Sie sind hier: Home Aktuell

Aktuell

28.06.2020 - Virtuelle Gottesdienst - 3. Sonntag nach Trinitatis

Aktuell >>

 Virtueller Gottesdienst zu 3. Sonntag nach Trinitatis,
28. Juni 2020, 10 Uhr im Katharina von Bora-Haus, Berg
„Wandel vom alten zum neuen Gottesbild“

 

 

Predigt über „Das Gottesbild vom Alten zum Neuen“

Liebe Gemeinde,

das Verhältnis der beiden Teile unserer Bibel wurde seit der Reformationszeit vielfach als das von Gesetz und Evangelium beschrieben: AT Gesetz, Anspruch, Forderung Gottes an die Menschen – NT Evangelium, frohe Botschaft, Überwindung des Gesetzes, ja, so Paulus´ Variante, Befreiung von Gesetz, Sünde und Tod; entsprechend wird auch heute noch gerne pauschal gesagt: im AT herrsche ein Bild von Gott als dem richtend-strafenden, ja rächenden vor, der auch hartherzig verfolgt und im Zorn vernichtet. Im NT dagegen sei primär die Vorstellung von dem Gott der Liebe maßgebend, der Vergebung, der Güte und Barmherzigkeit und Gnade Gottes. Also ein drastischer Wandel des Gottesbildes vom alten zum neuen. Dann könnten wir Christen das AT auch gleich weglassen, weil inhaltlich im entscheidenden Punkt überholt, denn, wie der Johannesbrief schreibt. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm! Diese klischeehafte, pauschalisierende Wahrnehmung der beiden Teile unserer Bibel stimmt so nicht, da macht man es sich zu einfach. Das Neue fußt auf dem Alten, beruft sich, wenn auch oft sinnverwandelnd auf Glaubensansichten und -geschichten des Alten. Anders gesagt:
Das Christentum ist nicht als etwas völlig Neues steil vom Himmel gefallen, sondern stellt eine religionsgeschichtliche Fortentwicklung (also: Weiter- und Anders- und Wegentwicklung) der jüdischen Religion der damaligen und früheren Zeit mit ihren verzweigten Traditionen dar, es ist von Beginn an eine Mischung aus israelitisch-jüdischer und hellenistisch-philosophischer Geistesgeschichte und Religion, gerade auch in der Person Jesu von Nazareth. Durch beide Linien ist er geprägt. Und die biblischen Traditionen seiner hellenistisch-jüdischen Zeit, in der er gelebt hat und die ihn geprägt haben sind vor allem prophetische und weisheitliche.

Einiges im NT steht auch schon im AT, und zwar auch ganz Zentrales, wovon wir meinen, genau das sei doch gerade das wesentlich Christliche! Prominentestes Beispiel ist das Gebot der Nächstenliebe: Es steht schon im AT, 3. Mose 19,18 - dort aber in einem bestimmten Kontext - und unter hunderten anderer Gebote. Erst Jesus erhebt es zum Maßstab für alle anderen Gebote, macht es durch Rückbindung an das Gebot der Gottesliebe zur unbedingten Pflicht und weitet es dann aus auf alle Menschen, und weil ihm das noch nicht konsequent genug ist: Jesus radikalisiert das Gebot der Nächsten-liebe im Gebot der Feindesliebe – das ist seither der Kern des ihm nachfolgen-den Christentums, nicht immer in seinem Sinne verstanden, geschweige denn verwirklicht. Ist ja auch schwierig. Soweit dieses Beispiel, wie aus einer alten ethisch-religiösen Vorstellung eine neue wurde.

Es gibt, liebe Gemeinde, natürlich auch noch viele andere religionsgeschichtlich relevante Bibelstellen im AT, die inhaltlich gesehen Vorläufergestalten oder frühe Vorprägungen ntl.-christlicher Gedanken und Glaubensinhalte waren.

Und da zeigt sich jedesmal wieder: Ja, Religion war schon immer im Wandel, hat auch immer gesellschaftlichen Wandel zumindest mitinitiiert und begleitet, und sie ist auch heute noch im Wandel.

