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28.3.2021 - Präsenz und Online-Gottesdienst am Palmsonntag

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Gottesdienst Präsenz und Online
am Sonntag Palmarum
 28. März 2021, 10.00 Uhr
aus dem Katharina von Bora - Haus.
Lektor Peter Schickel

 

 

Lesung des Evangeliums
Evangelium, Joh 12,12-19.

Der Einzug in Jerusalem

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde,
13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!
14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9):
15 "Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen."
16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.
17 Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat.
18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.
19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

 


Predigt

Predigt über HEBR 11,1-2,12,1-3

I

„Ieh-Aaaah“

(Setzt Eselskopf wieder ab)

Liebe Gemeinde,

Sie haben es sicher schon bemerkt: Heute geht es um eine echte „Eselei“ – inszeniert wie eine Komödie, sozusagen eine göttliche Komödie.

Jesus zieht auf einem Esel in Jerusalem ein. Stellen Sie sich mal vor, die Hollywood-Stars würden bei der Oscar Verleihung auf dem roten Teppich mit einem Esel hereinreiten. „Das, geht ja gar nicht!“, sagen Sie?

Ich sehe da vor meinem inneren Auge eher ein spontanes, fröhliches Fest am Straßenrand. „Hoschana – Hilf doch!“, rufen die Leute Jesus zu, den Ruf des Lebens und machen eine der ersten ungeplanten Massenaufläufe der Geschichte daraus – fast wie bei einer unangemeldeten Zusammenrottung. Die Staatsmacht der Römer auf der einen Seite, genauso wie die orthodoxen Pharisäer auf der anderen Seite, reiben sich derweil ungläubig mit den Fäusten die Augen. So hatten sie sich das nicht vorgestellt. Von diesem dahergelaufenen Wanderprediger soll eine Gefahr für Rom ausgehen? Der soll der neue König David sein? So ein Inbegriff der Freundlichkeit und Friedlichkeit, der Schutzlosigkeit und Naivität, der Nachsicht und Gnade. Sie raunen sich zu: „Aber ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet. Alle Welt läuft ihm nach!“

Und wirklich, auf einmal quellen von allen Seiten neugierige Zuschauer hervor und bilden einen zähflüssigen Brei um das Tor. Dichtgedrängt stehen dort Menschen aus aller Herren Länder Spalier an dem staubigen Weg und lassen nur einen engen Durchgang frei. Eine bunte Truppe von Schaulustigen schwenkt die Arme wie im Stadion. Einige legen sogar Ihre Mäntel dem „erlauchten Reittier“ des vornehmen Königs vor die Hufe. Andere brechen Zweige von den Bäumen ab und werfen sie vor den Triumphzug mit dem kleinen Gefolge. Das machen sie, damit das ungewöhnliche Ensemble von Esel und König nicht den Boden berühren muss. Eine unterwürfige Geste. Der Boden soll von dem hohen Herrn unberührt bleiben. Kein spitzer Stein stoße je an seinen Fuß. Es wird gelacht und gescherzt, denn was es da vor dem Eingang der festen, uneinnehmbaren Burg und Wohnstatt Gottes zu bestaunen gibt, ist wirklich einzigartig.

Nicht auf einem Kriegsross reitet der Messias, sondern im Gegenteil auf einem jungen Eselshengst, einem friedlichen Lasttier, dem Füllen der Eselin, das weder für eine Erstürmung einer Festung noch für einen schnellen Angriff taugt und dem damit jeder kriegerische Zug fehlt. Genauso wie es zuvor bei Sacharja im 9. Kapitel verheißen wird

9 Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin.

Jesus, der Christus, der lang ersehnte Messias stellt alle Erwartungen auf den Kopf.


Er, der neue König der Welt zieht zusammen mit dem Esel ins himmlische Jerusalem ein.

Das Besondere für mich daran ist das „zusammen mit“! Die Verbindung mit Jesus! Also, zusammen mit Jesus darf auch sogar der Esel mit hinein!

