gelassenheit, die aus den Worten sprechen: „Was tut´s aber?“ Immerhin: Er sitzt im Gefängnis, es geht um Leben und Tod, aus der Gemeinde in Ephesus wird ihm z.T. übel mitgespielt, übel nachgeredet, und die Predigt des Evangeliums Jesu Christi wird von den Konkurrenten zu Selbstdarstellungs- und Durch-setzungszwecken egoistisch missbraucht. -
Was tut´s aber?

Drei Überlegungen dazu:

  1. Paulus kann so reagieren, weil es ihm offenkundig nicht um seine Person geht, sondern um die Sache. Die Sache ist die Verbreitung des Evangeliums von Jesus Christus. Und die Sache Jesus Christi ist größer als er selbst. Und auch größer als die anderen, die Jesus Christus um ihrer selbst willen zu predigen scheinen. Nur von daher kann Paulus die üblen Konkurrenten in Ephesus tolerieren („ertragen“):   "Was tut´s aber?"
    Und nur und gerade weil Paulus sich in diesem Sinne selbstlos für die Sache Jesu Christi eingesetzt hat auf nicht-jüdischem Gebiet, bestimmt und doch tolerant, gibt es die Sache Jesu Christi, gibt es Christen überhaupt in Europa, ausgehend damals von Israel und der heutigen Türkei. Wie der Altbundespräsident Wulff einmal gesagt hat: Das Christentum gehört zweifelsfrei zur Türkei. Heute in gewisser Weise leider nicht anders als zu des Apostels Zeiten, in Minderheitensituation und teilweise verfolgt. „Was tut´s aber?
     
  2. Paulus kann so reagieren, weil er aufgefangen wird von vielen seiner Gemeindeglieder, vor allem aus Philippi, und zwar materiell wie ideell: auch durch ihr Gebet sieht er sich gestützt. Philippi hat für Paulus eine Sonderstellung. Als Apostel wird er ja grundsätzlich von seinen Gemeinden finanziert und getragen. Paulus hat aber um seiner Unabhängigkeit willen auf diese Möglichkeit verzichtet und sich durch Gelegenheitsarbeiten als Tuch- und Zeltmacher seinen Lebensunterhalt verdient. Nur bei einer Gemeinde hat er eine Ausnahme gemacht, und bei der bleibt es auch, um keine Dauerkonkurrenzen zu eröffnen: Philippi. Zu den Philippern hat er besonderes Vertrauen und ein besonders herzliches Verhältnis, deswegen schreibt er jetzt in dieser Situation auch an sie und nicht an jemanden anderen. Und dieses Sichgetragenwissen durch ihm rückhaltlos Verbundene, nicht nur im Glauben, sondern in der Tat und im Gebet gibt ihm Sicherheit und Gelassenheit. „Was tut´s aber?
  3. Paulus kann so reagieren, weil er nicht um jeden Preis an seinem Leben hängt, und das verbindet ihn im Leben und im Sterben mit Jesus Christus. Wer nicht um jeden Preis am Leben, an seinem eigenen Leben hängt, dem kann man mit dem Tod auch nicht wirklich drohen. Der hat vor dem Tod auch nicht die Todesangst wie andere. Der steht selber auf wunderbare Art darüber. Und zwar ist es bei Paulus so - und in der Christentumsgeschichte mit ihren vielen Märtyrern, Glaubenszeugen, die ihr Leben ließen, ist es auch so: dass sie das tun konnten im geistigen Blick auf den Gekreuzigten und Auferstandenen. Das ist meines Erachtens das Entscheidende, liebe Gemeinde. Wobei Paulus sich einerseits darauf freut, ganz bei Christus zu sein, andererseits um seiner Christenmenschen und der Glaubensverbreitung willen doch noch lieber am Leben bleiben und wieder frei sein will. Er hat es in seiner Situation der Gefangenschaft nicht selbst in der Hand. Was tut´s aber?

    Eine großartige Haltung, die man sich eigentlich für sich selbst nur wünschen kann, wenn man selbst einmal in eine Lage zwischen Leben und Tod kommt. Dass Du da aus dem Glauben, aus dem Blick auf den Gekreuzigten und Auferstandenen den Geist der  Kraft und der Besonnenheit gewinnst, was auch kommen mag, innerlich frei, geborgen und gelassen zu sein, so dass auch du sagen kannst: Was tut´s aber?

Darum können wir unseren Herrgott nur bitten!
Amen.   


Fürbitten:
Ewiger Gott, am heutigen Sonntag Laetare „Freue dich“ beten wir für alle, die sich nicht mehr freuen können. Für alle, die nicht wissen, wem und wofür sie danken sollen.  Für die, die sich selbstquälerisch verachten; für die, die das Selbstmitleid lähmt.

Wir beten für die, die uns Grund zur Freude geben; für alle, die Worte finden, die uns zu Herzen gehen und erfinderisch sind mit Gesten der Freundlichkeit. Für alle, die uns davor bewahren, die Hoffnung aufzugeben.

Für alle, die es uns leichter machen, zu glauben.

Wir beten für die Gefolterten und Gequälten, Gedemütigten;
für die, die einem ungewissen Schicksal überlassen werden und die in dieser Stunde in einem dunklen Verließ dieser Welt eingesperrt sind;
für alle unschuldig Gefangenen und für die, denen Macht gegeben ist, Menschen zu beurteilen und zu verurteilen.

Wir bitten für alle, die verunsichert sind und nicht wissen, wie es jetzt weiter geht, mit der Arbeit, in der Familie, mit der Krankheit, ob jung oder alt. Schenke uns die Gabe, einander Mut zu machen und zu helfen, wie du uns Mut zum Leben geben mögest.
Höre unsere Bitten. Auch die unausgesprochenen. Und bete du in uns, wo wir selbst es nicht können.

Amen.

Vaterunser
Entlassung und Segen
Orgelnachspiel

Die Texte zum Gottesdienst mit Predigt können Sie hier auch als PDF herunterladen.


Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier