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22.8.2021 - Gottesdienst mit AM am 12. Sonntag nach Trinitatis

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"Wie im Himmel, so auf Erden" 

Gottesdienst mit Abendmahl

12. Sonntag nach Trinitatis, 22. August 2021, 10.00 Uhr,
im Katharina von Bora - Haus
Pfarrer Johannes Habdank

 

Predigt von Pfarrer Johannes Habdank
in der Starnberger-See-Predigtreihe „Wie im Himmel, so auf Erden“

Lesung aus dem Evangelium nach Markus: Jesus in Gethsemane
Und sie kamen zu einem Garten mit Namen Gethsemane. Und er sprach zu seinen Jüngern: Setzt euch hierher, bis ich gebetet habe. Und er nahm mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und fing an zu zittern und zu zagen und sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet! Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf die Erde und betete, dass, wenn es möglich wäre, die Stunde an ihm vorüberginge, und sprach: Abba, Vater, alles ist dir möglich; nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, was ich will, sondern was du willst! Und er kam und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Simon, schläfst du?

Vermochtest du nicht eine Stunde zu wachen? Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung fallt! Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach. Und er ging wieder hin und betete und sprach dieselben Worte und kam wieder und fand sie schlafend; denn ihre Augen waren voller Schlaf, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. Und er kam zum dritten Mal und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen? Es ist genug; die Stunde ist gekommen.

Predigt: „Um Himmels willen – Dein Wille geschehe?“

Liebe Gemeinde,
jüngst wurde in vielen Medien nicht ganz so viel wie über den Tod von Gerd Müller, aber deutlich mehr als zum inzwischen 10.Todestag von Loriot davon würdigend berichtet, dass Fritz Wepper, prominenzmäßig so eine Art männlicher Uschi Glas, 80. Geburtstag feiere, und ganz Fernseh- und Mediendeutschland gratulierte ihm.

Der gebürtige Münchener Schauspieler und Synchronsprecher, wurde erstmals international bekannt 1959 durch den Anti-Kriegsfilm „Die Brücke“. Seinen Durchbruch hatte er dann in der Rolle des Assistenten Harry in den Krimiserien Derrick und Der Kommissar. Weitere Bekanntheit erlangte er als Psychiater Dr. Wendelin Winter in der Krimireihe Mord in bester Gesellschaft und vor allem als Kaltenthaler Bürgermeister Wolfgang Wöller in der ARD-Serie Um Himmels Willen, weswegen die Serie auch gerne als „Um Himmels Wöller“ karikiert wurde. Die Serie wurde jetzt eingestellt nach 260 Episoden in 20 Staffeln. „Um Himmels Willen“ – da schrieb man bei diesem Serientitel jahrelang das Wort Willen peinlicher Weise groß, bis dann von ausgewiesenen Rechtsschreibexperten nach Konsultation des Dudens nachgewiesen wurde, dass in diesem Fall es sich um einen alten adverbialen Akkusativ handele, so dass bei „Um Himmels willen“ das „willen“ klein zu schreiben sei. Großes Bildungserlebnis für die Fernsehgemeinde …

Im Duden und anderen Lexika wie dem Thesaurus etwa finden sich auch Erklärungen zu Sinn und passender Verwendungssituation dieser umgangssprachlichen Redensart „Um Himmels willen“: Demnach gilt sie

1. als Ausruf des Erstaunens, des Erschreckens oder des Ärgers
2. als Ausdruck von Unverständnis, und bedeutet aber auch
3. soviel wie „unbedingt, in jedem Fall“; zur Verstärkung einer inständigen Bitte („mach das bitte um Himmels willen nicht!“)

Manche sagen statt „um Himmels willen“ auch „um Gottes willen“. Das ist inhaltlich dasselbe, weil der oder die „Himmel“ seit altbiblischen Zeiten eine Ersatzbezeichnung ist für „Gott“, dessen Namen (Jahwe) man nicht aussprechen durfte, weil er zu heilig war, daher auch andere altbiblische Ersatznamen für Gott wie „der Barmherzige“, „Herr“, „der Ewige“, und eben auch „Himmel“.
„Um Himmels willen!“ Im Dekalog, den 10 Geboten – zu finden im 2. Buch Mose Kapitel 20 bzw. im 5. Buch Mose Kapitel 5 - heißt es im 2. Gebot: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.“

Die Zehn Gebote gelten im Judentum als das Herzstück der Thora, gottgegeben am Berg Sinai, und sie gehören im Christentum bis heute zu den Hauptquellen der Ethik. Zum Beispiel versucht die neueste EKD-Denkschrift „Freiheit digital“ die 10 Gebote in Zeiten des digitalen Wandels neu zu formulieren bzw. als altbewährte Orientierungshilfe auch für den Umgang mit der Digitalisierung aktuell fruchtbar zu machen.

Wobei man sich schon fragen kann, warum ausgerechnet über 2500 Jahre alte Stammesregeln aus dem antiken Israel das heutige moderne, industrialisierte und globalisierte Leben in den Griff zu bekommen helfen können sollen. Nun, sie haben Klassikerstatus durch ihre jeweilige Aktualisierung über die Zeiten und ihre Vergrundsätzlichung: Ewiges, sogenanntes Naturrecht, wie man das rechtsphilosophisch nennt, weil allzeit gültig, dem Anspruch nach.

Zurück zum konkreten 2. Gebot: Ist so ein Ausruf wie „Um Himmels willen“ ein Missbrauch des Gottesnamens?
„Gott verdammt nochmal!“ oder „Himmel, A … und Wolkenbruch“, „Himmel nochmal!“ oder „Herrschaftzeiten!“ – das ist alles problematisch vor dem Hintergrund des alten biblischen Gebots – aber: „Um Himmels willen“? Ich denke nicht. Das hat eher etwas von einer Beschwörungsformel an sich, ja von einem Stoßgebet!

„Stoßgebet“ – das ist die deutsche Übersetzung Martin Luthers des lateinischen Ausdrucks precatio iaculatoria bzw. iaculatorium und meint ein kurzes, rasch hervorgestoßenes Gebet. Das Ganze geht auf Augustinus zurück, der einmal von Gebeten wie Pfeilen (iaculatas) sprach: Wem es, wie biblisch gefordert, nicht gelinge „ohne Unterlass zu beten“ (1. Thessalonicher 5, 17), der solle, so Augustinus, eben dann und wann und auch außerhalb der regelmäßigen mönchischen Gebetszeiten die Sehnsucht nach Gott wachhalten, so wie die altägyptischen Mönche, die während ihres dauernden Betens, damit sie nicht in der Aufmerksamkeit nachließen oder gar einschliefen, sehr kurze, eben „Stoßgebete“ wie Pfeile zum Himmel schickten. Also für heute frei interpretiert: Kein liturgisch-dogmatisch einlullendes Dauergelaber, sondern einfach wenige, wesentliche Worte in voller Hingabe! Im Bewusstsein, der dringenden Hoffnung, dass ein Höherer, als wir alle es sind, die Bitte erhören und helfen möge.

Das für uns Protestanten klassisch gewordene Stoßgebet ist das von Martin Luther bei seinem Blitzerlebnis: „Hilf, heilige Anna, ich will Mönch werden!“ Ein Stoßgebet musste aber noch nie und muss auch heute nichts mit Angst und Schrecken oder Tod verbunden sein, es kann auch andere, ja alle Dimensionen des Gebetes wachrufen (Anbetung, Dank, Bitte …) als Ausdruck der Hingabe und der Frömmigkeit, ganz spontan und persönlich, und individuell ganz unterschiedlich. Das ist sehr öffnend und allgemein menschlich gedacht, ob du in der Kirche bist oder nicht, auch ziemlich egal, welcher Religion oder vermeintlich gar keiner du angehörst oder dich zugehörig fühlst.

Von Philipp Melanchthon, dem anderen großen Reformator, wird berichtet, dass für ihn der Ruf charakteristisch gewesen sei: „Unser Herr Gott helf uns und sei uns gnädig!“ Und Johann Sebastian Bach unterschrieb seine Werke mit Soli Deo Gloria: „Allein Gott Ehre / Ruhm“, was auch als Stoßgebet betrachtet werden kann.

