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29.09.2019 - 15. Sonntag nach Trinitatis

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Predigt beim Gottesdienst mit Konfirmandeneinführung
am 29.9.2019, 10 Uhr, Katharina von Bora-Haus, Berg


Thema: „Rundum-sorglos-Paket“

Spruch des Tages und der neuen Woche:

Alle Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1. Petrus 5, 7)

Evangelium: Matthäus 6, 25-34
Darum sage ich euch: Sorgt euch nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel kostbarer als sie?

Wer ist aber unter euch, der seiner Länge eine Elle zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: Sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.

Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: Sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen? Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Predigt:
„Rundum-sorglos-Paket“ – haben Sie sowas schon mal angeboten bekommen, liebe Gemeinde? Das „Rundum-sorglos-Paket“ gibt es meiner Erinnerung nach seit etwa 10-15 Jahren in der Werbung. Eigentlich schon seit Zeiten meiner Kindheit, Anfang der 1970er Jahre, als eine Versicherung - meine Brüder meinen, es war die Colonia damals und nicht der Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer - die gesagt hat: „Sind Sie sicher, dass Sie sicher sind? Sicherlich nicht! Sichern Sie sich eine Sicherung bei der Versicherung. Sicher ist sicher! Sicherlich!“

Heute wird vergleichsweise kurz geworben mit dem „Rundum-Sorglos-Paket“. Nicht nur von Reiseveranstaltern und –versicherern, nein, sicherlich nicht, sondern sicher auch von  Unternehmen der Telekommunikationsbranche, die, wie wir jetzt in Gemeinde- und Pfarrhaus erleben durften, wochenlang, selbst eher sorglos mit technischen Totalausfällen umgehen. „Rundum-sorglos-Pakete von EDV-Anbietern für Arbeitsplatzverwaltungsprogramme, von Hausgeräte-Anbietern für Waschmaschinen und Kühlschränke. Auch für Pellet-Heizungen gibt es „Rundum-sorglos-Pakete“, dann auch von Anbietern im Internet für Schüler-Nachhilfe: das trifft genau die Not der Eltern, oft beide berufstätig. Und einen sagenhaften Boom in den letzten Jahren haben „Rundum-sorglos-Pakete“ in der Baby- und Junge-Familien-Betreuungsbranche: da geht es mit Versorgungspaketen schon pränatal los, dann mit Geburtsvorbereitung und Hebammendienstangeboten bis zur Begleitung und Beratung nach der Geburt usw., von der Wiege bis zur - Windel.

Liebe Gemeinde!
Wenn man ein christlicher oder auch allgemein einigermaßen religiös affiner Mensch ist, und dann so etwas hört wie „Rundum-sorglos-Paket“, dann leuchten - zumindest bei mir - alle Lampen auf, die mir sagen: das ist religiöser Jargon, werbewirtschaftlicher Ge- oder Missbrauch traditioneller religiöser Sprache. Wobei ich meine, dass die, die das machen, darum gar nicht wissen, oder? Wissen wahrscheinlich nicht, was sie tun. Oder sie sind gebildete, raffinierte Profis, dass sie die jahrtausendelange Lebensdeutungs- und Symbolsprache der Religion für ihre Zwecke verwenden. Ja, das tun sie. Es wird ursprünglich religiöse in Wirtschafts- und Werbesprache übernommen. Immerhin wird auf der Homepage eines solchen Unternehmens ganz offen kommuniziert, was so ein „Rundum-sorglos-Paket“ bezwecken soll: die nachhaltige Verankerung und Vertiefung der Beziehung des Kunden zum Unternehmen – ja, mach´s wie Gott! Und dass es ein solches Paket oft auch als Gratis-Zugabe, also nicht alles sola gratia, sondern Zugabe gratis, zu einem normalen Produktkauf gibt, lässt vermuten, dass – bewusst oder unbewusst – hier immer noch präsent ist, dass „Rundum-sorglos-Lösungen“ letztlich ihr geistig-ideelles Vorbild in biblisch-christlicher Tradition haben. Denn das frühe Christentum ist im Namen Jesu Christi mit genau diesem Anspruch aufgetreten: Alle Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch, wie unser Wochenspruch aus dem 1. Petrusbrief lautet. Was sorgst du dich also um dein Leben, Gott sorgt zuallererst und die ganze Lebenszeit und zuallerletzt für dich! Jesus in der Bergpredigt - die Evangeliumslesung haben wir vorhin gehört - und Paulus bestätigen das für heute.

Einige Verse aus dem Brief des Apostels an die Galater, einem ganz dringenden Werbebrief in Gestalt einer Ermahnung, Mahnung zur Besinnung auf das Wesentliche im christliche Glauben, folgende Worte aus Galater 6:

„Lebt im Geist …Die Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Reinheit; wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. Lasst uns nicht nach eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden. Liebe Brüder, wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid; und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. Ein jeder aber prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern. Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen.“

Liebe Gemeinde, das sind Worte des Apostels, die menschlich und christlich an die Substanz gehen. Das sollen sie auch, denn der Apostel hat mit den Galatern eine Gemeinde vor sich, die zerstritten ist und  seiner Ansicht nach nicht mehr vom Geist der Freiheit und der Nächsten-liebe, der Freundlichkeit und Güte getragen wird, sondern vom Geist der Kleinkariertheit, der peniblen Gesetzlichkeit, der Rechthaberei und der Angeberei, des Neides und des regellos-unfairen Konkurrenzkampfes beherrscht wird. Wenn jemand einen Fehler macht, wird auf ihm herum-gehackt und er wird öffentlich gebrandmarkt. Jeder sieht nur zu, wie er selber gut weg kommt, um besser als die anderen dazustehen. Das kennen wir von heute in unserer Gesellschaft und Welt nur zu gut! So war´s damals wohl in der ach so christlichen Gemeinde der Galater.

Dagegen setzt der Apostel die Frucht des Geistes, wie er es bildhaft nennt: wie wir „im Sinne Jesu“ selber sein sollen als Christen, wenn wir uns schon so nennen. Frucht des Geistes, Frucht ist ja etwas, was heranwachsen und reifen muss, das soll uns dieses Bild auch sagen.

Was soll wachsen? Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Reinheit. Wenn wir im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln, heißt es.

Ja, Friede, Freude … – und ich weiß jetzt nicht, wie vielen von Ihnen dazu gerade spontan einfällt: „Friede, Freude, Eierkuchen!“, also unechte, vordergründige bis verlogene Harmonie, liebe Gemeinde:

das genau meint der Apostel nicht. Sondern gerade das Gegenteil. Es geht ihm auch nicht um Harmonie des Einzelnen mit sich selbst, so ist der Mensch nicht disponiert, sondern um kritische Ehrlichkeit gegenüber sich selbst. Paulus steht für das christliche Programm der persönlichen kritischen Selbstüberprüfung vor Gott, dem jeder selbst und unvertretbar ganz alleine Rechenschaft abgeben muss über sein Leben – von einer Institution Kirche, die sich irgendwie dazwischen schaltet als Heilsbeschaffungs-, -verwaltungs- und Rettungsagentur für alle, so eine Art „Himmels-Schlepperorganisation“, davon ist bei Paulus nicht die Rede – nein! Da hat jeder seine eigene Last zu tragen, wie es heißt, und zwar vor Gott, und zum Glück für den Menschen: Gott ist wesentlich ein erbarmender und vergebender, seit Jesus, wenn überhaupt, dann schleppt und zieht er uns in den Himmel, in den Glauben, zu sich, gratis, aber wirklich rundum gratis und sola gratia, nicht als Zugabeleistung.

Der Apostel sagt aber auch etwas zur Frage, wie wir miteinander umgehen sollen: Einer trage des anderen Last!

Liebe Gemeinde, das ist das klassische Zitat für Caritas und Diakonie, für kirchlich-soziale Unternehmen und Hilfswerke aller Art, um biblisch zu begründen, was man tut auf den Feldern der Arbeit für alte, für kranke, für behinderte oder auch für junge Menschen, in der Arbeit mit Asylbewerbern, Obdachlosen oder etwa Katastrophenopfern in aller Welt. Und diese ganzen hilfreichen Werke sind mit ihren zum Teil auch lebensgefährlichen, aufopferungsvollen Einsätzen ja sehr hoch wertzuschätzen und auch zu unterstützen.
 
