Der Friedhof in Aufkirchen Von der Dunkelheit zum Licht

Das neue Kirchenjahr beginnt mit dem 1. Advent, der dieses Jahr auf den 30. November fällt. „Advent“, die Ankunft Christi. Wir entzünden an diesem Sonntag das erste von vier Lichtern, die die vier Wochen bis zur Weihnacht begleiten.
Diesem Neubeginn geht das Ende des alten Kirchenjahres voraus. Ein Anlaß für uns, die vergangene Zeit zu überdenken, wie wir sie erlebt und gelebt haben. Wir denken und erinnern uns an die Menschen, die nicht mehr mit uns leben, und wir bringen ihnen Lichter auf ihre Ruhestätten im Friedhof in diesen dunkleren Tagen. An Allerheiligen, Allerseelen, am Ewigkeitssonntag, im Advent, an Weihnachten und Silvester. Wir bauen damit für sie und für uns Brücken aus der Dunkelheit in das Licht, ein Symbol dafür, daß der Tod nicht das Ende ist. Ein Friedhof gehört deshalb zu den besonderen Glaubensorten einer christlichen Gemeinde.
Es gibt berühmte Friedhöfe in der Welt. In den großen Städten der Länder, weite Landstriche mit Gräbern aus den zwei Weltkriegen, besondere, vertraute, kleine Friedhöfe auf dem Land. Alle spiegeln sie Glaube, Sitte und den Geist der Zeit und der Geschichte wider. Auch unser Friedhof in Aufkirchen gehört dazu. Er liegt heimatlich friedvoll auf der Höhe von Aufkirchen, bei der Kirche Mariae Himmelfahrt, angelehnt an die Mauern des Klosters. Und er liegt mitten im Ort, was sein besonderer Vorzug ist.

Der Friedhof ist so alt wie die Wallfahrtskirche Mariae Himmelfahrt selbst, wenn nicht sogar älter, denn vor deren Bau im Jahre 1499 bestand schon eine kleinere Kirche, die aber nicht mehr genügend Platz bot für die vielen Gläubigen. Man hatte deshalb den Neubau beschlossen. Im Jahre 1500 wurde die Kirche fertiggestellt und geweiht. Herzog Albrecht IV., seine Frau Kunigunde und sein Bruder Herzog Siegmund hatten den Bau freigebig unterstützt. Unser Friedhof Aufkirchen reicht also bis in diese Zeit zurück und umfaßt heute eine Fläche von 2 Hektar. Im Inneren der Kirche findet man mit die ältesten Grabplatten mit Inschriften von Verstorbenen, z.B. über der Tür der Sakristei: „Johannes Georg Hörwarth, verstorben am 15. Januar 1622“. Hans Georg Hörwarth war Geheimer Rat und Kanzler unter Herzog Wilhelm V. und Herzog Maximilian I., er war Besitzer der Hofmark Berg mit Aufkirchen, Allmannshausen und Biberkor, der Hofmarken Poschetsried, Forstenried, Planegg, Seeleiten und Steinach. Er war nicht nur erfolgreich politisch tätig, sondern stand auch in Gedankenaustausch mit zahlreichen Gelehrten, darunter dem Astronom Johannes Kepler1. Auch eine Grabplatte eines Augustiner Chorherrn, die ihren Sitz in Diessen hatten, ist zu finden. Außen an der südlichen Kirchenwand findet man eingelassene Grabplatten, 1514 ist zu entziffern und an der östlichen Friedhofsmauer 1522 mit der Familieninschrift der Ligsalz, frühe ehemalige Hofmarksbesitzer von Berg, daneben die Gedenktafel an J.U. Himbsel, der den Kreuzweg gestiftet hat. An der westlichen Wand des Kirchenschiffs findet man die Inschriften des Veroneser Geschlechts der Rambaldi, die ein Jahrhundert, vom Beginn des 19. Jahrhunderts, in Berg lebten und Besitz hatten. Es reiht sich Lebensbild an Lebensbild beim Lesen dieser Namen.

Obwohl die Friedhöfe für die Toten sind, sind sie Teil unseres Lebens. Sie sind ein Kulturgut und gehören zu uns und unserer Geschichte.

Liselotte Klein

(1 H.R.Klein, Berg, Bd. 1)
 

 

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