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30.08.2020 - Gottesdienst am 12. Sonntag nach Trinitatis

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Starnberg Mt 17,1-9: Die Verklärung Jesu (Sommerpredigt) 30.8.2020

Liebe Gemeinde,
Seen und Berge sind die Attraktion unserer Region. Kein Wunder, dass nach dem Motto „Seen und Meer in der Heiligen Schrift“ in diesem Jahr die Berge bei den Sommerpredigten dran sind. Wie beliebt sie sind, zeigt sich besonders in diesem Corona-Jahr. Wer heuer einmal an einem Wochenende auf Jochberg, Herzog¬stand oder Wank gestiegen ist, hat den Bergfreunde-Aufmarsch erlebt.

Der weite Ausblick, die grandiose Bergwelt, das Gefühl, den Sorgen des Alltags für eine Weile entronnen zu sein, lohnen alle Mühen des Aufstiegs. Dazu kommt die Empfindung, in dieser wunderbaren Schöpfung einen Platz zu haben, wie alle Kreatur ein Geschöpf, ein Kind unseres Gottes zu sein – ein Gefühl, das das Herz dankbar macht und offen für Freude und Lob. So haben wir früher ja auch beliebte Berggottesdienste der Gemeinde Starnberg auf den nahen Alpengipfeln gefeiert. Es begleitete uns das schöne Wort des Innsbrucker Bischofs Reinhold Stecher: „Viele Wege führen zu Gott. Einer geht über die Berge.“

Doch auf den Bergen kann man nicht bleiben. Wer auf dem Gipfel ist, muss auch wieder ins Tal. Und damit in die Niederungen des Alltags – in diesem Jahr besonders in die Wirklichkeit einer Pandemie, deren Entwicklung und Auswirkungen in Wirtschaft, Kultur, Studium und Schule, in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen – praktisch in jedem Lebensbereich – mit Sorge verfolgt werden. Wie sollen wir uns verhalten, was sollen wir tun? Die gesellschaftlichen und politischen Implikationen betreffen uns alle.

Als Christinnen und Christen suchen wir Rat, Ermutigung und Hoffnung in der Heiligen Schrift. Und wir erinnern uns an die Berggeschichte im Evangelium, die wir gerade gehört haben. Wer einmal eine Reise nach Israel gemacht hat, wird sich an den eindrucksvollen Berg Tabor erinnern, der auf dem Weg zum See Genezareth auftaucht und den Reisebus lange begleitet. Er erhebt sich einsam mit gleichmäßigen Flanken und einem breiten Gipfel aus der Jesreel-Ebene und wird in der Bibel mehrfach erwähnt. Er gilt als der Berg, auf dem die Geschichte von der Verklärung oder Verwandlung Jesu spielt:

„Nach 6 Tagen nahm Jesus mit sich Petrus, Jakobus und Johannes und führte sie allein auf einen hohen Berg.“ An einem Sabbat also unternahm Jesus mit seinen engsten Jüngern diese Bergbesteigung um nach seiner Gewohnheit zu beten. Auch diese Tour ist eingebettet in den Auftrag und Dornenweg unseres Herrn. Die alte Kirche hat diese Geschichte im Kirchenjahr an den Anfang der Passionszeit – vor die Besinnung auf das Leiden Jesu – gesetzt. Sie steht beim Evangelisten Matthäus zwischen zwei Leidensankündigungen. Es ist, als wollte Gott seinen Sohn noch einmal umarmen, bevor er seinen letzten Weg nach Jerusalem beginnt, und uns damit zeigen, was wir an ihm haben, wenn wir ihm in Einsamkeit und Gewalt, Leiden und Kreuz nachfolgen.
Die Berggeschichte lässt den im vollen Glanz Gottes erscheinen, der in einem Stall geboren und am Kreuz draußen vor der Stadt hingerichtet wurde. Es verwandelt den, dem die Schmerzen und Leiden dieser Welt keine Ruhe ließen. Vom Aufstieg auf den Berg erzählt Matthäus nichts, dabei war der ziemlich lang, wenn wir die ganze Geschichte einbeziehen. Er war mindestens so lang, wie Jesus alt war. 30 Jahre Jesusgeschichte liegen vor diesem Erlebnis auf dem Berg. 30 Jahre, von denen wir höchstens zwei Jahre einigermaßen kennen. Die schwierige Geburt im Stall von Bethlehem, die schnelle Flucht in fremdes Land, die paar Monate der öffentlichen Taten und Reden Jesu. Das alles liegt auf dem Weg, liegt jetzt hinter den vier Männern, die den Gipfel erklommen haben.