Ein schönes Beispiel für diesen Wandel ist das Predigtwort für heute aus dem AT, Prophet Micha.

Wer ist das? Jeder, der an Weihnachten in die Kirche geht, darf sich, kirchlich uminterpretiert als Weissagung auf Jesus Christus, Michas Prophezeiung eines neuen Herrschers aus Bethlehem, aus dem Geschlechte Davids, anhören, das da lautet: „Und du, Bethlehem Efrata, die du klein bist unter den Tausenden (den Städten) in Juda, aus dir soll mir der kommen, der in Israel Herr sei, dessen Ausgang von Anfang an und von Ewigkeit her gewesen ist“ usw…“ (das Weitere erst an Weihnachten wieder!).

Auch bekannt von Micha, der ca. 750-700 v.Chr. in der Nähe von Jerusalem auf dem Land gelebt hat, ist das Wort „Schwerter zu Pflugscharen“ in seiner Vision vom Friedensreich Gottes in einer nahe bevorstehenden Endzeit, die er damals kommen sieht! Eine positive Vision, die gerne als politische einer bestimmten Sorte von Friedenspolitik heute instrumentalisiert wird.

Nun, solche Heilsankündigungen sind bei Micha sonst eher in der Minderzahl. Denn er sieht Unheil bevorstehen, das dann tatsächlich auch eintritt Im Jahre 722 v.Chr.: Untergang des Israelitischen Nordreichs.

Micha ist also primär Unheilsprophet, und weil er zu seiner Lebenszeit recht hatte, wird er zur Deutung späterer Katastrophenszenarien immer wieder gerne bemüht und fortgeschrieben, weil man die eigene derzeitige Katastrophe verstehen will.

Wobei: dieser Micha ist kein Prophet, der mit einem Bußruf durch die Gegend läuft und die Menschen zur Umkehr drängt, wie später Johannes der Täufer, sondern gandenlos gesellschaftliche und religiöse Missstände und Skandale aufdeckt, und zwar dermaßen religiös und moralisch aufgeladen, dass heutige Enthüllungsjournalisten wirklich blasse Gestalten dagegen sind. Die Themen der Kritik scheinen sich freilich seither wenig geändert zu haben: Machtmissbrauch und Korruption durch die Führungs- und Oberschicht, Ausbeutung der Ärmeren und der Landbevölkerung samt deren Enteignung von Besitz und Haus, Frauenklau und Misshandlung. Aber auch Kultkritik an heuchlerischen Opferveranstaltungen, statt für Gerechtigkeit zu sorgen, Bestechung von Heilspropheten, damit sie den Leuten nach dem Mund und alle Missstände schönreden. Daher keine Frohbotschaft von Micha auf weite Strecken, sondern Drohbotschaft! Und zwar aus Glaubens- bzw. theologischen Gründen.

In alledem, was die Leute verbrechen würden, verletzten sie – und das ist der Unterschied zum Typ des heutigen, modernen, routinemäßig empörten Enthüllungsjournalisten – : Micha sagt: was die Leute da tun, ist im krassen Widerspruch zu den Geboten Gottes, dem göttlichen Willen.

Etwa mit der Ausbeutung und Enteignung der Landbevölkerung zum 10. Gebot:
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.

Viel schlimmer noch die Pervertierung des 1. Gebots, weil da geht´s an den Allerheiligsten:
Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

Durch Vielgötterei, z.B. im Baalskult im eigenen Land und Vermischung von Vielgötterei und Eingottglauben im Exil in Babylon.
Das war dann im 6. Jahrhundert vor Christus, nach der Eroberung des Südreiches durch die Babylonier und der Zerstörung Jerusalems und seines Kultzentrums als der heiligen Stätte der Gegenwart Gottes, also des Tempels, im Jahre 587. Erneute fast völlige Vernichtungserfahrung. Jahrzehnte später noch ist der Erklärungsbedarf der Ursachen dieser Katastrophe da und die Frage nach dem Sinn, warum diese Vernichtung erlebt werden musste.