Paulus selbst ging es aber ursprünglich um etwas Grundsätzlicheres. Nämlich um jeden mitmenschlichen Umgang, ob in der Gemeinde, zu Hause, im Freundeskreis, in der Familie, in der Ehe, wo auch immer:

Einer trage des anderen Last – das bedeutet damals wie heute, dass wir die individuellen Schäden und Schwächen des anderen, sein Fehlverhalten, seine Schäbigkeiten, seine Macken und Marotten, seine Neurosen, Launen, all seine negativen Auffälligkeiten wahrnehmen und an ihrer Last mittragen. Um mit dem anderen als Mensch, so wie er ist, zurecht zu kommen und sich entsprechend zu kümmern, darum geht´s. „Nehmen sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt´s nicht“, hat Konrad Adenauer einmal gesagt. Das gilt auch für uns. Nicht den anderen dauernd verbessern wollen, sondern akzeptieren und verstehen wollen. Um mitzutragen. Dieses Mittragen, das ist keine einseitige Geschichte, sondern etwas Wechselseitiges: einander mittragen! Das heißt, man kann sich auch von diesem oder jenem anderen selbst mittragen lassen, im gegenseitigen Vertrauen, dass keiner die Schwächen des anderen ausnützt, hintenherum redet oder sich über ihn erhebt.

Nun heißt es beim Apostel nicht nur: Einer trage des anderen Last, sondern auch – und das ist das, wofür er wirbt: so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. Das Gesetz Christi ist für Paulus – und das hat er von Jesus - in Überbietung aller herkömmlichen Gesetze und Normen die Richtlinie schlechthin, die für alle anderen Maßstäbe der Obermaßstab ist: das Gebot Jesu selbst einer sich den anderen hingebenden und ggf. auch für sie aufopfernden Nächstenliebe, Kurzformel: das Dasein für andere. Wie Jesus für alle da war, gerade auch für die Verlorenen, für die Verachteten, die Schwachen, die Ausgegrenzten, so sollen sich Christen entsprechend verhalten: Jesus gemäß. Er ist Urbild und Vorbild für uns Christen. Und er wirkt immer in uns, wenn wir in seinem Geiste leben und in seinem Sinne handeln, ob es uns bewusst ist oder nicht. Dann verwirklichen wir das Christusprinzip: Dasein für andere, heute. Nicht um selber vor anderen groß dazustehen, sondern um Jesu Sache zu dienen, aus Überzeugung, im Vertrauen, von seinem Geist getragen zu sein und in seinem Sinne sach- und menschendienlich zu wirken. Ohne großes Bohai und Trara - eine gewisse Unauffälligkeit ist gefragt, wenn ich den Apostel recht verstehe. Ein nicht ganz leichtes Unterfangen in einer Welt heute, wo es ohne Angeberei und Werbung kaum mehr geht, und auch in kirchlichen Kreisen als Standardeinsicht verkauft wird: Tue Gutes und rede darüber. Das ist problematisch angesichts der Worte des Apostels.

Ich komme zum Schluss, liebe Gemeinde!
Lastenträger für andere zu sein, das kann gelingen, wenn wir uns darauf besinnen, dass letztlich nicht wir selbst es sind, die für unser aller Leben sorgen, sondern Gott. Alle Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. Aus diesem Vertrauen auf jenen Höheren, als wir alle es sind, aus diesem Glauben an den rundum sorgenden Gott können wir, selbst frei von der letzten Sorge um unser Leben von Anfang bis Ende und darüber hinaus gelöst, von aller Fremd- und Selbstbelastung erlöst und unverkrampft unser Augenmerk legen auf die anderen um uns herum und, wo immer wir jemandem begegnen, der unsere Hilfe braucht und auch will: Lasten wahrnehmen und mittragen. Das allerdings ist dann das einzige mir bekannte „Rundum-sorglos-Paket“, das keine Mogelpackung ist, sondern hält, was es verspricht:

Der Glaube an Gott als den tragenden Grund und Hintergrund unseres Lebens, der uns die Last anderer mitzutragen hilft und auch uns trägt, in guten und in schlechten Zeiten.

Amen.

Herr, erhalte uns deine Gnade. Amen.

 

Fotos von der Konfirmandeneinführung in der Bildergalerie.

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