Eigentlich sind es noch mehr Jahre. 2000 Jahre liegen auf dem Weg zu diesem Berg. 2000 Jahre Gottes Geschichte mit den Menschen. Der Aufstieg auf einen Berg: allen Kindern Abrahams ist sofort die Bereitschaft des Erzvaters präsent, sich dem Willen Gottes bis hin zur Opferung des eigenen Sohnes nicht zu versperren und dabei gleichzeitig jedes Menschenopfer zu überwinden. Moses stieg zum Berg hinauf, empfing die Weisung zum Leben. Er kletterte hinauf und erfuhr, dass er wieder absteigen musste – dorthin, wo die Menschen ums goldene Kalb tanzen, ihre Freiheit verspielen, sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens sehnen und den liebenden und gerechten Gott zu einem harmlos lieben Gott werden lassen, weil sich damit leichter leben lässt. Weil er den Menschen ihren Wachstumsgötzen Baal nahm, musste Elia auf den Berg Horeb fliehen und durfte einen Blick auf das Wirken Gottes in der Geschichte werfen. Sie alle haben dazu beigetragen, damit die vier auf dem hohen Berg ihr einzigartiges Erlebnis, ihre Offenbarung haben können. Gottes Geschichte mit den Menschen, mit ihren schweren und schönen Zeiten, ist ein einziger Aufstieg auf diesen Berg. Und hier nun gipfelt die Geschichte.

Kaum sind die vier Männer angekommen, werden sie überwältigt. Ein grandio¬ses Schauspiel krönt die Mühen des Aufstiegs. Alles voller Licht, weiß wie Schnee, golden wie die Sonne. Jesus wird vor den Jüngern verklärt, verwandelt. Es ist ein ekstatischer Augenblick des Glücks, in dem die Welt zu Füßen liegt und die Freude hell und strahlend seine Gestalt ergreift: eine Hochzeit des Lichts, im Taumel der Sinne, an der Grenzzone zwischen Traum und Wirklich¬keit. Dieses Höchstmaß an Glück entzündet sich an der Gewissheit seiner Beru¬fung, Gott dieser Welt zu bringen. In diesem Augenblick wird er Gott gleich, „Sonne und Schild“ (Ps 84,12), wie der Dichter jubelt. Wie Gott ist er – nach unserem Eingangspsalm – „schön und prächtig geschmückt“ und „Licht ist sein Kleid, das er anhat“ (Ps 104). Deutlich wird: dieser Mensch Jesus von Nazareth ist zugleich Gott, ist Gottes Sohn. Bleibt seine Zugehörigkeit zu Gott sonst auch verborgen, hier wird sie für einen ganz kurzen Moment klar.

Das unterstreicht die Erscheinung von Mose und Elia, die die Geschichte weiter berichtet. Gottes Wahrheit steht auf zweier Zeugen Mund. Mose repräsentiert das Gesetz, also den in der Schrift festgelegten Willen Gottes. Seine Verheißung war bekannt: „Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott, erwecken ...“ (5. Mose 18,15). Elias repräsentiert die Propheten, durch die Gott sein Volk Israel immer wieder mahnte, tröstete und in seine Gemeinschaft zurückrief. Von ihm war die Verheißung vertraut: „Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt“ (Mal 3,23). Beide Repräsentanten der Geschichte Gottes, seiner Vergangenheit und seiner Zukunft, sprechen mit dem verherrlichten Jesus über seinen Auftrag.

Hier, wo die Wege Gottes zusammenlaufen, will Petrus bleiben: „Herr, hier ist gut sein! Willst du, so wollen wir hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine, Elia eine.“ Petrus denkt an alles, auch an die kalten Nächte ohne Sonne. Wer bleiben will, braucht ein Dach über dem Kopf, vor allem auf einem Gipfel. Petrus denkt weiter. Er verliert nicht den Verstand über der Schönheit. Darin ist er Sprecher der meisten Christen. Aber verstanden hat er den Gottesglanz nicht. Er denkt noch, alles geschieht ihm und den anderen zu Gefallen. Er will behalten und besitzen, er will die Seligkeit des Augenblicks festhalten, er will die Herrlichkeit ohne Leiden und Kreuz direkt erlangen.

Aber Gott fährt ihm gleichsam über den Mund: „Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke.“ Die Wolke ist in der Bibel das bevorzugte Symbol, Gottes Gegenwart in verhüllender Form zum Ausdruck zu bringen. In der Schilderung von Israels Zug durch die Wüste heißt es: „Solange die Wolke über der Stiftshütte lag, lagerten sie sich; wenn die Wolke sich erhob, zogen sie weiter“ (Num 9,20 f). Ein großartiges Bild: Gott ist gegenwärtig in der lichten Wolke und überschattet sie alle zusammen: Jesus, Mose, Elia und die Jünger.