Und da ergibt sich eine erstaunliche Entwicklung im Gottesbild und in der Deutung des Geschehenen, ich lese den Schluss des Micha-Buches, die letzten drei Verse:
„Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.“ (Micha 7,18-20)

Liebe Gemeinde,

hinter der erlebten Katastrophe der Menschen wittern die Priester und Theologen die Schuld des Volkes vor Gott. In der damaligen religiösen Logik wäre nun eine Strafaktion des zu Gericht sitzenden Gottes dran, damit wäre der Schuld auch Genüge geleistet. Nach alter Vorstellung ist die Schuld aber so groß, sozialer Machtmissbrauch und Gotteslästerung, dass Gott jenseits seines eigenen Gerechtigkeitsgefühls praktisch ausrastet, im Zorn der Vernichtung: Zerstörung des Tempels, Deportation usw. – so hat man diese militärischen Niederlagen, die ja auch immer religiöse oder ideologische waren in der Deutung, interpretiert.

Und jetzt ist das Erstaunliche: angesichts der übergroßen Schuld des Volkes, wird darauf gesetzt, dass Gott ein Gott ist, der seinen übermäßigen Vernichtungszorn, seine unüberbietbare Wut, dann doch selbst in den Griff bekommt, weil er eigentlich im Wesen Güte ist, Güte ist stärker als der die ausgerastete Reaktion, der Zorn, auch als alle regulären Gerichts- und Strafveranstaltungen, so dass Gott dann ganz anders aus seiner Güte heraus letztlich in diesem Fall auch gnädig sein kann. Und alle Schuld ist vergeben, in Meeres Tief versenkt, so wie unsere Sorgen, wie wir es eingangs besungen haben.

Liebe Gemeinde,

Micha setzt einerseits die Vorstellung von dem zornig-vernichtenden Gott, dem strafend-richtenden - was uns heute ja eher fremd sein dürfte - einerseits voraus und er benützt sie auch in seinem ganzen Buch, das übrigens sehr kurz ist.

Letztlich windet er sich dann aber zu einem neuen, das alte überwindenden Gottesbild durch: der nicht an seinem Zorn festhält, sondern die Sünde vergibt, der Gefallen hat an Gnade. Und deswegen ist diese Micha-Stelle von den Pfarrern heute wohl auch zu predigen: weil sie schon im AT Vorläufergedanken des Neuen aufzeigt, die inhaltlich vorausweisen auf Späteres, das uns Christen prägt. Vergebung und Gnade. Und, weil diese Bibelstelle uns zeigt: den Vergebungsgedanken haben nicht die Christen erfunden - bei Jesus und uns ist er „nur“ zentral geworden. Wie die Nächstenliebe.

Zwei kritische Fragen zum Schluss, die ich Ihnen und Euch allen stelle, zum Nach-Denken, zu Hause:

ie eine Frage ist: Ob man diesen alten Propheten Micha, seine Vorstellungen und seine ganze Gedankenwelt von Gottes Zorn, Strafgericht usw., aber auch Güte und Gnade auf heute einfach übertragen kann?

Ich denke nicht, deshalb habe ich es auch nicht getan, liebe Gemeinde! Oder soll etwa die Pandemie ein Strafgericht Gottes wegen Gottlosigkeit der Gesellschaft hier und in der ganzen Welt sein? Oder eine Zorn-Auswirkung eines ungebremsten und dann irgendwann hoffentlich doch noch gerade in Griff bekommenen Vernichtungswillens Gottes?

