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26.05.2019 - Sonntag Rogate

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Predigt Sonntag Rogate von Pfarrer Johannes Habdank in Berg über Lukas 11, 5-13

Liebe Gemeinde,

es gibt ein Lied von der Kölner Rockgruppe „BAP“, der Titel heißt auf Hochdeutsch: „Wenn das Beten sich lohnen täte“:

„Wenn das Beten sich lohnen täte, was meinst du wohl, was ich dann beten täte. Für all das, was mich immer schon quält, für all das, was sich wohl niemals ändert. Klar – und auch für das, was mir gefällt. Ich beneide die, die glauben können, doch was soll das, ich jage doch kein Phantom.“

Beten ist sinnlos – das ist das nüchterne Fazit dieses Liedes. Beten nutzt nichts, Beten verändert nichts, Beten ist verlorene Zeit. Denn Gott ist  nur ein Phantom und eine menschliche Einbildung. Für die Sänger der  Kölner Rockgruppe scheint die Sache völlig klar.

Aber ganz so klar ist sie offensichtlich doch nicht, denn an jedem Sonn- und Feiertag versammeln sich Christen überall auf der Welt, um gemeinsam zu beten. Alles „arme Irre“? Auch aus den meisten anderen Religionen und Glaubensgemeinschaften ist das Gebet nicht wegzudenken.

Von der Kraft des Gebets war auch Jesus fest überzeugt. Wie die Evangelien berichten, hat er selbst oft und regelmäßig gebetet. Als seine Jünger ihn fragten, was und wie sie beten sollten, hat er sie das Vaterunser gelehrt. Und in manchen Geschichten und Gleichnissen machte er ihnen Mut zum Beten.

So auch im folgenden Abschnitt aus dem Lukasevangelium 11, 5-13:
Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann, und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben. Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Wo ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn, wenn der ihn um einen Fisch bittet, eine Schlange für den Fisch biete? Oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion dafür biete? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben geben könnt, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Für Jesus war es also überhaupt keine Frage, ob sich Beten lohnt. Und er hatte nicht den geringsten Zweifel, dass Beten erhört wird.

Die Gleichnisse, die er erzählt, weisen alle in dieselbe Richtung: Wenn es schon unter den Menschen so zugeht, dass Bitten nicht vergeblich ist, dann gilt das umso mehr für das Gebet zu Gott. Wenn sich sogar ein Mensch mitten in der Nacht aufrafft und dem Drängen seines Freundes nachkommt, dann wird umso mehr Gott auf unsere Bitten hören. Wenn schon ein irdischer Vater seinem Sohn auf dessen Bitten hin Gutes erweist, dann wird umso mehr der himmlische Vater seinen Kindern Gutes tun. Geradezu sentenzenhaft und in Form einer absoluten Gewissheit bringt es Jesus auf den Punkt: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.“

Das klingt sehr einfach, beinahe selbstverständlich. Aber die Frage drängt sich auf: Stimmt das mit unseren Erfahrungen überein?

Jeder von uns kennt wohl Beispiele von Menschen, deren Gebete nicht erhört worden sind. Ich spreche nicht von Stoßgebeten wie von denen um eine gute Note in der Schule oder bei einer anderen Prüfung oder um den Sieg bei einem Fußballspiel. Nein, ich denke an Menschen in tiefer Not, etwa in einer schweren Krankheit, deren Gebete um Hilfe und Heilung nicht erhört wurden. Denen wird man wohl kaum sagen können: Ihr habt wohl nicht richtig, nicht ernsthaft oder nicht eifrig genug gebetet? Das wäre blanker Zynismus.

Wenn ich Jesus recht verstehe, dann meint er auch nicht, dass wir im Gebet genau das bekommen, was wir erbeten haben. Das wäre ja so, als ob der Beter wie vor einem Gebetsautomaten stünde, eine Gebetsmünze hineinwerfen würde, den gewünschten Knopf drückte und anschließend genau das bekäme, was er sich wünschte.

„Bittet, so wird euch gegeben“, sagt Jesus. Er sagt nicht: „Bittet, so wird euch exakt das gegeben, was ihr wollt.“ Aber er sagt: „Bittet, und ihr werdet etwas von Gott empfangen.“

Das dürfte wohl schon eher verbreiteter Gebetserfahrung entsprechen. Jeder von uns hat schon erlebt und muss es immer wieder erleben, dass seine Gebete, seine im besten Sinne frommen Wünsche scheinbar oder offensichtlich nicht erhört worden sind. Zumindest nicht so erhört, wie ich das in diesem Moment gerne gehabt hätte. Was es aber auch gibt, ist, dass du erst im Nachhinein feststellst, dass es für mich gar nicht so „bekömmlich“ gewesen wäre, wenn ich tatsächlich das bekommen hätte, was ich erbeten hatte, denn, und das ist alte Weisheit: Der Mensch denkt, und Gott lenkt. Oder wie es in der Bibel heißt: Des Menschen Herz erdenkt sich seinen Weg, aber der Herr allein lenkt seinen Schritt (Sprüche Salomos 16,9). Gott hatte eben etwas anderes mit mir vor, als ich es wollte. Und irgendwann, im Rückblick, bin ich ihm dann vielleicht sogar dankbar, dass es so gekommen ist, wie es gekommen ist.