Die Stimme aus der Wolke verknüpft drei verschiedene Verheißungen zu einer umfassenden Vorstellung des Messias: „Dies ist mein lieber Sohn“ wie im Krönungspsalm, „an dem ich Wohlgefallen habe“ wie beim Gottesknecht des Propheten Jesaja, „den sollt ihr hören“, wie in der Mose¬verheißung. Die ganze Fülle der Gottesoffenbarung kommt in Jesus zusammen. Das Gesetz des Mose, die Klagen und Verheißungen der Propheten, Lob und Dank, Not und Hoffnung der Psalmen: alles ist gut, alles ist wichtig und richtig; aber: „den sollt ihr hören“, diesem sollt ihr gehorchen.

Die Jünger beginnen, etwas zu begreifen, ohne schon wirklich zu verstehen. Der Glanz, die Freude des Augenblicks waren noch nicht das Ziel. Petrus war zu schnell. Die Schönheit ist der Weg, das Ziel aber ist das Wort: „den sollt ihr hören.“ Nur den. Die Jünger erschrecken und erkennen ihren Irrtum. Gottes Wege mit ihnen sind noch nicht zu Ende, ja, sie fangen jetzt erst richtig an. „Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und erschraken sehr.“

Da tritt Jesus zu ihnen, rührt sie an wie die gestorbene Tochter des Jairus, und spricht zu ihnen in der Vollmacht Gottes: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“ Ich bin ja bei euch. Auch jetzt, wo es wieder dunkler wird. Auch dieses Licht, das ihr gesehen habt, ist für die Dunkelheit gemacht. Und bald wird es noch dunkler werden, sehr bald.


Nun wird es laut, das Wort, das die ganze Zeit schon im Hintergrund war: „Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.“ Am Ende des langen Abstiegs wird der Tod sein. Jesus weiß, dass er nach diesem Gipfel tief hinunter muss, ganz tief. Die Menschen wollen nicht auf ihn hören, auf seine Botschaft von der Liebe und der Versöh¬nung, die auch den Feind mit einschließt. Sie wollen lieber bei gegen¬seitiger Verurteilung und Feindschaft bleiben, die ihrer Trennung von Gott entspringen.

Die Jünger werden es bald erfahren. Ob sie dann noch wissen, was sie erlebt haben auf dem Gipfel? Was gesagt wurde von Jesus? „Den sollt ihr hören!“ Unten sollen sie ihn hören, vor allem unten, wo Licht nötig ist. Da wird er reden, der auf dem Gipfel Ausgezeichnete. Er wird die Hungrigen und Durstigen, die Fremden, die Migranten, Nackten, Kranken und die Gefangenen seine gering¬sten Brüder und Schwestern nennen und diejenigen selig preisen, die ihnen Barmherzigkeit widerfahren lassen; er wird die Mühseligen und Beladenen zu sich rufen und ihnen ihre Last abnehmen; er wird den Friedens¬stiftern Gottes Kindschaft verheißen und den Sanftmütigen die Erde versprechen. Am Ende wird er seinen Feinden verzeihen und dem reumütigen Übeltäter den Weg ins Paradies öffnen.

Jünger und Jüngerinnen sollen ihn hören wenn kein Glanz mehr da ist; wenn sie keine Hütten bauen, sondern weglaufen möchten. Dann sollen Nach¬folger ihn hören. Die hellen Berge wollen helfen, die dunklen Täler zu be¬stehen. Der Glanz der Verklärung leuchtet in die finstere Leidenszeit. Wachen und beten sollen Jünger, damit sie nicht in Anfechtung fallen, sondern bei ihm bleiben. Das gilt für jede schwere Zeit, die wir zu bestehen haben.

Wenn wir Christinnen und Christen Jesus hören, wenn wir uns besinnen auf die Zeiten und Orte in unserem Leben, wo wir in einem Gottesdienst, bei einem Kirchenkonzert, in einem Gebet, auf einer Wanderung in den Bergen oder an den Seen, bei einer Hilfsaktion oder einem Krankenbesuch, tiefe Klarheit über uns und unser Leben empfangen haben, dann werden wir Licht haben noch im Dunkel schwerer Zeiten. Und wir werden uns daran erinnern, dass Jesus auch sagt: „Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel loben“ (Mt 5,14).

Dr. Wolfgang Döbrich, KR.i.R., Feldafing

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