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27.6.2021 - Präsenz und Online-Gottesdienst am 4. Sonntag nach Trinitatis

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 Präsenz und Online-Gottesdienst
4. Sonntag nach Trinitatis, 27. Juni 2021, 10.00 Uhr,
im Katharina von Bora - Haus
Pfarrer Christoph Flad aus Tutzing

 

Predigt am 4. So. nach Trinitatis, 27.06.2021, in Berg
1. Könige 19, 1-16

 

Und Ahab sagte Isebel alles, was Elia getan hatte und wie er alle Propheten Baals mit dem Schwert umgebracht hatte. Da sandte Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich nicht morgen um diese Zeit dir tue, wie du diesen getan hast. Da fürchtete sich Elia, machte sich auf und lief um sein Leben (…) Er aber ging hin in die Wüste eine Tagesreise weit und kam und setzte sich unter einen Ginster und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, HERR, meine Seele. Ich bin nicht besser als meine Väter. Und er legte sich hin und schlief unter dem Ginster. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des HERRN kam ein zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten ‚Weg vor dir. Und Elia stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise 40 Tage und 40 Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb. Und er kam dort in eine Höhle und blieb dort über Nacht. Und siehe, das Wort des HERRN kam zu ihm: Was machst du hier, Elia? (…) Und der HERR sprach: Geh heraus und tritt hin auf den Berg vor den HERRN! Und siehe, der HERR ging vorüber. Und ein großer, starker Wind der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach, kam vor dem HERRN her; aber der HERR war nicht im Winde. Nach dem Wind aber kam ein Erdbeben; aber der HERR war nicht im Erdbeben. Und nach dem Erdbeben kam ein Feuer; aber der HERR war nicht im Feuer. Und nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Sausen. Als das Elia hörte, verhüllte er sein Antlitz mit seinem Mantel und ging hinaus und trat in den Eingang der Höhle. (…) Und der HERR sprach zu ihm: Geh wieder deines Weges durch die Wüste nach Damaskus und geh hinein und salbe Hasael zum König über Aram und Jehu zum König über Israel und Elisa zum Propheten an deiner Statt.

Es geht dem Propheten Elia furchtbar schlecht. Er hat zwar einen Kampf gegen fremde Priester gewonnen, fürchtet nun aber um sein Leben und flüchtet in die Wüste. Dort setzt er sich unter einen Ginster und wünscht zu sterben. Zermürbt und erschöpft schläft er ein. Ein Prophet im Burn Out.

Elia ist an dem Punkt angelangt, wo ihm das Schwere allzu schwer ist. Nun seufzt er nur noch: Es ist genug. Lass mich gehen, lass mich sterben. Ich kann nicht mehr. – Wo haben wir das schon vernommen! Von Menschen, die im Krankenbett um den Lebensatem rangen. Oder von Menschen in einer persönlichen Bedrängnis, die sie schier nicht aushielten. Warum muss ich so viel kämpfen? Ich kann einfach nicht mehr!"

Wann haben wir auch selber derart geseufzt? Für solche steht diese Geschichte in der Bibel. Sie ist ein Wort für Verzagte.

Die Verzagtheit des Elia hatte einen besonderen Grund. Er hat kurz vorher auf dem Berg Karmel einen Gottessieg sehen dürfen. Dort hat Gott gezeigt, dass er lebt und regiert. Doch über Nacht dies: Da sandte Königin Isebel einen Boten zu Elia und ließ ihm sagen: Bist du Elia, so bin ich Isebel! Die Götter sollen mir dies und das tun, wenn ich dich nicht morgen um diese Zeit töte. Sie will ihn vernichten.

Und plötzlich ist das Volk wie umgewandelt. Gerade noch ist es vor Gott auf die Knie gefallen und hat ihn gepriesen: Der HERR ist Gott! Aber jetzt, nach den öffentlichen Drohungen, verstummen die Jubelrufe.

Elia ist allein übrig geblieben. Er bangt um seine Existenz. Keiner da, der ihm zur Seite springt, der ihm eine Schulter zum Anlehnen bietet. Keiner da, der öffentlich für ihn einsteht.

Viele, allzu viele erleben das: Es muss gar keine Königin sein, die ein Todesurteil ausspricht. Es kann auch der eigene Ehepartner sein, der nichts Schönes mehr an einem findet, der ständig den Streit sucht. Es kann ein Kollege oder ein Chef sein, der einem das Leben zur Hölle macht. Es kann eine Gruppe von Mitschülern sein, die es gezielt auf einen abgesehen haben, im Klassenzimmer, im Pausenhof; und nachmittags im Chat geht es weiter mit den Schmähungen.

Elia jedenfalls ist vollkommen enttäuscht – von den Menschen, auch von Gott. Er ist niedergeschmettert und verzweifelt. Er legt sich unter einen Strauch und sagt: Ich kann nicht mehr.

Da tritt ein Engel zu ihm, reicht ihm einen Krug mit Wasser und dazu geröstetes Brot. Elia stärkt sich, aber dann legt er sich hin und will weiterschlafen. Wir kennen das ja auch. Wir hören ein aufrichtendes Wort - und dann lassen wir uns wieder fallen. Wir werden gestärkt - und dann sind wir erneut mutlos. Aber wie gütig ist Gott! Gott sagt es noch einmal: Steh auf und iss! denn du hast einen weiten Weg vor dir. Gott sagt es nicht bloß, Gott stärkt ihn auch.