Ja, aber es gibt doch auch genügend Begebenheiten und Erfahrungen im Leben, dass die Rechnung am Ende gar nicht aufgeht. Es bleiben Fragen offen. Gottes Wege bleiben uns verborgen, der Sinn bleibt verschlossen. Und da spielt es gar keine Rolle, ob ich selbst betroffen bin oder andere Menschen. Manchmal können wir Gott einfach nicht verstehen und finden auch im Gebet keine befriedigende Antwort. Und das geht vielen so.

Sogar Jesus selbst blieb diese Erfahrung nicht erspart. Es war an seinem letzten Abend: Im Garten Gethsemane flehte er seinen Vater an, verschont zu werden, und musste dann doch den Weg ans Kreuz gehen.

Es bleiben Fragen. Es bleiben Situationen, die schwer und belastend sind, und die sich auch durch das Gebet nicht verändern.

Ist deshalb das Beten sinnlos? Vielleicht doch nicht! Wenn es schon die Situation nicht verändert, dann kann es vielleicht mich, meine Einstellung dazu verändern. Vielleicht kann es mir helfen, mich in das Schicksal, in den höheren Willen Gottes, wenn es denn sein Wille ist, zu fügen, auch dann, wenn ich nicht verstehe, nicht begreifen kann, was und warum das passiert.
 
„Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.“ Das ist gar nicht so einfach zu sagen, das will immer wieder neu geübt und gelernt werden. Aber wenn es gelingt, diese Bitte ehrlich zu beten, dann kann das einen belasteten Menschen von seiner Bedrückung befreien und entlasten. Dann hilft Gebet zum Weiterleben im Bewusstsein, dennoch von Gott begleitet zu sein, wenn auch nur verdeckt spürbar.

Liebe Gemeinde, ich komme zum Schluss:
Alle zwei Jahre finden in Deutschland Evangelische Kirchentage statt. Dieses Jahr in Dortmund vom 19.-23. Juni. Viele 100.000 Menschen werden wieder beten – für eine gerechtere Welt, für die Bewahrung der Schöpfung, für Frieden und Verständigung unter den Völkern usw. Das sind alles sehr große und hehre Ziele, die da benannt und beschworen werden, in vielen Einzelveranstaltungen und Diskussionen auch kontrovers besprochen werden. Dass der Kirchentag nicht zu einer - wie in der Regel – religiös verbrämten parteipolitisch einseitigen Politikpropaganda-Massenveranstaltung verkommt, dagegen sind die vielen Termine und inhaltlichen Einheiten gesetzt, in denen Besinnung und Gebet im Vordergrund stehen, falls diese nicht ebenfalls für politische Mobilisierungszwecke von den Veranstaltern missbraucht werden. Ich weiß, wovon ich rede, habe auf mehreren Kirchentagen meine Erfahrungen gemacht, dennoch gebe ich die Hoffnung immer noch nicht auf: Gebete, auch am Kirchentag:  Das ist nicht sinnlos. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes not-wendig, weil Not-wenden die Intention ist. Eigene Not, anderer Menschen Not hier und in der Welt. Not-wenden, mit Gottes Hilfe!

Vielleicht sollte in diesem Sinne auch die Rockgruppe „BAP“ nicht immer so einen frustrierten „Bapp“ singen und die, die mehr glauben können als sie, nicht immer nur beneiden müssen, sondern auch etwas vom guten Sinn des Betens spüren: Kritische Besinnung, das können sie vielleicht höchstens auch noch, aber: Dankbarkeit für das Leben, Bitte um vielleicht auch eigene Besserung, nicht nur der Welt, geschweige denn so etwas wie Lob Gottes, also eines Höheren, als wir alle, auch BAP es sind – da fehlt es meilenweit!

Bei uns auch? Wenigstens beten im Sinne einer kritischen Reflexion angesichts des absolut Größeren, Unendlichen, Göttlichen, und offen lassen können, ohne zu verzweifeln: offen lassen können der Fragen, die uns nicht beantwortet werden in diesem Leben - und das ertragen. Geht das? Für uns?

Von dem großen katholischen Theologen und Ökumeniker Karl Rahner ist das Wort überliefert:

„Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes ein Leben lang aushalten.“

Es ist im katholischen Gesangbuch, dem Gotteslob, eingetragen direkt nach dem Lied: „Großer Gott, wir loben dich.“ Amen.

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