Die andere Frage ist: Wie reden wir im Gefolge der Bibel, vor allem des AT, von Gott? Als wäre Gott eine Art willkürlicher orientalischer Patriarch, Ordnungen vorgebend, aber gefährlich, unberechenbar, am Ende aber doch gnädig? Dass man sich überhaupt Gott nach Analogie eines Menschen vorstellt, der Emotionen hat und einen Willen, ist das überhaupt angemessen? Das haben etwa zeitgleich zu den alttestamentlichen Propheten die frühen Philosophen Griechenlands vor dem Hintergrund ihrer eigenen mythologischen Geschichte massiv kritisiert. Das seien ja alles erkennbar nur menschliche Konstrukte., Hochrechnungen menschlicher Psyche und menschliche Lebens auf ein höheres Wesen. Waren die griechischen Denker in derselben Zeitachse gedanklich klarer und weiter? Eine alte Frage, seit Jahrhunderten diskutiert wird, keine einfache! Zum Nachdenken.

Und der Herr sei mit eurem Geiste! Amen.

Fürbitten:

Barmherziger Vater,
dein Sohn ist in unsere Welt gekommen, um zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Wir kommen mit unseren Sorgen und Bitten zu dir:
Für die Menschen am Rand des Lebens, gesundheitlich, sozial, für die, die in Finsternis leben und im Schatten des Todes.
Wir bitten: Herr, erbarme dich.
Für die Menschen, die keine Beachtung erfahren, die sich wertlos fühlen und keinen Halt in ihrem Leben finden.
Wir bitten: Herr, erbarme dich.
Für die Menschen, die unter dem Corona-Virus leiden, diesseits und jenseits unserer Grenzen.
Wir bitten: Herr, erbarme dich.
Für die Menschen in den Kriegs- und Elendsgebieten dieser Welt.
Wir bitten: Herr, erbarme dich.
Barmherziger Vater, wir bitten dich, nimm unsere Gebete an.

Vater unser
 

 

Zurück

Ansprechpartner, die Ihnen weiterhelfen

Service  

Pfarrer

Pfarrer Johannes Habdank

Telefon: 08151 - 50 494 oder
Mobil: 0160 / 97 93 96 17
Fax: 08151 - 95 552
E-Mail: johannes(dot)habdank(at)elkb(dot)de
Sprechzeiten nach Vereinbarung
Service  

Sekretariat

Sekretärin Cornelia Jung

Telefon: 08151 - 97 31 76
Fax: 08151 - 97 31 77
E-Mail pfarramt(dot)berg-ev(at)elkb(dot)de
Bürozeiten: Mo. - Di. - Fr.
9.00 Uhr bis 12.00 Uhr
Service  

Kirchenvorstand

Vertrauensmann
des Kirchenvorstandes
Florian Gehlen

Telefon: 08151 - 95 742
E-Mail florian(dot)gehlen(at)web(dot)de

Evangelisch-Lutherische

Kirchengemeinde

Berg am Starnberger See

Fischackerweg 10

82335 Berg

Tel.: 08151-97 31 76

        
         Newsletter
        


         Dreh mich um...
 
Newsletter
zu aktuellen Veranstaltungen und Neuigkeiten in der Kirchengemeinde Berg versenden wir in unregelmäßigen Abständen einen Newsletter.

Hier können Sie sich

für
den Newsletter registrieren.
         Online Anfrage
         für Taufe oder
        Trauung




         Dreh mich um...

Online Anfrage für Taufe oder Trauung

Wünschen Sie eine Taufe oder kirchliche

Trauung in der Gemeinde Berg?

 

 

       
       Berger
       BlechBläser





         Dreh mich um...

Berger Blechbläser

unter der Leitung vom Prof. Dr. Frieder Harz

Freitags 19.00-20.30 Uhr 
 

        Seniorenkreis

 

 


         Klick und ich dreh mich um...

Seniorenkreis

unter der Leitung von Hanna Schenk

I.d.R. jeden 3. Dienstag des Monats 15.00 - 17.00 Uhr

  Kinderchor   Projektchor

 
                                            Klick und ich dreh mich um...

Kinderchor

ab 6 Jahren, unter der Leitung
von Angelika Gehlen

Jeweils Dienstag
16.30 - 17.30 Uhr
im Katharina von Bora-Haus
 

Projektchor

unter der Leitung von
Frieder Harz

Projekte nach Absprache
Bekanntgabe der Proben hier