Doch was Gott jetzt nicht tut: Gott erfüllt dem Elia nicht seinen Wunsch. Gott entlässt den Elia nicht aus dem Dienst. Gott vertreibt nicht die Isebel und ihre Anfeindungen. Auch nicht die tödliche Gefahr des Corona-Virus. Gott erledigt nicht die Sache mit der Klimakrise. Gott beseitigt nicht die Möglichkeit, dass die Zerstörung siegen könnte. Gott beschützt uns auch nicht vor der Erfahrung, von Menschen verlassen und einsam dazustehen.

Aber: Gott entfernt sich auch selber nicht. Was Gott tut, ist nur dies, dass Gott da ist, einen Boten sendet und so seinen Diener aufrichtet. Gott ist da und bleibt da - inmitten der Anfechtung.

Es kann ein Gebet sein, in dem ich ähnliches erlebe. Oder ein Wort des Vertrauens zwischen Freunden, ein Wort des Anvertrauens. Es kann ein Anruf bei der Telefonseelsorge sein. Oder der Schritt, endlich einen Arzt aufzusuchen oder eine Beratung in Anspruch zu nehmen. Es kann ein Aufenthalt in einem Kloster sein. Oder eine Pilgerschaft, um wieder Sinn und Kraft zu schöpfen.

Steh auf und iss. Du hast noch einen weiten Weg vor dir. – Schließlich kommt Elia wieder zu Kräften. Er geht und kommt nach 40 Tagen an eine Höhle am Berg Horeb. Diese Höhle ist übrigens biblisch schon bekannt. Denn in dieser Höhle hatte sich auch Mose aufgehalten, als ihm Gott erschien.

Auch diesmal kommt es zu einer Begegnung mit Gott. Zunächst kommt ein großer, starker Wind auf, ein Orkan geradezu, der Berge zerreißt und Felsen zerbricht. Aber Gott ist nicht in diesem Wind. - Dann ein Erdbeben. Aber auch darin erscheint Gott nicht. - Schließlich ein Feuer. Doch auch in dem Feuer begegnet Gott dem Propheten nicht. Und dann heißt es in der Lutherübersetzung:

Nach dem Feuer kam ein stilles, sanftes Säuseln. Das hebräische Wort, das hier steht, bedeutet ganz wörtlich „Windstille“. Das Ende aller Luftbewegung. In dieser Einsamkeit der Wüste die totale Stille. Kein einziges Handy hat Empfang. Keine App schickt Botschaften. Kein Steinchen kullert herab. Kein dürrer Ast knarzt im Wind. Kein Tier rutscht durch den Sand. Die Welt hält den Atem an. Kein Flüstern mehr. Keine äußeren Stimmen, auch keine inneren. Und dann begegnet Gott dem Menschen.

Wie so oft in der Bibel zeigt sich Gott hier nicht im Außergewöhnlichen, nicht in Größe und Macht. Gott zeigt sich im Kleinen. Im Hauch der Luft, in der Stille.

In der ökumenischen Kommunität Taize habe ich manches Mal Stille erlebt. Wenn Hunderte, ja Tausende im Sommer in Taize die Andachten feiern; wenn die Gesänge begleitet werden von Lesungen aus der Bibel und von Gebeten in allen Sprachen. Und wenn dann inmitten einer jeden Andacht Tausende von Pilgern 3 Minuten in die Stille gehen...

…und wir eine Ahnung bekommen, eine Sehnsucht sich ausbreitet, dass Gott in uns Raum schafft. Dass wir nicht immer Worte oder Wörter machen müssen, dass wir nicht immer reden müssen, reagieren und aktiv sein müssen. Sondern dass Gott uns entgegenkommt, nahe kommt und in uns Raum schafft.

Beten heißt ja nicht nur, dass wir zu Gott sprechen. Beten bedeutet ja auch, dass Gott in uns spricht. Dass wir aufmerksam werden, dass wir hören, lauschen. Und so neue Kraft schöpfen, um unseren Auftrag zu erfüllen: Kraft, um dem Bösen zu widerstehen. Behutsame Worte, um Versöhnung zu stiften. Mut, um der Angst zu begegnen. Eine unerschütterliche Hoffnung auf einen Lebensstil, der die Klimakrise noch aufhalten kann. Liebe, für unseren Allernächsten, freilich auch für Fernere. Und eine unerschütterliche Leidenschaft für das Leben, das wir schützen und lieben und feiern.

In unserer Geschichte bei Elia sagt Gott dem Propheten inmitten der Stille: Kehre zurück ein deinen Alltag, in dein normales Leben. Beides gehört untrennbar zusammen. Die Stille, den Raum, den wir zulassen, um Gott zu hören, sich von Gott stärken zu lassen – genauso wie Weg zurück in den Alltag. - So segne uns Gott in dieser neuen Woche mit Gottesnähe in der stillen Zwiesprache und mit Kraft für unseren Alltag.

Amen.

 

Kirchenrat Christoph Flad
Tutzing
 

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