„Um Himmels willen – Dein Wille geschehe“, ich komme zum 2. Teil des Themas: „Dein Wille geschehe“.
Das sprechen wir Christen weltweit alle in jedem Gottesdienst mit dem Gebet, das uns von Jesus selbst biblisch bis heute überliefert ist, es steht in der Bergpredigt, klassischer Text für Christen:

„Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.“ Das beten wir nachher noch gemeinsam wieder.
„Dein Wille geschehe“, das ist zwar schon auch eine Gebets-Empfehlung Jesu für seine Jünger und alle seine anderen Anhänger uns Fans bis heute. Das Besondere an dieser jesuanischen Formulierung ist nicht, dass sie natürlich einen jüdisch-biblischen Hintergrund hat – so heißt es etwa in Psalm 40 und öfter, dass es Aufgabe des Frommen sei, den Willen Gottes mit Freuden zu tun. Was auch immer der Wille Gottes sei. Hiob hatte bekanntlich seine Probleme, und viele Heutige auch noch. Denn, was ist schon der Wille Gottes, mit dem man übereinstimmen oder in den man einwilligen soll?

„Dein Wille geschehe“ – das Besondere an diesen Worten ist, dass sie von Jesus selbst schmerzerprobt sind. Und man kann sie durchaus als das exemplarische menschlich-christliche Stoßgebet auffassen. Sein letzter „Pfeil“, Gebetsruf zum Himmel, am Ende doch wohl ein stumpfer Pfeil, weil er sich damit in sein Todesschicksal am Kreuz hinein beugt:

im Garten Gethsemane. Ein letzter wacher Ruf zu seinem Gottvater, während die Jünger, trotz seiner Bitte, wachsam zu sein, schlafen.
Da bittet er seinen himmlischen Vater in der Einsamkeit und Abgeschiedenheit von den Menschen und von der Welt, allein mit Gott:
„Mein Vater, ist´s möglich, so lass diesen Kelch an mir vorüber gehen. Doch nicht, was ich will, sondern was du willst.“
„Um Himmels willen – Dein Wille geschehe!“

So einen Satz kann man natürlich nicht allgemein sagen. Und er darf schon gar nicht zu kirchenpolitischen oder allgemein politischen Zwecken missbraucht werden, das wäre blanker Zynismus: weder zur ideellen und praktischen Rechtfertigung kirchlichen Machthandelns und Machtmissbrauchs, wie so oft in der Kirchengeschichte leider passiert, noch zur gegenwärtigen Verharmlosung oder religiösen Übertünchung und Verbrämung von Natur-, Klima-, Kriegs- oder Hungerkatastrophen, die alle menschen- und hausgemacht sind. Das ist nicht der Sinn von Jesu Bitte und des Vaterunser-Worts.

Der Sinn ist, dass Du selbst in deinen Nöten, auch in schlimmer Krankheits-, Strebe- und Todesnot einmal, wann und wie es kommen mag, und hinter allem, was dir geschieht – dass du da das Vertrauen ins Ungewisse hinein nicht verlierst, sondern dich auch da getragen fühlen kannst, aufgefangen in Gottes Hand als dem Grund und Hintergrund deines Lebens.

So gesehen, um zum Anfang meiner Predigt zurückzukehren, ist es im Fernsehen eine vergleichsweise läppische Soap-Inszenierung von „Um Gottes willen“. Denn es geht im Verhältnis zu Gottes Willen, soweit der uns überhaupt zugänglich und verstehbar ist, darum, sich in das uns Menschen Unverfügbare hinein zu finden. Und das müssen wir alle, irgendwie, irgendwo, irgendwann. Wir wissen es nicht.

Vielleicht mag es uns so gehen, wie es Thema eines berühmten Gedichts von Rainer Maria Rilke ist – und damit schließe ich:

Die Blätter fallen

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Amen.

Und der Herr sei mit eurem Geiste. Amen.

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