Der Anfang evangelischen Gemeindelebens in Berg

Wie war der Anfang - wie hat alles begonnen? Eine Frage, die heute in verschiedenen Bereichen des Lebens gestellt wird, vielleicht, weil in unserer globalen Welt die eigene Identität und die Echtheit der Werte immer von neuem in Frage gestellt werden. Man prüft bei sich selbst, wo empfindet man sich zugehörig, wo und worin ist man „zuhause“. Dazu gehört auch die evangelische Gemeinde, der man angehört. Und man freut sich, wenn man feststellen kann, daß sie sich aus kleinen Anfängen kraftvoll und positiv entwickelt hat.

Was die Glaubensgemeinschaften von katholischen und evangeli-schen Christen hier bei uns am See betrifft, so hat die ursprünglich ka-tholische Bevölkerung durch die Jahrhunderte wunderschöne Heim-stätten ihres Glaubens geschaffen. Sie sind heute offenen Herzens auch Heimat für evangelische Christen. Ein erfreuliches Ergebnis bewußt gelebten ökumenischen Lebens, das auch heute noch keine Selbstverständlichkeit ist.
Wesentliche politische Entscheidungen machten es möglich, daß sich evangelische Gemeinden bilden konnten. Im Jahre 1800 wurde unter dem Staatsminister Freiherrn Maximilian von Montgelas den Protestan-ten das Recht der freien Niederlassung und das Recht zum Erwerb von Liegenschaften zuerkannt, und im Jahre 1803 beendete das Religions-edikt die ausschließliche Katholizität in Bayern und den Katholizismus als Staatsreligion. Damit kam neue Bewegung und Veränderung in die Bevölkerung durch Zuzug evangelischer Bürger.

Trotzdem war die Zahl derjenigen, die sich zu Gottesdiensten trafen, am Anfang noch sehr gering auf dem Land. Man hatte kein eigenes Gemeindehaus, keine Kirche, sondern man traf sich in privaten Häu-sern, z.B. dem „Dosch“, dem späteren „Schloß Elsholz“, in Berg oder dem „Zacherl“, einem Hof in Aufhausen. Der „Dosch“ wurde 1841 von Joseph Schleifer an den säch¬sischen Legationsrat Baron Franz von Els-holz verkauft, der ihn umbaute. Baron Elsholz war evangelisch und stell¬te in seinem Anwesen Räumlichkeiten für Gottesdienste zur Verfü-gung. Ebenso wurde es auf dem Zacherl-Hof gehandhabt, der zur da-maligen Zeit im Besitz von Anton Berghofer war. Im Frühjahr 1851 fand der erste evangelische Gottesdienst statt. Sogenannte Reise¬prediger betreuten die Gottesdienste, wie z.B. Friedrich Popp und Adolf Elsperger. Zweimal im Jahr, dann immer öfter, wurden auf diese Weise evangelische Gottesdienste mit anschließendem Abendmahl abge-halten. Schloß Elsholz und der Zacherl-Hof sind somit als die eigentli-chen ursprünglichen „Glaubens¬orte“ evangelischen Gemeindelebens hier in Berg zu nennen. Leider existieren sie heute nicht mehr. Aber es ist gut, sich ihrer Lage im Ort und ihrer ehemaligen Bedeutung zu erinnern. 1976 wurde Schloß Elsholz (damals Institut Kamber) abgerissen, der Grund ist jetzt privat bebaut, und auf dem Grund des ehemaligen Zacherl-Hofes steht seit 1988 der Bauhof der Gemeinde Berg.
Rund 130 Jahre trennen uns von diesen bescheidenen Anfängen evangelischen Lebens in den genannten beiden Häusern bis zur Ein-weihung unseres evangelischen Gemeindehauses, dem Katharina von Bora-Haus, im Jahre 1989. Die Gemeinde ist bis heute auf 1415 Mitglieder angewachsen, führt ein lebendiges Gemeindeleben und ist jetzt auf eigenem Grund und Boden wahrhaft in Berg zuhause.

Liselotte Klein
 

 

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