II

Angefangen hat die erstaunliche Geschichte vom Heil des Menschen bereits in der Weißheitsliteratur der hebräischen Bibel in längst vergangenen Tagen. Im Buch Prediger 3,11 heißt es von Gott:

11 Er hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt; nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.


Der Mensch hat also ein Gespür für die Ewigkeit – Gott selbst hat es ihm in sein Herz gelegt. Aber oft kann er nichts damit anfangen. Vielleicht ist er darin manchmal wie ein rechter Esel.

Der Esel hatte im alten Israel sowieso einige Privilegien (https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/17820/ ). Ein Esel musste bei Gott fast wie ein erstgeborener Sohn eines Menschen durch die Gabe eines Schafes ausgelöst werden und die Sabbatruhe galt auch für ihn, den Esel. Man durfte einen Esel nicht mal verspeisen – also keine Eselsweißwurst (!) und wenn er unter der Last zusammenbrach, musste man ihm helfen, selbst wenn es der Esel eines Feindes war.

Der Esel kennt die Krippe seines Herrn und ist der Inbegriff für Treue und Zutraulichkeit. Ich denke da an das apokryphe Bild von Ochs und Esel in der Krippe in Bethlehem. Unzählig oft gemalt.

Ein Esel kennt seinen Herrn. Diese besondere Verbindung zwischen Esel und Mensch bestand auch schon für Bileam im 4. Buch Mose, der seine Eselin drei mal schlagen muss, bis er endlich erkennt, dass er selbst und nicht seine Eselin auf dem falschen Weg ist – weg von Gott ins sichere Verderben. (4. Mose 22, 34). Er selbst ist es, der störrisch ist. Die Eselin dagegen zeigt sich als die Weise par excellence. Denn sie sieht – wenn es um Gott geht – mehr als der vermeintlich kluge und begabte, aber am Ende doch falsche Prophet.

Ich denke so ein weitsichtiger Esel ist ein schönes Bild für einen gläubigen Menschen – einen Zeugen des Glaubens gegen alle Widerstände. Er zweifelt nicht an dem, was er nicht sieht. Er hofft.


In diesem Sinne stellt auch das heutige Bibelwort aus dem Hebräerbrief den Glauben in den denkbar größten Zusammenhang der Schrift.

Ich lese im 11. Kapitel:


1 Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. 2 In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.


Wer sind für Sie diese „Alten“ - die Zeugen des Glaubens? Rahab, Daniel, Josef vielleicht. Mir fällt Noah ein. Recht viel älter geht’s ja kaum. Ja, Noah, baut einfach auf der grünen Wiese einen Seenotrettungskreuzer – eine wahre Eselei für seine Umgebung damals, aber nur so lange bis es regnete.

Im Hebräerbrief werden Abraham und Sarah, Isaak und Jakob besonders erwähnt. Abraham verlässt auf ein Wort Gottes seine Heimat, obwohl er schon sehr betagt ist.

Und Jakob, er gibt den Segen über seine Söhne am Ende seines Lebens und spricht darin vom Held, der kommen wird (1. Mose 49,10-12). Für mich ist das eine der wichtigsten Prophezeiungen überhaupt.

Ich lese:
10 Es wird das Zepter von Juda nicht weichen noch der Stab des Herrschers von seinen Füßen, bis dass der komme, dem es gehört, und ihm werden die Völker anhangen. 11 Er wird seinen Esel an den Weinstock binden und seiner Eselin Füllen an die edle Rebe. Er wird sein Kleid in Wein waschen und seinen Mantel in Traubenblut. 12 Seine Augen sind dunkler als Wein und seine Zähne weißer als Milch.

