Das Gotteshaus St. Martin und St. Nikolaus in Farchach

Die Kette der Glaubensorte in der Gemeinde Berg schließt sich mit dem Gotteshaus St. Martin und St. Nikolaus in Farchach. Damit sind 9 Glaubensorte wie Perlen aufgereiht, wohlplaziert inmitten einer dörfli-chen Struktur oder auf freiem Wiesen¬grund, auf weithin sichtbaren Anhöhen oder umfriedet von parkarti¬gem Gelände wie St. Anna. Je-des Gotteshaus hat sein eigenes, persön¬liches, wiedererkennbares Antlitz, seine eigenständige Geschichte und ist Heimat für die Men-schen in unserer Gemeinde.
Die Entstehungszeit der Farchacher Kirche liegt in geschichtlichem Dunkel. Sie ist jedoch bereits in der ältesten Matrikel des Bistums Frei¬sing von 1315 erwähnt und über ihre Kirchenpatrone St. Martin und St. Nikolaus gibt erstmals die Sunderdorfersche Matrikel von 1524 Auf-schluß. St. Martin, seit dem Jahre 371 Bischof von Tours, wurde nach seinem Tod, 397, zum bedeutendsten Heiligen und Schutzpatron der fränkischen Könige. St. Nikolaus lebte zu Beginn des 4. Jahrhunderts und war Bischof von Myra. Er wurde seit dem 6. Jahrhundert verehrt, seit dem 9. Jahrhundert in Italien und seit dem 10. Jahrhundert in Deutschland. Er ist der Schutzpatron der Schiffer, Kaufleute und Schüler. Demnach könnte die Kirche in Farchach schon im 9. Jahrhundert als Martinskirche bestanden haben, und in der Zeit der Andechser, nach 1090, ist St. Nikolaus dazugekommen. Belege dafür gibt es allerdings nicht.
Im Zuge der Gegenreformation wurde auch das Farchacher Gottes-haus, das um 1700 baufällig geworden war, umgebaut und barockisiert und am 5. September 1779 vom Freisinger Fürstbischof neu geweiht.
Das Gotteshaus steht dominant im Zentrum Farchachs. Der Kirchen-raum, den man durch das Sockelgeschoß des westlich angeordneten Kirchturms betritt, ist hell und licht durch hohe Rundbogenfenster. Die Wandgliederung beschränkt sich auf ein reich profiliertes Gesims in Höhe der Bogenachse der Fenster. Der Hauptaltar aus einer Wolfrats-hauser Werkstatt stammt von 1680/85. In seiner Mittelnische stehen die 1 m hohen Holzplastiken von St. Martin und St. Nikolaus vom Beginn des 16. Jahrhunderts. Die Seitenfiguren St. Johann und St. Paul wurden um 1700 gefertigt, ebenso die blau-gold gefaßte Kanzel.
Vor dem Chorbogen hängt an der Decke eine Madonna im Rosen-kranz aus dem 17. Jahrhundert, in der Art der Patrona Bavariae, mit vier Engeln. Im Chor die Figuren des hl. Augustin und der hl. Monika aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. An beiden Seiten des Chorbogens stehen zwei überlebensgroße Holzfiguren der hl. Katharina und der hl. Barbara aus der Werkstatt des Christoph Angermaier von 1626. An den beiden Seitenaltären befinden sich Barockplastiken vor gemaltem Hintergrund, „Kreuzigung“ und „Pieta“. Bemerkenswert sind zwei spät-gotische Tafelbilder, auf denen Geburt und Tod des hl. Nikolaus dar-gestellt sind. Sebastian Ligsalz hat sie im Jahre 1532 aus der Niko-lauskirche in München, die für den Neubau der Michaelskirche in der Neuhauserstraße abgebrochen werden mußte, für Farchach beschafft. Über der Sakristeitüre hängt eine Bildtafel von 1584, die von 5 Brüdern mit dem Familiennamen Adler gestiftet wurde, die alle dem geistlichen Stand angehörten.
Bei einer erneuten Renovierung der Kirche 1793/95 wurde an der Brüs-tung der Empore die Inschrift angebracht: „ Lob sei Gott in der Höhe, Friede den Menschen, die guten Willens sind.“

Liselotte Klein

(Quelle: H.R.Klein, Der gefreite Sitz Farchach)
 

 

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