Für Christen hört sich die Stelle des Helden aus dem alten Testament vertraut an. Man kann sie auf das Kommen Jesu beziehen und gleichsam auf das Heilshandeln des Gottesknechts aus Jesaia. Der Weinstock ist dabei ein häufiges Bild für das Volk Israel und die Trauben in weiteren Sinn für die Zeugen des Glaubens - also eigentlich für alle Menschen. Wenn Jesus seinen Esel an den Menschen bindet, dann wird der Mensch auch mit in die Bewegung Jesu hinein genommen. Dahin wo Jesus geht, muss also auch der Mensch gehen. Das Bild sagt in den weiteren Versen aus: Der verbundene Mensch darf mit Jesus ins himmlische Jerusalem einziehen. Dort wird es Überfluss geben und Schönheit.


Unsere Erinnerung an die Zeugen des Glaubens beginnt also am Anfang der Zeit, aber ich denke man kann auch für uns Christen heutzutage weitere Zeugen mithinzunehmen und die Liste weiterschreiben.

Markus, Matthäus, Lukas und Johannes, Petrus und Paulus natürlich.
Auch zum Beispiel Johannes Tauler, Hildegard von Bingen, Katharina von Bora und Martin Luther.

Einige sind auch gar nicht so alt geworden. (Aussprache!) Martin Luther King zum Beispiel oder Dietrich Bonhoeffer und viele, viele andere mehr.

Ich lese weiter:

12,1 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, 2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes. 3 Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

III

 

Wir sind also umgeben von einer „Wolke von Zeugen“, die uns Mut machen, die uns anfeuern auf unserem eigenen Weg des Lebens. Wie damals die Menschenmenge die jubelte beim Weg Jesu hinein ins himmlische Jerusalem zurück zu Gott. Sie waren auch Zeugen.

Aber die Blickrichtung ist entscheidend – die Perspektive. Viele der Menschen entlang der Straße nach Jerusalem damals sahen einen neuen David - einen starken König, der die Römer aus dem Land treiben würde.

Der Auftrag Jesu war dagegen viel größer. Er war allumfassend. Sein Auftrag war die ganze Welt zu erlösen.

Der Einzige, der das sehen konnte, war der Esel. Er hatte die richtige Perspektive.

Die Lehre aus dieser göttlichen Eselei zu ziehen damals, bleibt durch die Jahrhunderte auch für uns heutzutage wichtig. Nicht die sichtbaren Dinge bestimmen unsere Meinung von der Welt. Sondern unsere Meinung über die Dinge bestimmt uns. Die Perspektive ist wichtig. Die Perspektive sind wir. Das ist gut so. Denn dadurch gibt es für die Menschheit Hoffnung auf Veränderung. Wir können unsere Perspektive ändern.

Dazu braucht es allerdings die Eigenschaften eines Esels. Eine gehörige Portion Naivität, um der Verbundenheit mit Jesus zu vertrauen. Eine große Menge Nachsicht, um die eigenen Unzulänglichkeiten vergeben zu können. Und viel Neugier, um das Leben im hier und Jetzt anzupacken und dafür dankbar zu sein. Im Hier und Jetzt in dem das Reich Gottes schon angebrochen ist. All das hat uns Gott bereits durch seinen Sohn Jesus Christus geschenkt.

Die Blickrichtung ist entscheidend. Denn wenn Sie glauben, dass Jesus, der Friedefürst, den Schritt seines Esels an den menschlichen Weinstock gebunden hat – also, wenn Sie spüren, dass Jesus mit Ihnen verbunden ist, dann ist auch die Umkehrung richtig! Dann kann Jesus auch durch Sie für andere in die Welt kommen. Sein Frieden reitet auf solchen Eseln wie wir es sind – den Zeugen des Glaubens.

Die Perspektive sind wir. Wir Esel. Der Friede Gottes in seinem Reich kommt dann auch durch uns. Wir sind die Zeugen des Glaubens. Solche Esel wie Sie und ich.


(Schluss: Setzt Eselskopf wieder auf)

„Ieh-Aaaah“

Amen.

 

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